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Prozess vor dem Landgericht: Bonner räumt sexuellen Missbrauch von Kindern weitgehend ein

Prozess vor dem Landgericht : Bonner räumt sexuellen Missbrauch von Kindern weitgehend ein

Ein 50-Jähriger muss sich vor dem Landgericht Bonn wegen des Verdachts des Kindesmissbrauchs verantworten. Ermittler fanden bei ihm zudem 3500 Dateien mit pornografischem Inhalt.

„Vielleicht liegt es daran, dass ich, als ich in diesem Alter war, bei Mädchen nicht gerade als der Burner galt.“ Mit diesen, mit stoischer Miene vorgetragenen Worten, hat der Angeklagte auf die Frage des Richters geantwortet, warum er als fast 50-Jähriger ein sexuelles Interesse an zwölfjährigen Mädchen habe.

Vor der Zweiten Großen Jugendschutzkammer am Bonner Landgericht hat unter dem Vorsitz von Richter Wolfgang Schmitz-Justen am Dienstag der Prozess gegen einen ehemaligen Koch und  DJ aus Bonn begonnen. Die Anklage lautet auf schweren sexuellen Missbrauch von Kindern sowie Herstellung, Besitz, Erwerb und Verbreitung kinderpornografischen Materials. Um einen ersten Fall des Mannes handelt es sich bei den angeklagten Taten wohl nicht, er ist bereits einschlägig wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft.

Insgesamt 14 Taten zwischen September 2018 und April 2019 werden dem Mann nun zur Last gelegt: Im Oktober und November des Jahres 2018 – so nimmt es die Anklage an – soll der wegen einer Muskelerkrankung gehbehinderte Täter per Videochat den Kontakt zu zwei zwölfjährigen Mädchen gesucht haben. Nachdem ein Vertrauensverhältnis hergestellt war, soll der Mann sodann im Rahmen von zehn Internetchats an neun Tagen die Kinder aufgefordert haben, sexuelle Handlungen an sich untereinander vorzunehmen.

Fall kommt wegen eines Fotos bei Facebook ins Rollen

Auch soll der Angeklagte dabei an sich manipuliert und das Geschehen in einem Video aufgezeichnet haben. In einem weiteren Chat, so wirft die Anklage ihm weiter vor, soll eine 13-jährige Schülerin das Opfer seiner Handlungen geworden sein.

Im Großen und Ganzen stimmten die Vorwürfe, erklärte der Angeklagte zu Beginn der Verhandlung. Fast 3500 Dateien mit kinderpornografischem Inhalt – Fotos, Videos und Chatprotokolle – hatten die Ermittler auf dem Laptop und einem Handy des Angeklagten sichergestellt. Zum Verhängnis wurden dem Mann zunächst wohl nicht die Aussagen seiner Opfer, sondern das Foto eines sechsjährigen Kindes, das er im September 2018 mit dem Facebook-Messenger gesendet haben soll: Dieses Internet-Programm verwendet, anders als zum Beispiel Whatsapp, standardmäßig zunächst keine Verschlüsselung, und offenbar war dabei das Foto den Seitenbetreibern aufgefallen.

Aufgewachsen war der Mann in Bonn. Er sei bereits als Kind verhaltensauffällig gewesen. Eine Kochlehre hatte er abgebrochen, um auf Kreta zeitweise als DJ zu arbeiten. Nach seiner Rückkehr war er als Koch und DJ in Clubs und Restaurants in Bonn tätig, bevor er wegen „einer bekloppten Geschichte“ mehrere Jahre in Frankreich in Haft saß: Er soll versucht haben, Heroin über die Grenze zu schmuggeln. Später sei er aufgrund einer Erkrankung erwerbsunfähig geworden. Zum Tatzeitpunkt wohnte er in Bornheim. Ein Urteil wird für Ende Juni erwartet.