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Leiter der Caritas-Beratungsstelle geht in Ruhestand: Bonner Psychologe setzte sich über Jahre für Familien ein

Leiter der Caritas-Beratungsstelle geht in Ruhestand : Bonner Psychologe setzte sich über Jahre für Familien ein

Der Bonner Psychologe Peter Conzen von der Caritas-Familienberatungsstelle geht nach fast 40 Jahren in Rente. Die Auswirkungen der Pandemie auf die Psyche sind aus seiner Sicht noch gar nicht absehbar.

Ob er diesen Schwur wirklich halten kann? „Ich will nichts versprechen“, lacht Peter Conzen. „Aber ich werde mich wirklich nach Kräften bemühen“, fügt er hinzu. Und wenn er trotzdem rückfällig wird? „Dann hoffe ich auf eine milde Strafe seitens meiner Familie“, schmunzelt er.

Seit 1983 arbeitet Peter Conzen beim Bonner Caritasverband, seit 1985 in der Beratungsstelle für Eltern, Jugendliche und Kinder, deren Leitung er 2005 übernommen hat. Ende Juli wird er sein Büro in der Hans-Iwand-Straße endgültig räumen und in den Ruhestand gehen. Dann hätte er eigentlich viel Zeit, um ein neues Buchprojekt in Angriff zu nehmen. „Aber ich habe meiner Familie nun einmal versprochen, dass es kein weiteres Buch geben wird“, sagt er augenzwinkernd. „Aber wie gesagt, versprechen kann ich nichts!“

„Bereichernde Zeit“

Als „schöne und bereichernde Zeit“ beschreibt er seine Tätigkeit bei der Caritas, wenngleich ihm bewusst ist, dass auf sein Team in nächster Zeit enorm viel zukommen wird. „Noch wissen wir nicht, welche langfristigen Auswirkungen die Einschränkungen der Pandemie auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen hat. Sicher ist nur, dass noch mehr Heranwachsende unsere Hilfe brauchen werden“, ist er überzeugt. „Die Zahl derjenigen, die an Depressionen erkranken, wird steigen. Bisher haben wir keine Erkenntnisse, wie sich Corona mittel- und langfristig auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen auswirken wird.“

Verstärkt hätten sich auch die Konflikte innerhalb von Familien. Denn, so seine Beobachtung, Corona hat eine Vielzahl schwerwiegender „Multiprobleme“ zutage gefördert. „Gleichzeitig mussten auch wir in der Beratung neue Wege gehen. Einiges konnte per Telefon oder Video angeboten werden. Aber das persönliche Gespräch ist nun einmal nicht zu ersetzen“, so Conzen.

Wie gut, dass sich die Beratungsstelle in unmittelbarer Nähe zum Hofgarten befindet. „So konnte man sich draußen treffen und Sorgen und Ängste während eines Spaziergangs ansprechen.“ Er weiß zwar, dass in Zukunft mehr Heranwachsende Hilfe brauchen werden, aber Conzen gibt sich dennoch optimistisch: „Ich bin sicher, dass aus Situationen, die sich anfangs als Krise darstellen, auch Stärken wachsen können.“

Das zentrale Büro war auch Fluch

Die direkte Nähe seines Büros zur City war in all den Jahren allerdings nicht nur Segen, sondern eben auch Fluch. Denn selbst der Leiter der Erziehungsberatung kämpft seit Jahren gegen eine Sucht. „Bisher allerdings ohne Erfolg“, gibt er unumwunden zu. „Am Kaiserplatz gibt es so wunderbare Eisdielen. Ich kann einfach nicht widerstehen. In jeder Mittagspause muss ich mir einfach ein Eis kaufen.“ Mit Beginn des Ruhestandes wird er sich wahrscheinlich einem „kalten Entzug“ stellen müssen. „Auf mein Eis werde ich wohl verzichten“, vermutet er.

Nicht immer gelang es Peter Conzen, die Schicksale und Konflikte, mit denen er konfrontiert wurde, am Ende eines Arbeitstages im Büro zurückzulassen. „Besonders dann nicht, wenn man im Laufe einer Behandlung feststellt, dass Misshandlung oder gar Missbrauch die eigentliche Ursache für das akute Problem sind“, erzählt er. „Es gibt Schicksale, die mich sehr berührt haben und die ich wohl nie mehr vergessen werde“, berichtet er. „Aber ich konnte mich immer darauf verlassen, dass ich von meiner Familie aufgefangen werde. Es ist nicht immer einfach, Erzählungen auszuhalten“, so Conzen.

Gebürtiger Bad Godesberger

1955 in Bad Godesberg geboren, lebt er mit seiner Frau noch immer in diesem Stadtbezirk – „mit einem herrlichen Burgblick“. 1962 wurde er in der Burgschule eingeschult, 1974 machte er am Aloisiuskolleg sein Abitur, um anschließend an der Bonner Uni Psychologie zu studieren.

Bad Godesberg blieb immer sein Lebensmittelpunkt. Dort wuchsen seine beiden Kinder (heute 35 und 31 Jahre alt) auf, der vierjährige Enkel Felix lebt in unmittelbarer Nähe. Für ihn wird er jetzt viel Zeit haben. Ebenso für seine Hobbys Sport und vor allem Fußball (sein Herz schlägt für Borussia Mönchengladbach). „Und natürlich fürs Lesen“, sagt der Autor verschiedener Bücher sowie unzähliger Fachbeiträge zu Themen der psychoanalytischen Entwicklungstheorie, zur Familiendynamik, Identitätstheorie und zu fanatischen Persönlichkeitsveränderungen. Und wenn er es ganz genau betrachtet, dann ist der Weg vom Lesen zum Schreiben nicht weit entfernt. „Aber wie gesagt, ich habe ja einen Eid geleistet . . . “

Mittlerweile hat er die persönlichen Gegenstände aus seinem Büro mit dem kleinen Balkon und dem herrlichen Blick in idyllische Südstadtgärten geräumt. Nur wenige Aktenordner stehen noch in den Regalen. Es ist alles bereit, seine Nachfolgerin kann einziehen. „Ich bin froh, dass sie die so wichtige Arbeit klug und kompetent weiterführen wird, denn die Caritas-Beratungsstelle ist ein unverzichtbarer Bestandteil der psychologischen Landschaft in Bonn“, ist er überzeugt.