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Bonner Wirte organisieren Glühweinspaziergang in der Altstadt

Aktion am Freitagabend : Bonner ziehen beim Glühweinspaziergang durch die Altstadt

Das dürfte wohl der letzte Glühwein aus der Pfandtasse für dieses Jahr gewesen sein: Der Glühweinspaziergang in der Altstadt fand am Wochenende noch einmal ein dankbares Publikum.

Wirte in der Bonner Altstadt haben an den vergangenen beiden Wochenenden gemeinsam den „Bonner Glühweinspaziergang 2020“ organisiert. An acht verschiedenen Pubs und Kneipen schenkten sie Glühwein „to go“ aus. Dabei musste der anglizistische Zusatz wörtlich genommen werden, um an den Verkaufsständen Grüppchenbildung zu vermeiden.

Einen Anreiz, fußfaule Kunden zum Gehen zu bewegen, setzten die Wirte mit einer in Aussicht gestellten Urkunde. Wer an mindestens fünf Etablissements einen Glühwein trank und das durch ausgestellte Stempel nachweisen konnte, bekam ein „Gastro-Retter 2020“-Diplom überreicht. Grund genug  für Liebhaber des heißen Wintergetränkes, sich auf die trink- wie laufintensive Rettungsmission zu begeben.

Wer Gastro-Retter werden wollte, musste innerhalb der Altstadt somit die Kneipen „Nyx“, „Die Wache“, „Brix“, „Namenlos“ und „Flynn‘s Pub“ mit Glühwein in der Hand hinter sich lassen. Für die Harten, die alles abräumen wollten, hielten die entfernter gelegenen „Zone Blues Bar“, „Blow Up“ und „Casbah“ promillehaltige Getränke und Stempel bereit. Eine Strecke von anderthalb Kilometern: „Da tun wir sogar noch was für unsere Kondition“, scherzten zwei Damen am „Flynn‘s Pub“.

Alkoholverbot ab 23 Uhr

„Letztes Mal haben wir 150 Urkunden ausgestellt“, erklärte „Die Wache“-Betreiber Tobias Epping. Der gesellige Wirt hatte die Aktion angestoßen. Er engagierte zwei Security-Leute, die auf Fahrrädern die Glühwein-Routen abfuhren und dafür sorgten, dass sich dort keine angeheiterten Hot-Spots bildeten. Allerdings seien die meisten Leute „sehr einsichtig“, wie Security-Mann Dietmar Mayn resümierte.

„Wir hatten ein kooperatives Verhältnis mit dem Gesundheitsamt. Es ging dabei zum Glück nicht um ein bloßes Verbieten“, berichtete Tobias Epping. „Die Leute wollen ja nochmal rauskommen und nebenbei die Gastronomie unterstützen.“ Die Stadtverwaltung bestätigte, dass es beim ersten Glühweinspaziergang – anders als in anderen Städten – keine Probleme gegeben habe. „Ein komplettes Verbot wäre nicht verhältnismäßig“, erklärte Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann in der vorigen Woche. Das Ordnungsamt behalte die Sache aber intensiv im Blick. Zwischen 23 und 6 Uhr gilt bisher laut Coronaschutzverordnung ein Alkoholverbot, das nun wohl ausgeweitet wird.

Am vergangenen Freitag, dem Tag an dem das Robert-Koch-Institut einen neuen Höchststand an gemeldeten Neuerkrankungen meldete, schien das Geschäft noch schleppend anzulaufen. Um 19.30 Uhr war am Frankenplatz nicht sehr viel los. „Das Wetter spielt heute nicht gut mit. Vielleicht bleiben viele auch aufgrund der Umstände lieber zu Hause“, meinte Barkeeper Stefan Müßig vom „Nyx“. „Letztes Mal nahmen die Leute unser Angebot gut an und waren gleichzeitig sehr diszipliniert. Wir haben darauf geachtet, dass es zu keiner Traubenbildung kommt. Das Ordnungsamt war ebenfalls oft hier“.

38 Euro Trinkgeld

Währenddessen begrüßten Epping und sein Mitarbeiter Jeroen Montenegro an der „Wache“ hinter ihrer Trennscheibe freundlich jeden Kunden. „Der Umsatz ist bisher nicht so gut. Dabei beginnt jetzt die Prime Time“, so Epping. Keine zwanzig Minuten später hatte er eine beachtliche Warteschlange zu bewirten. „Danke, dass ihr das macht“, rief ihm einer von ihnen beim Bezahlen zu. Viele der Wartenden stimmten mit ein in das Lobeslied auf die Kneipenbetreiber. Im Überschwang der Gefühle wurden auch schon mal 38 Euro Trinkgeld gegeben. Manch einer hielt stolz seine zahlreich gesammelten Stempel in die Höhe, während seine mit roten Klecksen verzierte Maske ebenfalls vom mehrfachen Glühweingenuss hätte Zeugnis ablegen können. Gäbe es nicht das Abstandsgebot,  wären sich Glühweinkonsument und -anbieter an diesem Abend wohl um den Hals gefallen.

Die Stimmung am Frankenplatz stieg am Freitagabend ebenfalls spürbar. Lautes Lachen war zu hören, hier und da hörte man das Klirren einer zu Bruch gegangenen Pfandtasse, gefolgt von einem Klagelied über verlorene drei Euro.

Gerne würde Stefan Müßig auch am kommenden Wochenende wieder am Frankenplatz ausschenken. Er bleibt dabei aber realistisch: „Wir müssen abwarten, was am Sonntag entschieden wird“, sagte er am Freitagabend. „Ich bin da eher skeptisch.“