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Bundesviertel in Bonn: Stadt will neues Hochhaus für Wetterbehörde ermöglichen

Europäisches Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage : Stadt Bonn will neues Hochhaus im Bundesviertel ermöglichen

Die Stadt Bonn macht einen weiteren Schritt zur möglichen Ansiedlung des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage: Der Planungsausschuss will den Bau eines neuen Hochhauses im Bundesviertel ermöglichen.

Die Stadt Bonn kann nun die planungsrechtlichen Grundlagen schaffen für eine mögliche Ansiedlung des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (EZMW) nahe dem Bundesumweltministerium im Bundesviertel. Der Planungsausschuss hat am Mittwochabend den Weg frei gemacht für die Aufstellung eines Bebauungsplans auf dem dafür vorgesehenen Grundstück des Bundes im Ortsteil Hochkreuz an der Ecke Ludwig-Erhard-Allee/Carlo-Schmid-Straße.

Dort liegt das 7,2 Hektar große Plangebiet. Auf diesem Areal wäre laut dem Rahmenplan Bundesviertel, einem noch jungen Orientierungsinstrument für die Stadtteilentwicklung der kommenden Jahrzehnte, der Bau eines Hochhauses zwischen 100 und 120 Meter Höhe möglich (27 bis 32 Geschosse).

Wie im Juni berichtet, will sich die Bundesregierung mit Bonn um den neuen Standort dieser europäischen Wetterbehörde bewerben, die Frist endet am 30. September dieses Jahres. Auch Österreich hat Interesse bekundet. Das EZMW hat seinen Sitz noch in Großbritannien, sucht aber nach dem Brexit einen neuen Standort.

Aus den Verwaltungsunterlagen geht hervor, dass die Wetterbehörde „als Bedingung eine alleinige Nutzung eines Gebäudes formuliert hat“. Sollte die Bewerbung erfolgreich verlaufen, würde das zu errichtende Hochhaus „voraussichtlich niedriger ausfallen“. Die Rede ist von 60 Metern für zunächst 320 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es gebe vonseiten des Bundes keine Pläne für den Bau von Wohnungen. Derzeit existiert dort eine Grünfläche mit Baum- und Gehölzbestand mit Biotopstrukturen. Umwelt- und Artenschutzprüfungen werden folgen. Die Leiterin des Bonner Planungsamts, Petra Denny, sagte im Ausschuss: „Sollte die Bewerbung nicht erfolgreich sein, können wir das Verfahren jederzeit anhalten und neu überlegen.“ Als grundlegendes Planungsziel an diesem Stadtort nennt die Verwaltung den Bau einer Kindertagesstätte. Das hurtige Vorangehen in der Sache begründet die Verwaltung auch mit der notwendigen Planungssicherheit für die Behörde.

Wie Andrea Schulte aus dem Bonner Presseamt am Donnerstag mitteilte, solle das Hochhaus so bald wie möglich stehen: „Deswegen hat die Stadt damit begonnen, Planungsrecht zu schaffen. Sollte Bonn den Zuschlag – voraussichtlich im Dezember 2020 – erhalten, ist der Beginn der Umzüge nach Bonn für die Jahre 2021 bis 2023 vorgesehen. Bis zur Fertigstellung des Hochhauses wird der Bund im Rahmen der Bewerbung eine Zwischenunterbringung in Bonn anbieten, an der zurzeit noch gearbeitet wird.“ Die zuständigen Bundesministerien des Inneren und für Verkehr und digitale Infrastruktur ließen Detailfragen zu voraussichtlichen Kosten und möglichen Mitwettbewerbern am Donnerstag unbeantwortet.

Vorgesehenen ist ein Grundstück des Bundes im Ortsteil Hochkreuz, an der Ecke Ludwig-Erhard-Allee und Carlo-Schmid-Straße. Foto: ga

Der Planungsausschuss folgte der Verwaltung mit breiter Mehrheit gegen die Stimmen von Linken und Bürger Bund Bonn (BBB) unter der Voraussetzung, dass ein Grünstreifen aus der Planungsfläche herauszuhalten ist und ein ausreichender Abstand zur Fuß-/ und Radwegbrücke als Verbindungsstück zur Rheinaue bleibt, wie es Hartwig Lohmeyer von den Grünen vorgeschlagen hatte. „Die Ansiedlung der Europäischen Wetterbehörde passt in unsere Strategie, weitere Behörden im Bundesviertel unterzubringen“, erklärte Bert Moll (CDU).

Marcel Schmitt (BBB) begründete seine Gegenstimme auch mit der grundsätzlichen Ablehnung der im Rahmenplan Bundesviertel vorgesehenen Hochhauspläne: „Spargel-City können wir keine Zustimmung geben.“ Holger Schmidt von den Linken findet den Hochpunkt an dieser Stelle „wenig überzeugend“. Vor allem aber ärgerte er sich darüber, dass bei einem der ersten Bebauungspläne nach Beschluss des Rahmenplans schon von der eigentlichen Grundidee einer Mischung von Büros und Wohnen abgewichen werde. „Wo soll das denn hinführen, wenn wir so weitermachen?“