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Ein Jahr „Balua Kandi“: Bonner Verein hilft Frauen in Bangladesch

Ein Jahr „Balua Kandi“ : Bonner Verein hilft Frauen in Bangladesch

Das erste Jahr ist um, und der Verein „Balua Kandi“ kann es als erfolgreich verbuchen. Er hat jetzt 26 Mitglieder, und das Projekt, das sie unterstützen, hat sich besser entwickelt als erwartet. Der Vereinsgründer Saifullah Khan ist entsprechend zufrieden.

Er war im Januar mit seinem Schwager Hans J. Kissling in Balua Kandi, seinem Herkunftsort in Bangladesch, 30 Kilometer von der Hauptstadt Dhaka entfernt, in dem das besagte Projekt durchgeführt wird: Die „Dr.-Abdul-Mattib-Khan-Foundation“, benannt nach Khans Großvater, will die Lebensbedingungen junger Frauen in dem Dorf verbessern, indem sie ihnen eine Ausbildung zu Näherinnen und ein Gesundheitsprogramm bietet. Der Bonner Verein unterstützt diese Stiftung finanziell.

Auslöser waren laut dem Vorsitzenden Gerd Schetting die Bilder von den grausigen Arbeitsbedingungen der Frauen in der Nähindustrie von Bangladesch, die vor einiger Zeit um die Welt gingen. Der Verein wolle nicht die Zustände in den Fabriken verbessern, so Schetting, „sondern die Lebensbedingungen, damit es nicht notwendig ist, dass diese Frauen in diese Industrie gehen und dort ausgenutzt werden“. Denn dort würden letztlich keine Näherinnen gebraucht, „sondern Frauen, die mit den Händen schnell etwas tun“.

Die Stiftung, die 2012 von den Nachfahren des in den 60er Jahren schon sehr wohltätigen Arztes Abdul Mattib Khan ins Leben gerufen wurde, hatte zunächst zehn jungen Frauen eine Ausbildung an Nähmaschinen ermöglicht, die dafür von der Firma Singer bereitgestellt wurden. „Die Ausbildung hilft den Frauen, einen eigenen Unterhalt zu generieren oder zum Unterhalt der Familie beizutragen“, erklärt Schetting. Dadurch würden sie auch selbstbewusster. Womit er nicht gerechnet hatte: Die Frauen schlossen sich nach der Lehre zu einer Art Kooperative zusammen und verdienen inzwischen tatsächlich ihr eigenes Geld.

56 Frauen bilden sich derzeit in einem Batik- und Stoffdruck-Workshop fort. Das ermöglicht die halbstaatliche „Bangladesh Small & Cottage Industries Corporation“, die funktionierende Projekte im ländlichen Raum fördert. Sie stellt Material und Trainer. „Wir können deshalb jetzt unsere Mittel auf die medizinische Versorgung konzentrieren“, sagt Kissling. Denn das ist der zweite Schwerpunkt des Vereins. „Wir haben festgestellt, dass von diesen Frauen ein Großteil noch nie einen Arzt gesehen hat“, sagt Schetting. Das sei teuer, Vorsorge könne man sich deshalb nicht leisten, und auch bei einer Schwangerschaft sei ein Arztbesuch nicht üblich. Bislang kam eine Ärztin einmal monatlich von einem Krankenhaus, inzwischen kann man vier Besuche im Monat finanzieren. Die Frauen im Dorf nehmen das Angebot dankend an.

Ein weiterer Erfolg: Der Besitzer einer Raststätte am Dorfrand von Balua Kandi – zugleich auch Richter – stellt einen leer stehenden Raum zur Verfügung, in dem er die Produkte der Frauen zum Verkauf ausstellt, nachdem er sie ihnen abgekauft hat. Das haben die Frauen im Prinzip Kisslings Besuch vor Ort zu verdanken: Bei der feierlichen Einweihung der Druckwerkstatt habe auch besagter Raststättenbesitzer gesprochen, erinnert er sich. Verstanden habe der Bonner nichts, nur seinen Namen. „Der Mann war so beeindruckt davon, dass jemand extra aus Bonn gekommen ist und dass es hier einen Verein gibt, der das Projekt unterstützt.“ Da wollte der Redner auch etwas beisteuern. Die finanzielle Förderung müsse trotz aller Erfolge weitergehen, sagt Kissling. Deshalb freut man sich über jedes neue Mitglied und über Spenden.

Weitere Infos nach einer E-Mail an g.schetting@web.de.