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Einbruchszahlen in Bonn: Bürger planen Privatstreife

Einbruchszahlen in Bonn : Bürger planen Privatstreife

Die Nachrichten über Einbruchszahlen verunsichern offensichtlich immer mehr Bürger. Wie berichtet, nimmt die Bundesstadt in der am Mittwoch veröffentlichten gesamtdeutschen Kriminalstatistik 2013 den Spitzenplatz ein. Laut der Statistik lag Bonn mit 563,8 Einbrüchen pro 100.000 Einwohner auf Platz eins.

Wie der General-Anzeiger erfuhr, will nun eine Gruppe von Bad Godesbergern "einen eigenen Wach- und Streifendienst für das Villenviertel organisieren". So steht es in einer Rundmail zu lesen. Die Rede ist von einer Initiative "Wach- und Streifendienst", die schon zu Beginn der Sommerferien starten soll.

Beigefügt ist der E-Mail ein Konzept, das in Zusammenarbeit mit einem Sicherheitsdienst erstellt wurde. Auch einen Kostenvoranschlag hat die Organisatorin, die nicht genannt werden will, eingeholt. Danach basiert das Konzept auf der Citystreife, die vom Verein Stadtmarketing in der Godesberger Innenstadt organisiert wird.

"Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht", sagte sie. Von daher sei die Streife das Vorbild für die seit Langem geplante Initiative gewesen. "Das Ganze hat nichts mit einer Bürgerwehr zu tun", stellte sie klar, "es geht einfach darum, die Sicherheit hier noch ein Stück weit zu erhöhen." Schließlich erscheinen ihr die Kapazitäten der Polizei nicht ausreichend. Der Streifendienst sei in Meckenheim stationiert, "die Reaktionsgeschwindigkeit auf Ereignisse in Godesberg damit retardiert".

"Das ist aber kein Vorwurf an die Bonner Polizei", betonte ein Mitorganisator. "Wir haben großes Verständnis für diejenigen, die dort das operative Geschäft machen. Nicht aber für die, die an höherer Stelle die Personalplanung betreiben." Von daher verstehe man diesen privaten Sicherheitsdienst als Ergänzung zum Polizeidienst. "Wir hoffen hier auf eine abschreckende Wirkung auf Täter, nach dem Motto 'Achtung hier wird bestreift'."

Rechnen soll sich so eine Streife, die auf das Gebiet zwischen Bahntrasse und Rheinufer sowie von der Wurzerstraße bis zur Fasanenstraße/Tannenallee begrenzt werden soll, dank vieler Nutzer. "Mit 70 Teilnehmern pro Streife ist ein Beitrag von 50 Euro plus Mehrwertsteuer pro Partei zu finanzieren", heißt es.

Interaktive Karte: Hier schlagen Einbrecher besonders häufig zu

Mit ihrem Vorstoß stehen die Bürger aus dem Villenviertel keineswegs alleine da. Auch CDU-Ratsherr Herbert Kaupert will eine Art Sicherheitsdienst einführen, "der an den Bürgersinn appelliert". Kaupert denkt an "Freiwillige mit ein wenig Zeit", die für ein Entgelt auf festen Routen die Augen aufhalten "und Verdächtiges der Polizei melden sollen".

Vorstellen kann er sich diesen von einem Verein getragenen Dienst in jedem Stadtteil. Thema ist das Ganze auch in Bad Honnef. Wie berichtet, will dort der Gewerbeverein Centrum einen privaten Sicherheitsdienst engagieren.

Dass etwas passieren muss und Bonn nicht länger "ein Paradies für Einbrecher sein darf", fordert auch Bernhard Wimmer (Bürger Bund Bonn). "Für uns stand schon vor der Veröffentlichung der erschreckenden Zahlen über den Umfang der Wohnungseinbrüche fest, dass die Bonner Polizei dringend verstärkt und verjüngt werden muss. Nur so kann die Kriminalitätsbelastung in Bonn nachhaltig verringert werden."

Der Bonner Polizeisprecher Frank Piontek sagte zu dem Vorstoß aus dem Villenviertel: "Jeder kann einen Sicherheitsdienst beauftragen, dagegen ist nichts einzuwenden. Aber eine aufmerksame Nachbarschaft und frühzeitige Hinweise an die Leitstelle halten wir für effektiver.

Erst einen Sicherheitsdienst zu verständigen, verschafft den Tätern unnötig Zeit." In dem Zusammenhang stellt Piontek auch richtig: "Es stimmt nicht, dass die Polizei mit ihren Streifenwagen erst aus Meckenheim nach Bad Godesberg anrücken muss." Richtig sei vielmehr: "Die Wache in Bad Godesberg bestreift mit ihren Wagen auch das Villenviertel, und zwar rund um die Uhr.

Hohe Belastungszahlen in Sachen Einbruch

Unterschiedliche Angaben zu den Einbruchszahlen in Bonn anlässlich der Kriminalstatistik 2013 des Bundes haben für Verwirrung gesorgt. Nach den Zahlen des Bundes wurden in Bonn vergangenes Jahr 563,8 Einbrüchen pro 100 000 Einwohnern registriert, damit liegt die Bundesstadt im bundesweiten Vergleich unter Städten mit mehr als 200 000 Einwohnern auf Platz 1.

In der im März vorgestellten Kriminalitätsstatistik hatte die Bonner Polizei für ihr Gebiet aber nur 529 Einbrüche pro 100 000 Einwohnern erfasst. Die Differenz erklärte Polizeisprecher Frank Piontek damit, dass dem Bund bei seiner Statistik die neuen Zensus-Zahlen vorgelegen hätten.

Laut Piontek würden die unterschiedlichen Zahlen aber nichts daran ändern, dass Bonn 2013 bei Einbrüchen jene Großstadt mit der höchsten Belastungszahl gewesen sei. Er bestätigte auch, dass Meckenheim und Swisttal mit "sehr hohen Belastungszahlen" zu kämpfen gehabt haben. 2013 lagen die Häufigkeitszahlen in den beiden Kommunen des Rhein-Sieg-Kreises mit 568 in Swisstal und 696 in Meckenheim sogar noch signifikant über dem Bonner Wert.

Zu erklären sei das damit, dass 2013 in Meckenheim unter anderem zwei Gruppen Jugendlicher "Einbrüche gleich in Serie begangen haben". Dass auch in Swisttal die Belastungszahlen so hoch waren, erklärte Piontek mit der guten Anbindung an die A61, was für überörtliche Täter interessant ist.

Seit Juli 2013 verzeichnet die Polizei Bonn in ihrem Zuständigkeitsbereich einen Rückgang von 25 Prozent an Wohnungseinbrüchen. Dieser Trend setzt sich in diesem Jahr fort. Allein in den ersten vier Monaten seien 500 Wohnungseinbrüche weniger erfasst. "