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Bonnerin startet in "Ninja Warrior Germany" auf RTL

Sendung auf RTL : Bonnerin startet bei "Ninja Warrior Germany"

Die Bonnerin Lynne Winkler ist zusammen mit ihrem Freund bei der Aufzeichnung der TV-Sendung „Ninja Warrior Germany“ dabei. Trotz ihrer unheilbaren Krankheit will sie den Parcours meistern.

In dem James-Bond-Film „Man lebt nur zweimal“ antwortet der Chef des japanischen Geheimdienstes auf die Frage von Sean Connery alias 007, ob er Truppen zur Verfügung stellen könnte, dass er etwas Besseres habe: Ninja! Vielleicht war das der Moment, als Ninjas, die geheimnisvollen Kämpfer, deren Ausführung ihrer Mission kaum etwas verhindern kann, einem größeren Publikum bekannt wurden. 1967 startete der Film in Deutschland. 53 Jahre später wird Lynne Winkler (24) am 30. Mai als „Ninja Warrior“ in der Aufzeichnung zur gleichnamigen RTL-Show an den Start gehen. Die Ausstrahlung ist vermutlich im Herbst.

Unter den 13.000 Kandidaten, die sich für die fünfte Staffel des Formats beworben hatten, schaffte es Winkler zusammen mit ihrem Freund Philipp Allgeuer (28), unter die 300 ausgewählten Sportler zu kommen, die bei der Aufzeichnung in den Kölner Studios an den Start gehen werden. Die Kandidaten benötigen sportliche Fähigkeiten wie Kraft, Ausdauer und Körperbeherrschung. Um den Titel „Ninja Warrior“ zu erhalten, müssen die Teilnehmer die Herausforderungen bestehen und am Ende den finalen Mount Midoriyama bezwingen, ein 22 Meter langes Seil, dessen oberes Ende sie innerhalb von 25 Sekunden kletternd erreichen müssen. Für den Sieger der vergangenen Staffel lagen 300.000 Euro bereit. Doch der Gewinn blieb bei den Showproduzenten. Sieger wurden die, die es im Parcours am Weitesten geschafft hatten. Der sogenannte „Last Man/Woman Standing“ konnte mit jeweils 25.000 Euro nach Hause gehen. „Ich nehme es als Training“, sagt Winkler. „Bei der nächsten Staffel werde ich dann schon ganz vorne mitspielen.“ Dabei lächelt sie wie eine Gewinnerin.

"Der Sport ist alles für mich"

Es ist der jungen athletischen Frau nicht anzusehen, dass sie seit etwa vier Jahren weiß, dass die Ursache ihrer langjährigen und fortschreitenden Gelenkschmerzen Morbus Bechterew (MB) heißt. Dies ist eine chronische Erkrankung, die bei jedem Patienten in den Symptomen, der Ausprägung, im Verlauf und in den Funktionseinschränkungen stark variieren kann. Definiert wird Bechterew durch eine Ausschlussdiagnose. Bis heute ist die Krankheit nicht heilbar. Zeitweise konnte sich Winkler nur mit Krücken fortbewegen. Auch heute treten die Schmerzschübe unvermittelt im Abstand von einigen Wochen immer wieder auf. „Die meisten Ärzte hatten mich mit meinen Schmerzen gar nicht ernst genommen“, sagt Winkler. Verständnisvoll räumt sie ein, „ich bin ja eine junge Frau und habe immer schon viel Sport getrieben.“ Viele Pokale und Urkunden bekam sie als Judo-Kämpferin und Fußballerin.

„Der Sport ist alles für mich“, sagt sie. Wenn sie nicht gerade für ihr Medizinstudium lernen muss, trainiert sie in Boulderhallen, Fitnessstudios oder auch in dem Einzimmerappartement ihres Freundes in der Bonner Weststadt. Für die wenigen Wochen, die sie momentan nur in Bonn sein kann, reicht der Platz für zwei. Den überwiegenden Teil des Jahres hält sie sich seit zwei Jahren in der bulgarischen Hauptstadt Sofia auf. Trotz eines mehr als guten Notendurchschnitts bei ihrem ­Abitur am Konrad-Adenauer-Gymnasium (1,9) hatte sie keine Chance, in Deutschland Medizin zu studieren. Seitdem zahlt sie rund 4000 Euro pro Semester für ein Auslandsstudium in Bulgarien und hofft darauf, nach dem Physikum einen in Deutschland frei gewordenen Studienplatz übernehmen zu können. Durch Auslands-BAföG (Mittel des Bundesausbildungsförderungsgesetzes) und die Möglichkeit, während der Semesterferien im Nachtdienst des St. Josef-Krankenhauses in Beuel arbeiten zu können, finanziert sie ihren Alltag in Bulgarien. Durch die Corona-Pandemie wird der Studienbetrieb in Sofia jedoch voraussichtlich erst zum Wintersemester wieder aufgenommen werden.

Winkler will anderen Betroffenen Mut machen

Winkler bereitet sich über das Internet auf die theoretisch bevorstehenden Prüfungen vor. Ein Freiwilliges Soziales Jahr hatte sie bereits nach dem Abitur im St. Josefs-Krankenhaus absolviert. Ein weiteres Jahr arbeitete sie in Kanada als Au Pair. Eine Ausbildung zur Krankenpflegerin brach sie ab, als die Zusage zum Studium kam, wo mehr als die Hälfte aller Medizinstudenten aus dem Ausland stammt.

Unbändiger Ehrgeiz, eiserne Willenskraft und das schnelle Anpassen an eine sich unvermittelt ergebende Situation sind auch die Merkmale, die eine Ninja-Kämpferin ausmachen. Winkler erfüllt sie alle. „Beim Ninja-Sport muss man über sich selbst hinauswachsen“, sagt sie. Auch daran arbeitet sie. „Wenn ich nicht gewinnen wollte, brauchte ich gar nicht erst anzutreten.“

Über ihren sportlichen Ehrgeiz hinaus möchte Winkler, dass ihr Umgang mit der bisher unheilbaren Erkrankung öffentlich wird. Sie will den Bechterew-Erkrankten damit Mut machen. Sie tut es bereits über die Sozialen Medien und erfährt dort eine breite Zustimmung und Ermunterung ihrer Follower, die oftmals ebenfalls an MB erkrankt sind. So hat sie sich auch vorgenommen, den Trubel um ihre Person beim Start der RTL-Show zu nutzen, um zu zeigen, was man trotz der Krankheit erreichen kann. „Nur den Kopf darf man nicht hängen lassen“, sagt sie. Dafür müsse man eben konsequent in Bewegung bleiben und die Muskulatur stärken. Als MB-Patient muss man verhindern, dass die entzündeten Wirbelgelenke verknöchern und sie unbeweglich werden lassen. Sie ist glücklich darüber, dass man bei ihr im Köln-Porzer Rheumazentrum zur richtigen Diagnose kam. Seitdem ist sie medikamentös gut eingestellt. Auch wenn sie oftmals noch schmerzhafte Wochen im Bett verbringt.