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Radweg entlang der A565: Bürger protestieren gegen die Verbreiterung des Tausendfüßlers

Radweg entlang der A565 : Bürger protestieren gegen die Verbreiterung des Tausendfüßlers

Eine Bürgerinitiative fordert den Bau eines Radwegs statt zusätzlicher Autospuren auf dem Tausendfüßler-Neubau. Der Bonner Stadtrat verweist das Thema nun in den Planungsausschuss.

Gegen die geplante Verbreiterung des Tausendfüßlers haben am Donnerstag rund 50 Bürger vor der abendlichen Stadtratssitzung demonstriert. Die Bürgerinitiative „Moratorium Planungen A565/Tausendfüßler“ um Irmgard Henseler und Raimund Gerber fordert statt eines dreispurigen Ausbaus des Autobahnabschnitts zwischen Nordbrücke und dem Endenicher Ei mit jeweils einer weiteren Standspur in beide Richtungen die Beibehaltung von zwei Fahrbahnen und einem zusätzlichen Radweg. Henseler sprach auf dem Stadthausplateau von „einem Monstrum, das Straßen NRW geplant hat“. Sie und ihr Mann Raimund Gerber fordern zunächst einen Aufschub des Projekts, das Ende 2021 beginnen soll, und die Vorlage eines ausführlichen Klimagutachtens zu den Auswirkungen. Die Bauzeit für den Neubau ist mit gut sechs Jahren veranschlagt, die Kosten liegen bei mehr als 200 Millionen Euro.

Die Initiative befürchtet, dass der erwartete stärkere Verkehr einen negativen Einfluss auf das städtische Klima nehmen wird und die Temperaturen im Sommer weiter steigen lässt. „Eine Stadt, die den Klimanotstand ausruft, kann einen solchen Ausbau nicht einfach hinnehmen“, sagte Gerber. Der Streckenabschnitt der A 565 soll nicht mehr wie bisher für 70.000 Fahrzeuge, sondern nach Auskunft des zuständigen Landesbetriebs Straßen NRW für 115.000 Fahrzeuge ausgelegt werden. Die Autobahn soll mit 35,30 Meter doppelt so breit werden wie bisher, erklärte Bernd Aulmann vom Landesbetrieb. Schallschutzwände werden in der Nähe von Wohnungsiedlungen eine Höhe von bis zu zehn Metern über Gelände erreichen.

Einen Verbündeten hat die Initiative im örtlichen ADFC gefunden. Deren Vorsitzende Annette Quaedvlieg sprach davon, dass der Neubau einen Radweg in zwei Fahrtrichtungen erhalten müsse, damit die Autobahn einen Beitrag zur Verkehrswende leisten könne. Nicht zufällig hatte die Bürgerinitiative an diesem Tag vor das Stadthaus geladen. Auf der Tagesordnung des Stadtrats fand sich eine Verwaltungsstellungnahme zum Radweg am Tausendfüßler, aus der hervorgeht, dass NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst aus wirtschaftlichen Gründen keine Chance für einen Radweg auf dem Autobahnabschnitt sieht. Stadt, Kreis und Land wollten nun eine Zielvereinbarung für eine alternative Route zwischen Endenicher Ei und Nordbrücke abschließen.

Die Linksfraktion beantragte, am Radschnellweg festzuhalten, den Verkehrsminister entsprechend zu informieren und zu prüfen, ob die Stadt gegen das Planfeststellungsverfahren vorgehen kann. Dieses formelle Verfahren wird nach Auskunft des Landesbetriebs im März eingeleitet. Eine Ratsmehrheit entschied allerdings, Vorlage und Antrag in den Planungsausschuss zu verschieben. Auch Grüne und SPD wollen am Bau eines Radwegs festhalten, auch weil sie keine vernünftige Alternative im bestehenden Straßennetz erkennen können.