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Theaternachwuchs in Bonn: Bühne frei für die Fachkräfte

Theaternachwuchs in Bonn : Bühne frei für die Fachkräfte

Das Theater Bonn entwickelt originelle Abschlussprojekte für seine Azubis. Die Industrie- und Handelskammer muss die unübliche Abschlussarbeit aber noch genehmigen.

Corona, Lockdown, Kurzarbeit: Noch vor ihrem Abschluss mussten drei Auszubildende des Bonner Theaters diese Erfahrungen machen. Doch anders als ihre Kollegen in der freien Wirtschaft konnten sie weiter arbeiten. Für Fachkräfte für Veranstaltungstechnik seien die Zeiten denkbar schwierig, meint Richard Schäfer, der 30 Jahre Bühnenmeister am Theater war und jetzt Veranstaltungsmeister in der technischen Direktion. Somit auch für die Auszubildenden verantwortlich.

Man habe aus der Not eine Tugend gemacht: „Wir alle hatten viel Zeit, die Kollegen haben also eine Art innerbetriebliche Fortbildung für die Azubis gemacht. Sie sind sozusagen Gewinner der Pandemie“, erzählt Schäfer. Auch für die anstehende Prüfung im Juni/Juli war Fantasie gefragt.

Gewöhnlich müssen sie an einer aktuellen Produktion von Oper oder Schauspiel teilnehmen. Da aber im Moment nicht gespielt werde haben wir uns fiktive Projekte für die Azubis im 3. Jahr ausgedacht.

Für das Abschlussprojekt der Azubis Leon Weiermann, Michelle Bataille und einer weiteren Auszubildenden, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, wurden drei Aufgaben entwickelt: Eine Premierenfeier „auf die Bühne stellen“, eine Kostümversteigerung organisieren, eine Jobbörse für technische Berufe am Theater durchführen. Wenn möglich sollte zu jeder Aufgabe auch die virtuelle Variante durchgespielt werden. Die Auszubildenden müssen ihr jeweiliges Projekt planen, vorbereiten, dokumentieren und präsentieren.

Schäfer war es wichtig, die Aufgaben möglichst realistisch zu gestalten, „wie ein Auftrag aus der freien Wirtschaft“. Was das bedeutet? Schäfer meint den ganzen bürokratischen Aufwand, den solche Projekte mit sich bringen, etwa Nutzungsänderungsanträge, Gefährdungsbeurteilung oder Stromkalkulation. Das gehöre ebenso dazu wie die Dokumentation. Wichtige Schritte, bevor eine Bühne gebaut wird, Tonsystem, Licht und Beamer installiert werden.

Die Azubis dürfen sich bereits Gedanken machen, mit den Projekten dürfen sie aber noch nicht beginnen. Denn erst muss die IHK die unübliche Abschlussarbeit genehmigen und einen Termin festlegen. Für die Realisierung haben die Auszubildenden dann nur 35 Stunden Zeit.