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Bonpflicht im Handel: Bonner Verkäufer beklagen Mehraufwand

Nach Gesetzesänderung 2020 : Bonner Verkäufer beklagen Mehraufwand durch Bonpflicht

Gut eineinhalb Jahre nach Einführung der Bonpflicht haben sich die Einzelhändler und Gastronomen in Bonn mit dem neuen Gesetz arrangiert. Sie zeigen sich aber nach wie vor verärgert über die Gesetzesänderung.

Peter Paetz hat seinen Anfang vergangenen Jahres beschlossenen Plan tatsächlich wenige Monate später in die Tat umgesetzt: Der Inhaber von Imbiss Karl in Beuel war so verärgert über die im Januar 2020 eingeführte Bonpflicht, dass er sämtliche über mehrere Monate in seinem Laden angesammelte Kassenzettel zur Bundesregierung nach Berlin schickte – zu jenen also, die die Gesetzesänderung damals beschlossen hatten (der GA berichtete).

Laut der damals neu eingeführten Regelung sind Einzelhändler und Gastronomen verpflichtet, jedem Kunden für seinen Einkauf einen Kassenbon auszuhändigen, beziehungsweise jeden Kunden zu fragen, ob er einen Beleg haben möchte – auch dann, wenn der Kunde nur einen einzigen Artikel für wenige Cent kauft. So wandert beispielsweise beim Kauf eines einzigen Lollys im Kiosk, beim Kauf eines Brötchens beim Bäcker oder beim Kauf einer Briefmarke bei der Post jedes Mal ein Kassenbon über die Ladentheke. Der Erhalt eines Belegs ist zwar auch auf elektronischem Weg, also durch Abscannen des Barcodes mit dem Smartphone, möglich, jedoch können sich gerade kleinere Läden wie Kioske oder Imbissbuden den Luxus einer Kasse mit solcher Funktion in der Regel nicht leisten.

Mit Einführung des neuen Gesetzes will der Bund Steuerhinterziehung verhindern. Die Verpflichtung zur Herausgabe eines Kassenbons soll sicherstellen, dass jeder einzelne Verkauf als Umsatz in der Kasse registriert wird. Für die Einzelhändler und Gastronomen bedeutet dies in erster Linie einen enormen Arbeits- und Zeitaufwand. „Das ist nach wie vor eine große Belastung für uns“, sagt Paetz. Zudem kritisieren viele Geschäftsinhaber auch, dass ihre Kassen bereits mit einem digitalen System ausgestattet sind, das ohnehin jeden einzelnen Kauf verbucht.

Bonpflicht verursacht viel Papiermüll

Hinzu kommt, dass das massenhafte Ausdrucken von Papier der Umwelt schadet. „Einen Karton Papierrollen verbrauche ich mindestens im Monat“, berichtet Paetz. Da die Kunden nicht verpflichtet sind, den Kassenbon mitzunehmen, sammelt sich im Imbiss schnell eine große Menge an Papiermüll an. „Von 100 Kunden wollen vielleicht zwei oder drei einen Bon haben“, berichtet Paetz. Das bedeutet auch, dass etwa 97 bis 98 Prozent keinen Kassenbeleg mitnehmen und das ganze ausgedruckte Papier im Laden bleibt und entsorgt werden muss. Inzwischen hat sich Paetz an den Mehraufwand ein wenig gewöhnt. „Die Finanzbehörde darf gerne vorbeikommen und kontrollieren“, sagt Paetz.

Auch Ronza Alothman vom Eiscafé am Münsterplatz kann dem Ganzen nichts Gutes abgewinnen: Für jede Kugel Eis muss sie einen Kassenbon ausdrucken. „Wenn viel los ist, brauchen wir hier drei Rollen Papier an einem Tag“, berichtet die Eisverkäuferin. Auch ihr bleibt nichts anderes übrig, als die Regelung zu akzeptieren: „Man muss damit leben, dass es Teil des Geschäftsvorgangs ist. Es ist halt Gesetz und man hält sich dran.“ Auch über die Einstellung einer weiteren Verkaufskraft hat Alothman bereits nachgedacht: „Eigentlich müssten wir hier zu zweit arbeiten. Einer, der das Eis ausgibt und einer, der die Kasse bedient und die Bons ausdruckt.“

Iris Baumgart, Verkäuferin im „Presse, Tabak, Lotto Shop Theisen“ kennt es gar nicht anders: „Ich habe vor eineinhalb Jahren angefangen, hier zu arbeiten. Die wenigsten nehmen den Bon mit. So sammeln sich hier Tonnen von Papiermüll“, berichtet sie. Nur beim Kauf von Zeitschriften würden Kunden öfter mal nach einem Kassenbeleg fragen, um beim Einkauf in anderen Geschäften nachweisen zu können, dass sie die Zeitung bei ihr gekauft haben.

Paetz wechselt im Imbiss Karl in Beuel unterdessen weiter seine Papierrollen in der Kasse. Eine Reaktion aus Berlin hat er bis heute nie erhalten.