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Reste einer spätantiken Totengedenkstätte: Bonns Keimzelle soll sichtbar werden

Reste einer spätantiken Totengedenkstätte : Bonns Keimzelle soll sichtbar werden

Karl Wilhelm Starcke möchte die Reste der spätantiken Totengedenkstätte aus dem Magazin des LVR-Landesmuseums holen. Die Stadt reagiert abwartend.

Auf den ersten Blick sind es zwei Tische aus Stein, der eine mit einer Mulde, womöglich für Speisen. Dazu eine umlaufende Bank. Weil das Ensemble aus dem 4. Jahrhundert optisch nicht sonderlich viel hermacht, ist es vor einigen Jahren bei der Neukonzeption des LVR-Landesmuseums im Magazin gelandet und in Vergessenheit geraten.

Karl Wilhelm Starcke war bis 2020 Gründungsvorstand der Münsterstiftung und vordem auch im Förderverein für den Alten Friedhof engagiert. Er setzt sich dafür ein, dass die Überreste der spätantiken Totengedenkstätte bald wieder an einem gut sichtbaren Platz im oder vor dem Bonner Stadtmuseum zugänglich werden. Den haben sie aus Starckes Sicht unbedingt verdient. Denn ohne diese sogenannte cella memoriae gäbe es die moderne Stadt Bonn vermutlich gar nicht.

Römisches Gräberfeld auf dem Grund der heutigen Münsterbasilika

Römer oder romanisierte Germanen hatten in der Spätzeit des römischen Kaiserreiches auf dem Grund der heutigen Münsterbasilika ein Gräberfeld rund um eine unterirdische Kultstätte für gallorömische Muttergottheiten angelegt. Über dieser Nekropole entstand im 4. Jahrhundert eine Art viereckiger Pavillon aus Fachwerk mit Tischen und Bänken aus Stein. Bei Ausgrabungen wurde das Mobiliar gefunden. Der Vergleich half bei der Interpretation des Fundes: Eine solche cella memoriae errichteten frühe Christen über dem Grab wichtiger Heiliger. Man nennt so etwas auch Martyrion vom altgriechischen Wort für „Zeugnis“. Es ist ein Gedächtnisort. Gut 150 Jahre früher war etwas Ähnliches über dem vermuteten Grab von Petrus in Rom entstanden, später auch über dem Grab des Apostels Paulus.

Ausstellung in einem neu konzipierten Stadtmuseum?

Für Karl Wilhelm Starcke gehört die cella memoriae in die Mitte der Stadtgesellschaft. Vorstellen kann er sich ihre Ausstellung in einem neu konzipierten Stadtmuseum oder – mit einem Glasmantel geschützt – davor. In einer Telefonkonferenz dazu hätten sich auch die Bonner Sport- und Kulturdezernentin Birgit Schneider-Bönninger und Stadtarchiv-Direktor Norbert Schloßmacher für die Sache ausgesprochen, berichtet Starcke. Die Münster-Stiftung habe sich stets dafür ausgesprochen.

In der Stadtverwaltung gibt man sich in der Sache auffällig einsilbig. „Das soll im Zuge der Neukonzeption mitgedacht werden“, erklärt Kristina Buchmiller aus dem Presseamt auf GA-Anfrage. Weder mit der Münster-Kirchengemeinde als Eigentümerin der Artefakte noch mit dem LVR-Museum sei dazu bislang überhaupt Kontakt aufgenommen worden, schreibt Buchmiller. Auch im LVR-Museum, wo die konservatorische Kompetenz liegt, ist der Sachverhalt bislang nicht bekannt, sagt Pressesprecherin Stephanie Müller.

Im Stadtmuseum steht inhaltliche Neukonzeption an

Dass die cella memoriae in dieser Konstellation bald ihr dunkles Magazin-Dasein hinter sich lässt, erscheint damit fast ausgeschlossen. Sowohl das LVR-Museum als auch das Stadtmuseum haben in diesem Jahr neue Leitungen bekommen. Im Stadtmuseum steht eine inhaltliche Neukonzeption an, die letztlich eng mit der seit über einem Jahrzehnt strittigen Frage des künftigen Standorts verbunden ist. Das Kulturamt will diese Nuss mit einem Bürgerbeteiligungsprozess knacken.