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„Menschen in der Blase“: Bonnerin hält Corona-Pandemie als Kunstprojekt fest

„Menschen in der Blase“ : Bonnerin hält Corona-Pandemie als Kunstprojekt fest

Die Bonner Ärztin und Fotografin Kim Raaf hat ihre Sorgen in der Corona-Zeit künstlerisch verarbeitet. Auf ihren Fotos stellt sie die räumliche Abgrenzung als Motiv einer Blase dar. So suchte sie Wege, sich der Angst abzulenken.

Das Foto zeigt die junge Frau, wie sie mit Karten und Reiseführern in einer riesigen Blase sitzt.  Wie ist es entstanden? Was bedeuten es? Für Kim Raaf, Assistenzärztin im Marienhospital und Fotografin, steht ihr Motiv sinnbildlich für die von der Corona-Pandemie geprägten Monate. Und dafür, wie sie diese Zeit erlebt hat.

„Da ist zum einen die sichtbare räumliche Abgrenzung durch die Blase – eine Metapher für die Erfahrung des social distancing“, sagt  Raaf. Neben der Isolation ist der Medizinerin noch eine andere Parallele in den Sinn gekommen: „In der Blase hört man sich selbst ganz laut, die anderen hört man kaum.“ So sei es vielen während der Corona-Zeit gegangen – auch mit politischen Meinungen. Mit einer riesigen Plastikblase, normalerweise ein Kinderspielzeug fürs Wasser, und einem Laubbläser machte sich Raaf im Frühjahr daran, ihre Idee in die Tat umzusetzen. Entstanden ist bisher eine Serie aus sechs Fotos. Auf allen Fotos ist Raaf selbst zu sehen. Jeweils in einer Szene, die sie mit der Corona-Zeit verbindet. Das erste Foto etwa zeigt die Ärztin im Einsatz – nämlich im Kittel auf dem Krankenhausflur. Auf einem anderen Foto ist die 27-Jährige zu sehen, wie sie nachdenklich auf ihrem Bett sitzt. Das Foto soll das Gefühl der Abgeschiedenheit während der Ausgangsbeschränkungen transportieren – das Alleinsein, das Grübeln über die neue Situation. Für ein weiteres Foto wählte Raaf die Kirschblüte als Kulisse. Einen Ort, an dem Menschenmengen zusammenkommen, der  dieses Jahr wegen Corona aber ungewohnt leer blieb.

Auch eine Aufnahme in einem Supermarkt sollte nicht fehlen – durch die Debatten um Hamsterkäufe eng mit der Anfangszeit der Krise verknüpft. Für ihr Lieblingsfoto dekorierte sie die Blase mit Weltkarten, Reiseführern und einem Globus. Wie viele andere auch, musste sich Raaf, die als Fotografin viel im Ausland unterwegs ist, wegen der Corona-Maßnahmen von ihren Reiseplänen verabschieden. Auf dem bisher letzten Foto sieht man Raaf in der Blase im Wald, sie macht Yoga, hört Musik und hält ihre Kamera in den Händen. Für sie: Wege, sich in der Krise von Ängsten abzulenken, zu entspannen und kreativ zu werden. Für die 27-Jährige dabei natürlich am wichtigsten: Die Fotografie. Schon seit ihrer Pubertät fotografiert Kim Raaf, um Themen, die sie beschäftigen, künstlerisch zu verarbeiten. Im Alltag bewegt sie sich zwischen den beiden Welten: Sie genießt die Wochenenden, an denen sie Hochzeiten fotografiert, als Ausgleich zu ihren Diensten im Marienhospital. Für sie liegen die beiden Tätigkeiten im Kern eng beiei-
nander: ganz nah dran zu sein, einen Menschen an einem wichtigen Tag zu begleiten und Verantwortung zu tragen. Das mache beide Berufe aus, als Ärztin bei einer Operation oder einer Geburt und als Fotografin beim Erinnerungen schaffen am „schönsten Tag im Leben“. Die Seifenblasenfotos sind Teil der Ausstellung „Fotos und Geschichten aus dem Corona-Alltag“ im Bonner Stadtmuseum geworden.