Dreckecken in Bonn Bürger fordern mehr Einsatz der Stadt

Bonn · Müllecken und schlecht gepflegte Anlagen beschäftigen viele Bonner. Das zeigen die Reaktionen auf unseren Bericht. „Eigentlich dürfte Müll kein solches Problem werden“, schrieb etwa Jutta Schulz zu einem Foto aus der Thomastraße.

 Diese wilde Müllkippe unterhalb der Viktoriabrücke ist Sache eines Privatmannes, sagt die Stadt.

Diese wilde Müllkippe unterhalb der Viktoriabrücke ist Sache eines Privatmannes, sagt die Stadt.

Foto: Jutta Schulz

Darauf zu sehen: Aufgeplatzte Müllsäcke, Pappen, Eimer und ein Bürostuhl. Viermal habe sie bei der Verleihfirma und der Stadt interveniert, bis ein Müllcontainer von dem Grundstück an der Ecke zum Hochstadenring endlich abgeholt wurde. Doch ein großer Müllhaufen blieb liegen und zieht weitere Müllentsorger an.

Bei der Stadt aber habe man ihr gesagt, es gebe nur „nachrangigen Handlungsbedarf“, weil „keine Gefährdung“ von dieser Müllstelle ausgehe. Zu Recht, sagt Markus Schmitz aus dem Presseamt: „Auf dem Privatgrundstück können wir nur bei Gefahr im Verzug eingreifen.“ Der Ordnungsdienst habe den Eigentümer mehrfach zum Aufräumen aufgefordert. Es komme aber immer neuer Müll hinzu.

Ungepflegter Friedhof

Eine andere Leserin, die aus Angst vor Grabschändung anonym bleiben möchte, beklagt das Aussehen des Rüngsdorfer Friedhofs: Wege und Wiesen seien ungepflegt, am Eingang lägen Gartenabfälle von außerhalb, weil der Weg zum Container zu weit sei. Im Winter grüben Fahrzeuge tiefe Furchen in die Wege, die sich mit Wasser und Schlamm füllten. Der fragliche Container sei für den öffentlichen Gebrauch allerdings gar nicht bestimmt, erwidert Schmitz.

Grünabfall sammelt sich auch auf dem Friedhof in Graurheindorf. Dabei stehe alle zwei Wochen stundenweise ein mobiler Container für Pflanzenschnitt bereit, sagt eine Sprecherin von Bonnorange auf Nachfrage. Ein entsprechendes Hinweisschild sei allerdings geklaut worden – und wurde nicht ersetzt. Auch die Kreuzung am Bundeskanzlerplatz sei in beklagenswertem Zustand, findet Hansi Zinn – „ein scheußliches Entrée für die Stadt“.

Kritik wird vor allem am Ordnungsdienst der Stadt laut. „Warum können die Verkehrsaufseher und das Ordnungsamt nicht auch auf solche Dinge achten, wo sie schon den ganzen Tag durch die Straßen laufen?“, fragt etwa Uwe Franzen und beklagt, die Blütenblätter der Kirschbäume in der Altstadt flögen durch unsachgemäße Straßenreinigung noch immer überall herum.

Einen Straßenkehrer habe er dort noch nie gesehen. „Muss man sich erst melden, wenn man wochenlang auf diese Dreckecken gucken muss? Warum sieht das nicht eine für Sauberkeit verantwortliche Stelle rechtzeitig und handelt?“, fragen auch die Geschäftsleute Monika und Dirk Weber.

Maximal 55 Euro Buße

Jüngst haben sie sich bei der Stadt über den Dreck in der Quantiusstraße beklagt. Immerhin sei nach zwei Tagen gereinigt worden. Nur einige „Fahrradleichen“ und ein seit Ewigkeiten aufgestelltes Dixi-Klo blieben zurück. Ihr Vorschlag zum Thema: Statt viel zu kleine Mülleimer mehrfach zu leeren, solle die Kommune doch einfach in größere Behälter investieren.

Die Stadt bittet die Bürger weiterhin zur Mithilfe. Dreckecken könnten online über das Portal bonn.de gemeldet werden. Man findet die Rubrik „Mängelmelder“ im Menüpunkt Bürgerdienste online. Extremverschmutzer müssten mit einem Verwarngeld des Ordnungsdiensts rechnen – maximal 55 Euro.

Schlimmstenfalls gebe es eine Anzeige mit nachfolgendem Bußgeld. Voraussetzung natürlich: Der Ordnungsdienst erwischt die Täter auf frischer Tat. Bei Bonnorange hat man das Problem ebenfalls erkannt. So sei im Verwaltungsrat gestern über eine Verschiebung der bürgerschaftlichen Sammelaktion Picobello ins Frühjahr nachgedacht worden, berichtet Pressesprecherin Jasmin Mangold auf Nachfrage.

2000 Bonner räumen auf

Im Auftrag des Umweltministeriums wolle man sich künftig an der Aktion „Let's clean up Europe“ beteiligen, die der Verband kommunaler Unternehmen jedes Jahr von März bis Anfang Mai koordiniert. Picobello sei überhaupt erst 2010 nach Bedenken des Naturschutzbundes Nabu wegen der Vogelbrutzeit im Frühjahr in den September verlegt worden.

2015 hatten sich rund 2000 Bonnerinnen und Bonner daran beteiligt, in der Mehrzahl Schüler und Kindergartenkinder. Die gesammelte Müllmenge sei über die Jahre fast konstant geblieben.

Wie viel Geld die Stadt für die Stadtreinigung über Bonnorange jährlich an Fremdfirmen überweist, mochte Mangold auf GA-Anfrage aus „wettbewerbsrechtlichen Gründen“ nicht mitteilen. Die Teamleiter der Stadtreinigung würden die Reinigungsergebnisse „im Rahmen der Kapazitäten“ überprüfen.

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