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Bundesbüdchen in Bonn: Wiedereröffnung nach 14 Jahren

Standort am früheren Bundestag : Bonner Bundesbüdchen nach 14 Jahren wieder offen

Jahrzehntelang war das Bundesbüdchen eine feste Institution in der Bonner Bundesrepublik. 2006 musste es dem WCCB weichen. Am Freitag wurde es an fast der alten Stelle am alten Bundestag feierlich wiedereröffnet.

Bonn hat ein Stück Geschichte zurückgewonnen. Am Freitag eröffnete der Förderverein „Historischer Verkaufspavillon“ das Bundesbüdchen an der Heussallee. Etwa 300 Meter entfernt, an dem es jahrzehntelang gestanden hatte.

„Ich bin in den Strudel des WCCB geraten“, fasst Jürgen Rausch die Hintergründe für die Geschichte zusammen. 26 Jahre lang stand er im Bundesbüdchen und verkaufte Zeitungen und Würstchen. Zu Gast war damals am Büdchen im ehemaligen Bundesviertel viel politische Bundesprominenz, allen voran Konrad Adenauer, Joschka Fischer und Helmut Kohl. Und sie kamen immer wieder, um eine Zeitung oder Siedewürstchen zu kaufen. Im Zuge des Baus des World Conference Center Bonn (WCCB) musste das Büdchen weichen. Nun, nach 14 Jahren war es im Mai wieder in der Nähe seines alten Standortes aufgestellt worden. Seit Freitag ist es geöffnet.

Für Rausch ist das Bundesbüdchen ein lebendes Denkmal. „Es ist in dem alten Stil erhalten worden, wie es früher war“, sagt er. Dafür haben sich viele mit Herzblut eingesetzt. Die NRW-Stiftung, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, das Bundesministerium für Kultur und Medien, die Stadt Bonn und einige private Investoren. Sie alle hätten dafür gesorgt, dass das Bundesbüdchen nicht in Vergessenheit gerät.

„Ein Symbol für die Bescheidenheit Bonns“

„Es ist ein Symbol für die Bescheidenheit Bonns“, sagt Rausch. Es sei quasi die Versinnbildlichung der Geschichte der Bonner Republik. „Wenn man nach Budapest fährt, kann man bis in die K.u.K.-Zeit zurückblicken. Oder etwa in Italien in die Antike.“ Mit der Rückkehr des Bundesbüdchens fast an seine alte Stelle werde auch dort Geschichte mehr erlebbar. Das Büdchen stehe für die alte Hauptstadtzeit, das sollten auch junge Leuten wissen.

Jürgen Rausch hält sich bei der feierlichen Eröffnung im Hintergrund. „Ich bin im Beirat bestellt und habe mich immer wieder versucht, mit Ideen einzubringen“, sagt er. Rausch erzählt, er sei einst Eigentümer des Büdchens gewesen. Mittlerweile habe er es an den Förderverein „Historischer Verkaufspavillon“ verschenkt. Aber mit der Auflage, dass er es, solange er lebe, weiterhin nutzen oder verpachten darf. Inzwischen ist es an die Bäckerei Mauel verpachtet, die dort ihre Backwaren ab sofort verkauft.

Zur Eröffnung am Freitagnachmittag kamen auch Gäste, die eine ganz persönliche Beziehung zu dem Büdchen haben: etwa Günther Peters, ein Architekt, der einst an der Planung mitgearbeitet hat. „Ich hatte 1957 gerade mein Examen in der Tasche und in einem Bonner Architekturbüro angefangen zu arbeiten“, erzählt er. „Ich habe noch den Vater von Jürgen Rausch kennengelernt. Das war ein sehr unterhaltsamer Mensch.“ Für Peter Storsberg, Vorsitzender des Fördervereins, geht mit der Wiedereröffnung ein zähes Kapitel zu Ende. „Eine 14-jährige Hängepartie ist vorbei“, sagt er vor rund 50 Gästen, die zur Eröffnung gekommen waren. Das Bundesbüdchen werde eine neue Landmarke in Bonn darstellen.

Das Bundesbüdchen in Bonn - Audioslideshow (2014)

Kult schon zu Adenauers Zeiten

Der Vorsitzende der NRW-Stiftung, Karl-Heinz Erdmann, erinnerte daran, dass das Bundesbüdchen schon zu Zeiten des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer Kult gewesen sei. „Wenn die Angaben aus alten Zeitungen stimmen, gab es dort auch mal Nylonstrümpfe zu kaufen.“ Lange habe es sie aber nicht gegeben. Gerne erzählt Erdmann die Anekdote über den WDR-Journalisten Friedrich Nowottny, der nach einer verlorenen Wette in der Fernsehsendung „Wetten, dass...?“ im Büdchen Würstchen für einen guten Zweck verkauft hatte. „Damals kam Loki Schmidt auch vorbei. Das würde heute in Berlin nicht mehr gehen“, sagt Erdmann. „Das war damals einfach diese unaufgeregte Normalität in der Bonner Republik.“ Loki Schmidt war die Ehefrau von Altkanzler Helmut Schmidt.

Das Bundesbüdchen bleibt für den Geographie-Professor Erdmann interessant. „Es ist für mich ein Forschungsobjekt“, sagt er. Denn seine Studenten wollen in einem Projekt Fotos, Videoaufnahmen, Zeitzeugenberichte und Anekdoten zusammentragen, um später ein kleines Büchlein zu veröffentlichen.

Wohl der älteste Besucher an diesem Tag dürfte Richard Kögler gewesen sein. Der 94-Jährige arbeitete von 1954 bis 1991 im Bundesrat. „Es ist ein schönes Gefühl, dass es wieder da ist“, sagt er. „Morgens habe ich dort immer Wolfgang Schäuble getroffen. Er hat sich dort sein Brötchen geholt.“

Günter Winands, Amtschef bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, sagte: „Vielleicht wird es irgendwann UN-Büdchen heißen.“