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Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn erweitert virtuelle Angebote

Videos mit Comedian Abdelkarim : Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn erweitert virtuelle Angebote

Die Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn baut in der Pandemie ihre virtuellen Bildungsangebote aus – unter anderem mit wöchentlichen Videos mit dem Duisburger Comedian Abdelkarim Zemhoute.

Die da oben labern wieder herum und der kleine Mann guckt in die Röhre?“ Gegen diesen Allgemeinplatz tritt für die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) an der Adenauerallee seit Ende Mai in wöchentlich neuen Videos der Duisburger Comedian Abdelkarim Zemhoute an. Und zwar in der Reihe „Abdelkratie“. Der vollbärtige Deutschmarokkaner aus der ZDF-Satiresendung „Heute Show“, dessen Team kürzlich bei einer Demonstration gegen Corona-Regeln tätlich angegriffen wurde, feiert darin humorvoll und informativ die Demokratie ab.

„Diskurs, Baby, so richtig mit verschiedenen Positionen, und am Ende hat man einen Kompromiss“, macht sich Zemhoute im neusten Video im mitreißenden Rollenspiel stark für die Meinungsfreiheit. Mit einem Einzug in den Bundestag könne es sogar „voll den geilen Dienstwagen geben, Brudi,“ preist er an. Obwohl, „ich muss die Karre mit anderen Abgeordneten teilen?“ fragt er enttäuscht nach. „Trotzdem geil, Demokratie halt“, grinst der Kabarettist schließlich ins Bild.

Viele Nutzer nehmen das virtuelle Angebot wahr

In der Corona-Krise setzt die Bundeszentrale mit Formaten wie der „Abdelkratie“ vermehrt auf ihr virtuelles Angebot. „Durch die Pandemie haben wir zum einen analoge Veranstaltungen ins Digitale verschoben und zum anderen unser Themenspektrum erweitert“, erklärt bpb-Sprecher Daniel Kraft. Für die ausgefallene Leipziger Buchmesse habe man einen Streaming-Marathon gestartet („leipzigstreamt“). Das regelmäßige bpb:forum finde nicht mehr in Medienzentren, sondern digital statt. Auf die Schulschließungen habe man mit dem Format „Politikstunde“ reagiert, in dem Experten alltagsnah Zuschauerfragen beantworten. „Diese Streams haben im Schnitt fast 10.000 Video-Aufrufe“, freut sich Kraft. Seit Beginn habe es weit über 300 000 Videoaufrufe gegeben. Im April 2020 waren die Besuche auf bpb.de mit 3,3 Millionen rund 22 Prozent höher als im Vorjahresmonat.

Man merke einen sehr deutlichen „Homeschooling-Effekt“, die Bundeszentrale werde als seriöse überparteiliche Quelle genutzt, führt deren Sprecher weiter aus. Am meisten angeklickt werde das Format „Die Corona-Krise und ihre Folgen“. Alles rund um Verschwörungstheorien und Falschmeldungen und besonders der neue Podcast „Die Wahrheit in Zeiten von Corona“ und das Spezial „Fake-News“ seien gefragt, erläutert Kraft. Gerade Schüler, die den fehlenden Unterricht ausgleichen, und Lehrer, die nach Materialien für den digitalen Unterricht suchen, seien die Nutzer.

Kostenfreies Angebot soll auch politikferne Zielgruppen erreichen

Man wolle mit den kostenfreien Angeboten auch Menschen erreichen, die sich in der Krisenzeit keine teuren Bildungsmaterialien leisten können, erklärt Cemile Giousouf, Leiterin der bpb-Fachabteilung. „Wichtig ist uns vor allem, hilfreiches Material zu politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen bereitzustellen und Informationen für jeden Bürger zugänglich zu machen – unabhängig vom sozialen, religiösen oder ethnischen Status.“

Zudem wolle man besonders politikferne Zielgruppen mit niedrigschwelligen Angeboten wie dem neuen Format „Abdelkratie“ ansprechen, sagt Kraft. Man sensibilisiere also für Verschwörungstheorien und mache darauf aufmerksam, wie man Falschmeldungen erkennt und Quellen richtig einordnen kann. „Wir wollen die Demokratie stärken und die Zivilgesellschaft fördern.“ Das sei gerade in diesen Zeiten wichtiger denn je. Das bpb-Medienzentrum in Bonn müsse aber in der Pandemie erst einmal bis nach den NRW-Sommerferien geschlossen bleiben.