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Bürgerkrieg in Syrien: Bonner Organisationen helfen während der Waffenruhe

Bürgerkrieg in Syrien : Bonner Organisationen helfen während der Waffenruhe

Verschiedene Organisationen, die ihren Sitz in Bonn haben, versorgen während der Waffenruhe in Syrien die dortige Bevölkerung so gut es geht mit Nahrung und Medizin.

Es ist ein vernehmlicher Stoßseufzer, mit dem in Bonn ansässige Hilfsorganisationen auf die Waffenruhe im syrischen Bürgerkrieg reagieren. Von Erleichterung ist hingegen wenig zu spüren. Am dichtesten dran ist vermutlich Marten Mylius, der von Jordaniens Hauptstadt Aman aus für Care die Nothilfe im Nahen und Mittleren Osten koordiniert. Für die direkte Hilfe setzt die Organisation wie viele andere auch auf lokale Partner. „Im Süden konnten wir in den vergangenen Tagen Dinge wie Decken, Geräte zur Wasserversorgung und andere Güter des Notbedarfs über die jordanisch-syrische Grenze bringen“, berichtet Mylius telefonisch.

Im Norden hätten Partner die medizinische Hilfe wieder aufnehmen können, die nach den schweren Luftangriffen auf Aleppo durch Beschädigungen und Verwüstungen nicht mehr möglich gewesen sei. „Das funktioniert jetzt wieder“, hat Mylius erfahren. Schwierig sei die Lage vor allem noch in den 15 eingeschlossenen Ortschaften. Dort würden die letzten Lebensmittelvorräte teils für Wucherpreise verkauft. Lokale Helfer versuchten mit Abgaben aus Lagerbeständen, die größte Not zu lindern. „Wir konzentrieren uns auf das Nötigste: Nahrung, Wasser, Medizin“, sagt Nylius, der täglich Kontakt mit seinen Partnern hält. „Der Zugang zu den Eingeschlossenen hat nun oberste Priorität.“

Der Verein „Help – Hilfe zur Selbsthilfe“ ist eine von wenigen internationalen Hilfsorganisationen, die ebenfalls von Bonn aus seit 2012 notleidende Syrer in ihrem Heimatland unterstützt. „Wir versorgen die vom Bürgerkrieg betroffenen Menschen in der Region Homs und im Großraum Damaskus mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser, Hygiene- und Winterartikeln, leisten medizinische Beihilfen und bieten Notschulunterricht und berufsvorbereitende Kurse an“, berichtet Geschäftsführerin Karin Settele. Die Anschläge der vergangenen Wochen in den Projektgebieten erschwerten allerdings den Zugang zu den Menschen. Einige Gebiete seien derzeit gar nicht erreichbar. Help kümmert sich überdies auch um syrische Flüchtlinge in Jordanien sowie Transitflüchtlinge in Südosteuropa.

Dirk Hegmanns, Regionaldirektor der Welthungerhilfe für die Türkei, Syrien und den Nordirak, sieht ebenfalls noch keinen Grund zur Entwarnung. „Der Waffenstillstand ist noch zu brüchig, als dass die Menschen ihm trauen“, berichtet er. „Wir haben auch noch keine Anzeichen dafür entdeckt, dass Menschen nach Aleppo zurückkehren.“ Weiterhin befänden sich damit etwa 75.000 Menschen an der Grenze zur Türkei, die versorgt werden müssten. „Wir machen mit unserer Arbeit unverändert weiter.“

GIZ in Syriens Nachbarländern aktiv

Bis Ende vergangenen Jahres hat die Welthungerhilfe nach eigenen Angaben mehr als 28.000 Menschen mit Winterpaketen, 16.200 mit Lebensmittelcoupons und 10.800 Personen durch bezahlte Arbeit versorgt. Die Grundversorgung mit Brot konnte bisher für 148.000 Opfer des Bürgerkriegs sichergestellt werden. Ausgewählte Bäckereien erhalten dazu Mehl-Lieferungen als Unterstützung. Zu längerfristigen Auswirkungen der Waffenruhe kann man laut Hegemanns noch nichts sagen. Der Waffenstillstand sei nicht unbedingt stabil, „daher ziehen es die Menschen vor, in der Türkei oder an der Grenze auszuharren“.

Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ist im Auftrag des Entwicklungshilfeministeriums in Syriens Nachbarländern aktiv, um die Flüchtlingsproblematik zu mildern. In der Südtürkei hat die Organisation im vergangenen Jahr für 1,4 Millionen Euro vier Primär- und Sekundarschulen so erweitert, so dass diese Platz für 2000 syrische und 2500 türkische Kinder bieten. Die Lehrer stammen aus den Kreisen der Flüchtlinge und arbeiten gegen eine Aufwandsentschädigung. Türkische und syrische Familien sollten sich bei gemeinsamen Aktivitäten näher kommen, berichtet Pressesprecherin Lena Hollender.

Auch im Nordirak und in Jordanien sind GIZ-Experten aktiv. Dort helfen sie etwa bei der Ausbildung von Klempnern. Schließlich gehe in dem Wüstenland 40 Prozent des kostbaren Trinkwassers in maroden Leitungen verloren. „Immerhin ist Jordanien wie eine Oase der Ruhe in der Region“, sagt CARE-Koordinator Mylius. Aber bei den heftigen Kampfhandlungen kurz vor der Waffenruhe seien auch Artilleriegeschosse über die Grenze nach Jordanien geflogen. Die ist von Aman keine 60 Kilometer entfernt.