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Abfallentsorgung in Bonn: Bonnorange will an Konzept für Sperrmüll festhalten

Abfallentsorgung in Bonn : Bonnorange will an Konzept für Sperrmüll festhalten

Seit 2018 erprobt der kommunale Abfallentsorger Bonnorange in einem Pilotprojekt „Sperrmüll auf Abruf“. Bonnorange wirbt weiter für dieses Verfahren und sieht steigende Akzeptanz bei den Bürgern.

20 Prozent aller Haushalte in Bonn konnten bisher in einem „nachhaltigen Rücknahmesystem von sperrigen Abfällen“ an dem Projekt teilnehmen. In einem Fragebogen möchte Bonnorange nun genauer erfahren, wie das neue System auf Abruf bei den Bonnern ankommt. Alle zirka 38.000 Teilnehmer des Pilotprojekts sowie weitere 4000 zufällig ausgewählte Haushalte werden ab Montag Post erhalten. Der Briefempfänger hat dabei zwei Möglichkeiten: Entweder er füllt den mitgeschickten Fragebogen aus und schickt ihn postalisch zurück, oder er füllt ihn online aus. Die Internetseite ist in dem Anschreiben genannt. Eine individuelle PIN soll sicherstellen, dass jeder Fragebogen nur einmal ausgefüllt wird.

Der Sperrmüll auf Abruf soll dabei gleich mehrere Vorteile bieten. Das erklärte Kornelia Hülter, Vorstand bei Bonnorange, bei einer Pressekonferenz am Montag. „Statt einmal im Quartal haben Sie durch die Anmeldung bis zu 23 mal im Jahr die Möglichkeit, Ihren Sperrmüll abholen zu lassen“, lobt Hülter das neue System. Durch die vorherige Anmeldung per Telefon könne gleichzeitig eine gezielte Beratung stattfinden. So könne etwa darauf hingewiesen werden, dass Sondermüll, Bauschutt und Elektroschrott gar nicht erst zum Sperrmüll dazugestellt werden sollten.

Dabei verweist sie auf Zahlen von Bonnorange. So sollen etwa 4000 Tonnen an aussortierten Gegenständen jedes Jahr zusammenkommen, die gar nicht in den Sperrmüll gehören. „Diese werden in der Sperrmüllsortieranlage in Troisdorf aussortiert und anschließend zurück zur Bonner Müllverwertungsanlage gebracht“, so Hülter. Die zusätzlichen Kosten, die dadurch entstehen, lägen bei rund 620 000 Euro.

Akzeptanz für Verfahren ist gestiegen

Im Sperrmüll auf Abruf sieht Hülter den Vorteil, dass falsch herausgestellte Gegenstände vermieden werden können. Als Beispiel nennt sie ein Bobbycar. Das sei für den Greifarm des Sperrmüllfahrzeugs zu klein und porös. Besser wäre es, das Kinderspielzeug selbst zu einem der Wertstoffhöfe zu bringen.

Die Akzeptanz, Sperrmüll per Abruf zu buchen, sei bei den Bonner Haushalten gestiegen. 24 Prozent mehr Haushalte haben demnach seit dem Start des Projektes darauf zurückgegriffen. Die gezielten Beratungen führen bei dem Pilotprojekt auch zu einem Rückgang des abgegebenen Sperrmülls, sagt Richard Münz, Geschäftsbereichsleiter der Abfallwirtschaft. So sei der abgegebene Sperrmüll im Pilotgebiet um 15 Prozent gesunken. „Das liegt unter anderem daran, dass wir die Leute zur Wiederverwertung überzeugen konnten“, betont Kornelia Hülter.

Dadurch sieht das Unternehmen ein massives Einsparpotenzial. So könnten die Sperrmüllmengen um 1440 Tonnen reduziert werden. Auf das gesamte Stadtgebiet hochgerechnet sollen sich bei den Kosten für Fahrzeuge und Personal gut 350 000 Euro einsparen lassen.

30 000 Euro fallen nach Angaben von Bonnorange jährlich für Reinigungskosten an. „Die Stadtreinigung muss immer wieder ausrücken, da Sperrmüllsammler am Straßenrand bereitgestellten Sperrmüll zerfleddern und Einzelteile einladen, um diese an abgelegenen Orten nachzusortieren“, sagt Hülter. „Die Überreste bleiben als wilder Müll zurück.“ Die Quartalstermine sind für jeden im Internet einsehbar, die Abruftermine nicht. Darin sieht Hülter den Vorteil, dass die Sperrmüllsammler es nicht mehr so leicht haben.

Es sollen keine Nachteile entstehen

Zwei Mitarbeiter stehen fünf Tage die Woche bereit, um Anrufe für den Sperrmüll auf Abruf entgegenzunehmen. „Wir kriegen gut 300 Anrufe pro Woche“, sagt Münz. Diese dauern in der Regel zwischen drei und zehn Minuten.

Eine Befragung unter Studenten habe ergeben, dass 90 Prozent nicht gezielt Sperrmüll sammeln würden. Etwa 100 Studenten habe Bonnorange Ende 2019 an den Mensen der Universität befragt. Auch sollen die Hälfte der Studenten angegeben haben, sich durch das System Sperrmüll auf Abruf nicht benachteiligt zu fühlen.

Bis zum Sonntag, 6. September, soll die Befragung dauern. „Wir hoffen, dass möglichst viele das Formular online ausfüllen“, sagt Hülter.

Es sei aber auch kein Problem, das ausgefüllte Formular per Post zurückzuschicken. Anfang Oktober soll dann der ausgewertete Bericht bei Bonnorange vorliegen. Und am 6. November als Beschlussvorlage in der Sitzung des Verwaltungsrats. „Wir von Bonnorange sprechen dann eine Empfehlung aus“, sagt Hülter. Den Beschluss fällt am Ende der Rat.