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Ausstellung im Stadtmuseum: Bonner Rheinbrücke: Ein Symbol für Macht und Stolz

Ausstellung im Stadtmuseum : Bonner Rheinbrücke: Ein Symbol für Macht und Stolz

Bilder und Dokumente der Ausstellung im Stadtmuseum in Bonn zeigen die wechselvolle Geschichte der Bonner Rheinbrücke.

Na, der Kerl kann sich auf was gefasst machen. Mit dem "Schluffen" in der Hand erwartet das Brückenweibchen den frechen Kerl von der anderen Seite - falls er jemals den Mut hat rüberzukommen. Einst als Symbol für den Streit der Bonner und der Beueler über den genauen Verlauf der "Alten Rheinbrücke" an beiden Uferseiten angebracht, haben die beiden Skulpturen heute längst einen anderen Platz innerhalb der Stadt: Während "Et Bröckemännche" in einer Bonner Gaststätte hängt, droht das Brückenweibchen seit 2006 mit dem Pantoffel in der Hand von der Beueler Uferpromenade aus.

Seit 117 Jahren gibt es die älteste dauerhafte Brücke über den Rhein. Preußischer Stolz, missbraucht für Nazipropaganda, total zerstört als Mahnmal gegen Krieg und Diktatur - kaum ein Bauwerk spiegelt die gesellschaftliche und politische Entwicklung der Stadt besser wider. Grund genug, dass das Stadtmuseum der heutigen Kennedybrücke eine Ausstellung widmet. Bis zum 13. Dezember sind Fotos, Originalbauteile und Dokumente in den Ausstellungsräumen an der Franziskanerstraße zu sehen.

Bis zur Eröffnung 1898 war das Übersetzen zum anderen Ufer nur per Fähre, Boot oder über Schiffs- und Holzbrücken möglich. Bereits im 17. Jahrhundert bestand an gleicher Stelle eine regelmäßige Verbindung in Form einer Seilfähre. Mit zunehmender Industrialisierung fanden jedoch immer mehr Bonner in Fabriken und Betrieben in Beuel Arbeit.

Das ständig wachsende Verkehrsaufkommen zwischen beiden Flussufern konnte per Fähre nicht mehr bewältigt werden. Hinzu kamen noch Behinderungen durch Hoch- und Niedrigwasser, Nebel, Eis und Dunkelheit.

1896 begannen die Arbeiten

Nach langwierigen Verhandlungen und Rechtsstreitigkeiten mit der Fähraktiengesellschaft, die in diesem Rheinabschnitt die Fährrechte besaß, wurde schließlich im Juli 1895 ein Wettbewerb für den Brückenbau ausgeschrieben. Bereits im April 1896 begannen die Arbeiten. Am 17. Dezember 1898 wurde die Brücke schließlich für den Verkehr freigegeben.

[Fotostrecke]Doch der wilhelminische Prachtbau war für die Menschen in der Stadt weit mehr als eine schnelle und bequeme Art, den Fluss zu passieren. Durch den imposanten Baustil sollten auch Selbstbewusstsein, Macht und Stolz demonstriert werden. Weinlaub und Reben verzierten das prächtige Brückengeländer, zwei große, imposante Löwen flankierten das Zollhaus.

Das Windverbandportal auf der Beueler Seite war sogar mit stilisierten, romantischen Rheinlandschaften verziert. Nicht nur die Bonner und die Beueler waren stolz auf die technische Meisterleistung aus Stein und Eisen. Touristen bestaunten das Bauwerk und posierten für Erinnerungsfotos vor der Brücke. Es gab nicht nur Ansichtskarten, sondern auch jede Menge Souvenirs wie Sammeltassen und Briefbeschwerer mit entsprechender Ansicht.

Alte Rheinbrücke von den Alliierten bombardiert

Im Zweiten Weltkrieg war der Rhein ein militärstrategisch wichtiges Ziel. Obwohl die Turmhauben der Pfeiler abmontiert und die Flak darin stationiert war, wurde die Alte Rheinbrücke von den Alliierten bombardiert. Getroffen und zerstört wurde jedoch meist die Umgebung: Die Uferbebauung lag in Schutt und Asche, ein Blindgänger fackelte die Bäume am Alten Zoll ab, "Kuhl" und Altstadt wurden stark beschädigt.

Am 8. März 1945 wurde die Brücke schließlich gesprengt, Tonnen von Stein und Stahl blockierten den Rhein. Allein drei Jahre dauerte es, bis die Trümmerteile aus dem Wasser geborgen waren. In dieser Zeit gab es lediglich eine Fährverbindung. Im Winter, bei Hoch- oder Niedrigwasser war ein Übersetzen allerdings unmöglich.

Am 8. März 1949, auf den Tag genau vier Jahre nach der Zerstörung, wurde an gleicher Stelle erneut ein Grundstein für eine Rheinbrücke gelegt. In Rekordzeit wurde das heutige Bauwerk hochgezogen, denn schon am 12. November 1949 rollte erstmals der Verkehr von Bonn nach Beuel.

Neue Brücke sah bescheidener aus, war aber verkehrspolitisch unverzichtbar

Während sich das "Vorgängermodell" über Jahrzehnte hinweg als "Wilhelminischer Prunkbau" präsentiert hatte, fiel die neue Brücke in der Notzeit nach dem Zweiten Weltkrieg wesentlich bescheidener aus. Trotzdem war der Bau nicht nur verkehrspolitisch unverzichtbar, sondern sicher auch Voraussetzung dafür, dass Bonn provisorische Bundeshauptstadt wurde. Staatsgäste, die auf dem Köln-Bonner Flughafen landeten, fuhren über die Alte Rheinbrücke in die Stadt hinein.

Tausende Schaulustige standen dort Spalier, als John F. Kennedy am 23. Juni 1963 in einer offenen Limousine Bonn erreichte. Nur Tage nach dessen Ermordung am 22. November 1963 erhielt die Bonner Rheinbrücke einen neuen Namen: Seit dem 2. Dezember 1963 ist sie nach dem amerikanischen Präsidenten benannt.

Die Ausstellung kann bis Sonntag, 13. Dezember, im Stadtmuseum, Franziskanerstraße 9, besucht werden: mittwochs von 9.30 bis 14 Uhr, donnerstags bis samstags von 13 bis 18 Uhr, sonntags von 11.30 bis 17 Uhr. Weitere Informationen gibt es unter Tel. 0228/77 28 77 oder 77 20 94.