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Bundesbüdchen in Bonn: Studierende suchen Fotos und Anekdoten zum Kiosk

Berühmter Kiosk in Bonn : Studierende gehen auf Spurensuche am Bundesbüdchen

2006 musste das Bundesbüdchen in Bonn dem World Conference Center weichen. Jetzt suchen Bonner Studierende nach Fotos und Anekdoten rund um den berühmten Kiosk.

Dass gerade die unscheinbaren Flecken oft die spannendsten Geschichten erzählen, beweist kaum ein Ort so treffend wie das Bonner Bundesbüdchen, für viele ein Sinnbild der überschaubaren „Bonner Republik“.

„Joschka Fischer hat hier immer seine Pressepapiere vorbereitet. Die Pressearbeit hat er durchweg allein gemacht“, erinnert sich Jürgen Rausch, früherer Inhaber des Bundesbüdchens. Vom Rücktritt Oskar Lafontaines 1999 habe er durch den ehemaligen Außenminister und Vizekanzler Klaus Kinkel erfahren. „Der kam aus dem Bundestag gerannt und rief mir zu: „Sie haben keinen Finanzminister mehr!“

Zahllose Anekdoten hat Rausch aus seiner Zeit im Büdchen mitgenommen. Mittlerweile steht der Kiosk unter Denkmalschutz, bis zuletzt lagerte er auf einem Bauhof in Bornheim-Hersel. Vor einem Jahr gab die NRW-Stiftung die Förderzusage für den Wiederaufbau.

Das Bundesbüdchen als Symbol der Bonner Republik

Karl-Heinz Erdmann, Professor am Geografischen Institut der Uni Bonn und Vorstandsmitglied der NRW-Stiftung, begleitete die Übergabe. Mit dem Kiosk verbindet er vor allem persönliche Erinnerungen: „Ich bin in Kessenich aufgewachsen, und auf dem Weg zum Rhein durfte ich mir immer was am Büdchen aussuchen“, erzählt Erdmann. „Am Bundesbüdchen trafen sich Parlamentarier. Dort wurde privat besprochen, was später große Politik wurde.“

Dem Bundesbüdchen als Symbol der Bonner Republik gehen Erdmann und seine Studierenden aktuell in einem Forschungsseminar auf den Grund. „Das Projekt ist besonders spannend, weil es einen direkten praktischen Bezug hat“, sagt Student Lukas Gielen. Dass man dabei auch eine Menge über Quellenarbeit lerne, sei ein positiver Nebeneffekt. „Bislang haben wir hauptsächlich im Stadtarchiv recherchiert, da gab es aber nicht so viele Quellen“, ergänzt Kommilitone Johannes Stoltenberg. „Deshalb hoffen wir, dass sich noch weitere Zeitzeugen melden, die zu dem Projekt beitragen können.“ Die Ergebnisse sollen anschließend im Rahmen einer Publikation veröffentlicht werden.

Noch steht ein Bagger auf dem Gelände am Platz der Vereinten Nationen, wo das Bundesbüdchen seine neue Heimat finden soll. Ende August soll der Betrieb wieder aufgenommen werden – 13 Jahre nach seiner Schließung. Ein Novum bringt die Wiedereröffnung allerdings mit sich: „Der neue Pächter ist eine Bäckerei“, sagt Jürgen Rausch. Statt Haribo gebe es dort also demnächst Brötchen zu kaufen.

Fotos, Videoaufnahmen, Zeitzeugenberichte und Anekdoten zum Bundesbüdchen nimmt das Forschungsprojekt gerne via E-Mail an projekt.bundesbuedchen@gmx.de entgegen.