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Britisches Leben in Bonn: Ein Überblick

Britische Gemeinde : Ein Überblick über das britische Leben in Bonn

Die britische Gemeinde in Bonn ist seit dem Berlin-Umzug zwar ausgedünnt – zu übersehen ist sie allerdings nicht. Noch 1000 Personen mit britischem Pass leben hier. Ein Überblick über das britische Leben in Bonn.

Die britische Botschaft im Schatten der CDU-Zentrale an der Friedrich-Ebert-Allee? Längst abgerissen. Die prächtige Residenz des Königreichs am Rüngsdorfer Rheinufer, die einst intensiv gastronomisch genutzt wurde? Erfreut seit zwei Jahrzehnten mutmaßlich seine neuen Eigentümer. Es mag Städte geben, in denen der Brexit politisch derzeit für mehr Aufregung sorgt. Völlig ausgeflogen ist britisches Leben aus Bonn gleichwohl nicht.

So gibt es beispielsweise eine Regionalgruppe des Vereins British in Germany, der sich 2017 eigens gründete, um die Interessen betroffener Staatsbürger während der Brexit-Verhandlungen zu vertreten. Das tut indirekt auch das Bonner Einwohnermeldeamt. Für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union zum Ende dieses Monats bietet die Stadtverwaltung britischen Staatsangehörigen und ihren Familienangehörigen die Möglichkeit, sich zu registrieren.

Nötig macht das Paragraph 4 des deutschen Aufenthaltsgesetzes. Sobald es nämlich zu einem ungeregelten Austritt Großbritanniens kommt, benötigen britische Staatsangehörige eine Aufenthaltserlaubnis. Keine Registrierung braucht, wer neben der britischen noch die Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedsstaats oder von Island, Liechtenstein oder Norwegen besitzt. In Bonn leben rund 1000 Personen mit ausschließlich britischem Pass.

Sie gehören womöglich auch zum Kundenkreis des „English Shop“ an der Sternstraße. Im Bonner Zweitsitz des 1995 von Alexander McWhinney gegründeten Ladens habe man sich den Brexit eigentlich schon vom Mund abgeputzt, so lange werde bereits darüber debattiert, sagt Anna-Maria Böhm. Kritik am Austritt habe das Unternehmen bereits vor langer Zeit in Form von Social-Media-Kampagnen geübt. Etwas mehr als die Hälfte der Mitarbeiter habe einen britischen Pass; wer konnte, beantragte die doppelte Staatsangehörigkeit. „Die meisten haben das inzwischen erledigt“, so Böhm.

Allerdings sei auch in früheren Zeiten der Warenverkehr zwischen Kontinent und Insel längst nicht so frei gewesen wie zuletzt, sodass man über einen gewissen Erfahrungsschatz bei der Überwindung von Handelshindernissen verfüge. „Ob es für uns und unsere Kunden teurer wird oder vielleicht günstiger, bleibt abzuwarten“. Nach den zwei Verkaufsschlagern gefragt, reagiert sie spontan: „Hier spiegeln sich die britschen Extreme“, lacht sie: „Einmal ist es die Clotted Cream für die typisch englischen Scones. Zum anderen unser Strongbow Cider.“

Und dann ist da ja noch die Sonderausstellung im Haus der Geschichte. „Very british – ein deutscher Blick“ läuft bis zum 8.März. Gut getimed.