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Bonner Städtepartnerschaft mit Ramallah

Städtepartnerschaft mit Ramallah : Kontakte ins Westjordanland

Die Stadt Bonn ist eine Partnerschaft mit Ramallah eingegangen. In den Nahost-Konflikt will sie sich dadurch nicht ziehen lassen. Die Jüdische Gemeinde in Bonn reagiert zurückhaltend.

Oppeln, Stolp, Oxford und einige mehr: Die Stadt Bonn hat bekanntlich viele Freunde in der Welt. Jetzt ist die Kette um ein weiteres Glied erweitert worden. Mit der Stadt Ramallah ist die Bundesstadt seit einigen Wochen um eine Partnerstadt im palästinensischen Westjordanland reicher.

Mehrere Dutzend Menschen fanden sich jetzt in Bad Godesberg zur offiziellen Gründungsversammlung des Partnerschaftsvereins Bonn-Ramallah ein. Unter den Anwesenden waren neben dem Bürgermeister der Stadt Ramallah, Musa Hadid, Vertreter der Stadt Bonn und Gäste bereits bestehender Partnerschaftsvereine von Städten im Westjordanland mit Köln, Brühl und Bergisch Gladbach. Zweck des neuen Vereins sind – im Sinne der Völkerverständigung – der kulturelle Austausch und Begegnungen zwischen den Bürgern beider Städte.

Die Kooperation, die Bonn und die 30.000-Einwohner-Stadt Ramallah bereits seit 2017 im Projekt „Deutsch-Palästinensische Kommunale Partnerschaften“ der Dachorganisation Engagement Global unterhalten, wollen beide Seiten auf diese Weise zusätzlich beleben. Erste offizielle Kontakte reichen bis ins Jahr 2009 zurück. Begleitet von der Abteilungsleiterin für Kultur und Soziales seiner Stadtverwaltung stattete Hadid auch Oberbürgermeisterin Katja Dörner einen Besuch ab. Beide Stadtoberhäupter steckten dabei die näheren Ziele der Partnerschaft ab, die zunächst bis 2023 laufen sollen.

Stadt: Lebensbedingungen der Palästinenser verbessern

In Ramallah haben auch Teile der Regierung der palästinensischen Autonomiegebiete ihren Sitz. Nicht nur vor diesem Hintergrund ist eine Partnerschaft mit einer Stadt im Nahen Osten unweigerlich ein Politikum in Zeiten, in denen der latente Konflikt zwischen Israel und Palästina – etwa bei Demonstrationen – immer wieder auch auf deutschem Boden ausgetragen wird. Behindern soll derlei eine kommunale Partnerschaft aus Sicht der Stadt Bonn allerdings nicht. Angesichts der politischen Rahmenbedingungen – begründet im ungelösten israelisch-palästinensischen Konflikt – stünden besonders die Kommunen in den palästinensischen Gebieten vor schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen, teilt die Stadt Bonn auf Anfrage mit. „Kommunale Partnerschaften können dazu beitragen, die Lebensbedingungen der palästinensischen Bevölkerung zu verbessern und die Institutionen auf kommunaler Ebene zu stärken. Damit zielen sie langfristig auch darauf ab, die Voraussetzungen für ein friedliches Miteinander in der Region zu schaffen“, so Andrea Schulte vom städtischen Presseamt.

Nicht zuletzt erinnert die Stadt Bonn daran, dass sie neben den Kontakten zu Ramallah auch eine Städtefreundschaft zu Tel Aviv unterhält. Diese wurde bereits im Jahr 1983 mit der Unterzeichnung des Freundschaftsvertrages zwischen den beiden Städten besiegelt. Andrea Schulte: „In den Kontakten zu Ramallah und in den Kontakten zu Tel Aviv vertritt die Stadt Bonn klar die Position der deutschen Bundesregierung, die eine Zweistaatenlösung zur Beilegung des Konfliktes fordert. Durch die Aktivitäten mit Ramallah und Tel Aviv möchte die Stadt Bonn die zivilgesellschaftliche Ebene stärken, um so zu einem Dialog beizutragen.“

Zurückhaltend reagiert auf die Gründung des Partnerschaftsvereins vorerst die Jüdische Gemeinde in Bonn. Grundsätzlich befürworte sie Städtepartnerschaften zwischen Städten, egal welchen, solange es – wie in diesem Falle – bei den propagierten Zielen Kultur, Resilienz und Inklusion bleibt und einer globalen Völkerverständigung dient, teilte Margaret Traub, die Vorsitzende der Synagogengemeinde, auf Anfrage mit. Traub: „Sollte die Partnerschaft mit Ramallah solch hehre Ziele haben, würde ich dies befürworten. Mit Blick auf die Funktion Ramallahs als Sitz eines Teils der Regierung der palästinensischen Autonomiebehörden sorgt sie sich jedoch vor einer politischen Instrumentalisierung: „Ich sage nicht nein zu einer Kooperation zwischen Bonn und Ramallah, aber ich habe Zweifel, ob das Projekt antiisraelischen und antisemitischen Tendenzen gegenüber neutral bleiben kann“, so Traub.