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Schließung des Rheindorfer Hofs: Bonner Wirt Jürgen Bach zieht die Reißleine

Schließung des Rheindorfer Hofs : Bonner Wirt Jürgen Bach zieht die Reißleine

Der Rheindorfer Hof hat endgültig geschlossen, weil sich das Geschäft nicht mehr lohnt. Wirt Jürgen Bach sieht keine Perspektive mehr. Die Grauhreindorfer Vereine haben sich schon ein neues Quartier besorgt.

Auch die letzte Traditionsgastronomie in Graurheindorf ist vom Kneipensterben erfasst worden. Wirt Jürgen Bach hat den Rheindorfer Hof endgültig geschlossen. Bei all den Gründen, die er dafür anführt, muss man sich wundern, dass er diesen Schritt nicht schon viel früher gegangen ist. Betroffen davon sind die Vereine und die einsamen Seelen, die immer am Tresen standen.

„Sechs Jahre lang habe ich hier versucht, eine wirklich gute Gastronomie hinzubekommen“, sagt der 51-Jährige. Die Kommentare, die man im Internet von Gästen findet, waren für den Rheindorfer Hof überwiegend positiv.

Aber dann kam das Nichtraucherschutzgesetz: „Dadurch sind viele Gäste weggefallen.“ Dann widmete die Stadt die Estermannstraße in eine Einbahnstraße um, wodurch weniger Besucher den Weg zu ihm fanden. Das ist jetzt rückgängig gemacht worden, aber für Bach kommt das zu spät.

Zudem blockierte ein Baukran die Straße, durch Bauarbeiten fielen Parkplätze weg. Das werde sich laut Bach in den nächsten Jahren fortsetzen. Nicht zuletzt habe es „von Pächterseite kein Einsehen“ gegeben, was die Höhe der Miete anbelangt. 5000 Euro inklusive Nebenkosten müsse er bezahlen. Am Monatsende habe er zuletzt jedes Mal draufgezahlt, und das, obwohl er in den vergangenen zwei Jahren selbst in der Küche stand, weil er sich den Koch nicht mehr leisten konnte. Der Sommer 2016 war außerdem trübe, die Leute hätten die Fußball-EM lieber daheim als in der Kneipe geschaut.

So zog der Wirt die Reißleine. Graurheindorf verliert seine letzte richtige Begegnungsstätte, in der die Schützen, der Gesangverein und andere untergekommen waren. Jahrelang wurde das Lokal als Hofburg der Tollitäten der Rhingdorfer Junge un Mädche genutzt.

Die wechseln jetzt ins Restaurant Kajüte-Ibérica. Und die, die vor dem Alleinsein in die Gaststätte flüchteten, hätten jetzt keine Anlaufstelle mehr, bedauert Bach. „Es geht ein Stück Kommunikation verloren.“

Und wie geht es für ihn weiter? „Ich stehe im Moment vor dem Nichts.“ Er habe immer an den Rheindorfer Hof geglaubt und deshalb viel Geld und Energie hineingesteckt, beides fehle ihm jetzt. „Für eine neue Gastronomie muss man investieren.“

Zudem breche die neue Hygieneampel der traditionellen Gastronomie ohnehin das Kreuz, weil sie kaum umsetzbar sei. „Es wird auf Systemgastronomie hinauslaufen“, prophezeit er. Dann schmecke es überall gleich.

Aber er hat nicht zum ersten Mal umgesattelt: Bevor er Gastronom war, betrieb Bach einen Handel für Fahrradersatzteile. Davor arbeitete er als Maler. Eine abgeschlossene KFZ-Ausbildung hat er auch. Er wird sich wohl etwas einfallen lassen.