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Fahrzeuge für den Dschihad: Bonner Unterstützung für IS-Terrormiliz

Fahrzeuge für den Dschihad : Bonner Unterstützung für IS-Terrormiliz

Am Dienstag wurde die Wohnung des Predigers Izzudin J. in Tannenbusch im Rahmen einer bundesweiten Razzia gegen Salafisten durchsucht, wie der GA von Sicherheitsbehörden erfuhr.

"Ihr müsst die Ungläubigen hassen." Der Prediger Izzudin J. macht aus seiner abgrundtiefen Abneigung gegen - aus seiner radikalen Sicht - alles Nichtmuslimische keinen Hehl. Das belegt eine Internetvideo-Ansprache des Hasspredigers aus Bonn. Die Sicherheitsbehörden seines früheren Heimatlandes Baden-Württemberg und in Bayern haben den "überregional vernetzten Salafisten" schon lange im Visier.

Der Verdacht, der sich gegen ihn und sechs weitere Salafisten richtet: Die Männer sollen der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) Fahrzeuge geliefert haben. Wie das bayrische Justizministerium erläuterte, gebe es Hinweise, dass ein aus Benefizveranstaltungen finanzierter Krankenwagen von Deutschland nach Syrien gebracht und dort zu einer Art militärischem Mannschaftswagen mit montierter halbautomatischer Schusswaffe umgebaut worden sein soll. Außerdem sollen mit Unterstützung der sieben Beschuldigten weitere geländegängige Fahrzeuge nach Syrien geliefert worden sein.

Bei den Durchsuchungen waren Beweismittel wie PCs, Festplatten, CDs und USB-Sticks sichergestellt worden. Auf GA-Anfrage wollten sich die ermittelnden Behörden in Bayern bislang nicht zu der Razzia äußern.

Izzudin J. galt vor seinem Umzug im Juni nach Bonn als Protagonist der süddeutschen Salafistenszene. Häufiger als in Bonn scheint er aber in einer radikalen Wuppertaler Moschee anzutreffen zu sein, sagte ein Kenner der Islamistenszene dem GA: "Wuppertal ist ja ein neues regionales Salafistenzentrum." In Bonn habe sich J. der salafistischen Gruppe "Dawa Bonn" angeschlossen. Diese scheint in der Moschee an der Theaterstraße ein Zentrum ihrer Aktivitäten zu haben: Die Gruppe lädt via Facebook regelmäßig zu Vorträgen eines Predigers dorthin ein.

Träger der Moschee ist ein albanischer Verein, dessen Vorstand gestern telefonisch nicht erreichbar war. GA-Recherchen vor Ort ergaben, dass "Dawa Bonn" regelmäßig Flyer ausgelegt hat, auf denen sie aus salafistischer Sicht den Islam erklärt. Vor den Kommunalwahlen im Mai hatte die Gruppe aufgerufen, den Urnengang zu boykottieren. Demokratie sei "shirk", Götzendienst. "Izzudin muss aber wohl immer um Erlaubnis fragen, wenn er als Gastprediger in der Theaterstraße auftreten will", so der Experte.

Bekannt ist J. in der Bonner Salafistenszene wohl schon länger. So war er bereits Anfang Juni bei einem Grillfest von radikalen Muslimen in Tannenbusch neben Pierre Vogel und Sven Lau einer der Redner. Videos auf seinen Facebook-Seiten legen den Verdacht nahe, dass J. Sympathisant der IS-Terrormiliz sein könnte.

Zumindest scheint er zu den Verfechtern des "heiligen Krieges", des Dschihads zu gehören. Der Islamismusexperte geht ebenfalls von Kontakten J.s zu nach Syrien ausgereisten Dschihadisten aus. "Izzudin beruft sich aber auf Sheikh al-Maqdisi." Dieser erklärte in einer "Fatwa" im Mai, Muslime müssten sich vom IS distanzieren. Was nicht heißt: vom Dschihad distanzieren. Im Gegenteil. Al-Maqdisi zählt zu den international einflussreichsten Theoretikern des Dschihadismus, urteilt die Bundeszentrale für politische Bildung.