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Planung für neues Konzept beginnt: Bonner sollen Lösung für Bäder-Dilemma erarbeiten

Planung für neues Konzept beginnt : Bonner sollen Lösung für Bäder-Dilemma erarbeiten

Am Sonntag schließen die Bonner Freibäder. Dann startet der Planungsprozess für ein neues Bäderkonzept. Nachdem der Stadtrat sich bisher nicht einigen konnte, sollen Bürger nach zwei Bürgerentscheiden jetzt selbst das Heft in die Hand nehmen und Ideen und Vorschläge entwickeln.

Alle Jahre wieder dasselbe Dilemma am Ende des Sommers: Die Freibadsaison endet an diesem Sonntag, 1. September, obwohl weiter freundliche Tage in Aussicht stehen. Die Ausnahme von dieser Regel ist das Freibad im Hardtbergbad, das länger geöffnet bleibt, weil im benachbarten Hallenbad Fliesen von den Beckenwänden gefallen sind. Der Freibadteil öffnet deshalb auch noch in der nächsten Woche.

Um die Freibäder und Hallenbäder parallel zu betreiben, fehlt der Stadt das Personal. Die Hallenbäder genießen jetzt wieder Priorität, weil dort mit Schulbeginn der Schwimmunterricht der Klassen und der Trainingsbetrieb der Vereine beginnt.

Spannend wird es nach Schließung der Freibäder gleichwohl, denn dann startet der Planungsprozess für ein neues Bäderkonzept. Nachdem der Stadtrat sich bisher nicht einigen konnte, sollen Bürger nach zwei diametral entgegen stehenden Bürgerentscheiden jetzt selbst das Heft in die Hand nehmen und Ideen und Vorschläge entwickeln.

Bürger werden intensiv beteiligt

Der wichtigste Teil dieses Bürgerbeteiligungsverfahrens zur Neugestaltung der Bonner Bäderlandschaft sind vier Planungszellen, die vom 2. bis zum 5. September und vom 9. bis zum 12. September stattfinden werden. 100 Teilnehmer wurden im Zufallsverfahren aus dem Einwohnermelderegister ausgewählt und eingeladen. Die Stadt betont, dadurch hätte jeder Bonner dieselbe Chance auf eine Teilnahme gehabt, so dass auch Menschen aus der sogenannten „schweigenden Mehrheit“ dabei sind – also Bürger, die sich bisher nicht für dieses Thema engagieren oder besondere Interessen vertreten. Die Zusagen und die Einteilung zu den Planungszellen sind auch bereits erfolgt, berichtete das Presseamt.

Auf diese 100 Bürger wartet ein umfangreiches Arbeitsprogramm. Sie werden vielseitig informiert, schauen sich Bäder an oder stellen Fragen an die Ratsfraktionen, Vereine und sonstige Akteure. Zu vielen Themen wie den möglichen Standorten, den Bedürfnissen der Nutzergruppen sowie den Sanierungsmaßnahmen machen sich die Bürgergutachter Gedanken, diskutieren, entwickeln Vorschläge und bewerten diese. Die Einschätzungen, Empfehlungen und Anregungen aus den vier Planungszellen werden dann zusammengeführt, verdichtet und am Ende in einem Bürgergutachten veröffentlicht. Das ist für den Spätherbst geplant, so die Stadt. Wie groß das Interesse der Bonner ist, zeigte die Auftaktveranstaltung im Mai, als die betreuende Gesellschaft für Bürgergutachten mehr als 200 Anwesende in der Bundeskunsthalle begrüßte. Ute Pilger, die neue Vorsitzende des Stadtsportbundes, äußert sich unterdessen gegenüber dem General-Anzeiger kritisch zur Form des Bürgerbeteiligungsverfahrens (Interview auf Seite 21 dieser Ausgabe).

Weiteren Ausfall von Hallenbädrn vermeiden

Bis es zu konkreten Entscheidungen kommt, sollte tunlichst keines der drei verbliebenen Hallenbäder mehr durch Defekte ausfallen. Bei einigen Lehrschwimmbecken ist jedoch genau dies jüngst passiert: Das Becken in der Derletalschule (Duisdorf) ist bereits seit Anfang 2018 defekt, hinzu kam vor wenigen Tagen ein Rohrbruch im Becken der Bodelschwinghschule (Friesdorf), was auch Nutzer von ärztlich verordnetem Rehasport hart trifft. Auch das Becken im Konrad-Adenauer-Gymnasium (KAG), das erst im nächsten Jahr wieder betriebsbereit ist, sorgt für Engpässe und erhöhten Abstimmungsbedarf.

Missstände beim Schulschwimmen kritisiert der Bürger Bund Bonn und verweist auf die angestiegene Zahl der tödlichen Badeunfälle in Deutschland. Fraktionschef Marcel Schmitt glaubt anhand der Zahlen der Sportverwaltung, dass in den noch funktionstüchtigen Bonner Hallenbädern zu wenige Stunden zur Verfügung stehen, um die vorgeschriebenen Schwimmstunden zu erteilen. Außerdem bemängelt er eine „Geheimniskrämerei“ der Stadt, denn eine im Rat von der BBB-Fraktion gestellte Anfrage zum Schulschwimmen sei zuletzt unbeantwortet geblieben, weil der Oberbürgermeister dies für eine innere Angelegenheit der Schulen halte. Schmitt vermutet nun, dass es Unterrichtsausfälle beim Schwimmen gab.