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400.000 Euro ergaunert: Bonnerin zu drei Jahren Haft wegen Betrugs verurteilt

400.000 Euro ergaunert : Bonnerin zu drei Jahren Haft wegen Betrugs verurteilt

Eine 40-Jährige aus Beuel hat sich mit falschen Anlageversprechen fast 400.000 Euro ergaunert. Nun wurde sie vor dem Bonner Amtsgericht zu drei Jahren Haft verurteilt.

„Warte, warte, warte!“ Mit diesen Worten habe die Angeklagte ihn immer wieder vertröstet, wenn er nach seinem Geld gefragt habe, sagte der Mann im Zeugenstand. Am Montagmittag wurde die dreifache Mutter vor dem Bonner Amtsgericht nun wegen gewerbsmäßigem Betrug und Urkundenfälschung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Außerdem unterliegt ein Tatertrag von 372.540 Euro der Einziehung. Das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Amtsrichter Bastian Sczech sah es als erwiesen an, dass die 40-jährige Beuelerin zwischen Dezember 2016 und Juli 2019 insgesamt fast 400.000 Euro von meist russischstämmigen „Anlegern“ ergaunert hatte.

Für ihre Betrügereien nutzte die Angeklagte ihre gute Vernetzung in der russischen Community: Die selbst in Kasachstan geborene Deutsche versprach ihren „Kunden“ unter anderem erstaunliche Renditen zwischen zehn und 15 Prozent, wenn sie ihr Geld bei ihr anlegten. Der Wust aus den 24 nun verurteilten Taten wirke auf den ersten Blick sehr unübersichtlich, so der Richter in seiner präzis strukturierten Urteilsbegründung. Wenn man aber die Vorgehensweisen ins Visier nehme, ließen sich schnell drei „Modi operandi“ unterscheiden: Da seien zum Einen die Gelder, die sie sich von Freunden mit der Begründung eines finanziellen Engpasses geborgt und nicht zurückgezahlt hatte.

Schwerer ins Gewicht fielen aber die beiden anderen Vorgehensweisen. In sieben Fällen hatte sie Geld dafür kassiert, dass sie ihren Bekannten günstige Darlehensverträge vermitteln wollte. Zu den genannten Banken hatte sie aber überhaupt keine Verbindungen und so kam es weder zu einer Kreditvermittlung noch zu einer Rückzahlung der gezahlten Beträge. Das dritte Betrugsmodell bestand im Kern darin, dass sie erzählte, günstige Wohnungen aus Zwangsversteigerungen kaufen zu wollen. Diese sollten dann anschließend renoviert und gewinnbringend weiterverkauft werden. Vor Gericht hatte sie behauptet, dass sie das vereinnahmte Geld an Mittelsmänner in Russland weitergegeben habe, wo sich auch die Immobilien befänden.

Richter wertet Aussage der Angeklagten als Schutzbehauptung

„Das war komplett heiße Luft“, so der Amtsrichter. Er wertete die Aussage als komplette Schutzbehauptung, denn keiner der Zeugen konnte bestätigen, dass die Verurteilte von Objekten im Ausland gesprochen habe. Vielmehr hatte sie ihren ahnungslosen Opfern vorgegaukelt, Objekte aus Zwangsversteigerungen in Deutschland erwerben zu wollen. So sei das Geständnis der Angeklagten weder vollständig noch aufrichtig gewesen.  Die Betrogenen seien zwar teilweise deutlich zu naiv gewesen, als sie auf die Geschichten der Verurteilten hereinfielen. So habe sie gleich mehrere ihrer „Geldgeber“ dazu gebracht, eigens Kredite aufzunehmen, um ihr dann den ausgezahlten Betrag in bar auszuhändigen. Dass die Opfer aber aus Geldgier „Dollarzeichen“ in den Augen gehabt hätten, wie es der Verteidiger der Frau formulierte, könne das Gericht nicht sehen. Besonders perfide sei, dass sie ihre Opfer sehenden Auges in den Ruin getrieben habe. „In der Regel waren die Opfer Menschen, die finanziell nicht viel an den Füßen hatten.“ Dass sie ihr verlorenes Geld je wiedersehen, wagte der Richter zu bezweifeln. Offenbar hatte die Verurteilte einen größeren Betrag in die Türkei transferiert und außerdem über ihre Verhältnisse gelebt.