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Beschluss der Bezirksvertretung: Campus Poppelsdorf wird Fahrradzone

Beschluss der Bezirksvertretung : Campus Poppelsdorf wird Fahrradzone

In Poppelsdorf soll rund um den Unicampus eine Fahrradzone enstehen. Das hat die Bezirksvertretung Bonn beschlossen. Radfahrer hätten dort dann Vorrang. Für die Stadt ist es ein Pilotprojekt. In Bremen entstand vor einem Jahr die erste Fahrradzone Deutschlands.

Bonns Bezirksbürgermeister Jochen Reeh-Schall wies am Ende darauf hin, dass es gerade einen historischen Moment gegeben habe. Kurz zuvor war die Bezirksvertretung (BV) einem Bürgerantrag gefolgt und hatte einstimmig beschlossen, dass um den Campus der Uni in Poppelsdorf eine Fahrradzone entstehen soll. „Es ist das erste Mal, dass Herr Fahrenholtz (parteilos) für eine Fahrradstraße gestimmt hat“, sagte Reeh-Schall.

Überhaupt waren die Vertreter der Parteien am Mittwochabend voll des Lobes für den Antrag. „Es ist eine Idee, die ich toll finde“, sagte Elmar Conrads-Hassel (FDP) und auch Thomas Fahrenholtz befand: „Das ist eine wunderschöne Idee.“

Antragstellerin Valeska Decker war in der BV, um noch mal für ihr Anliegen zu werben. Die 34-Jährige promoviert an der Uni und kennt den Campus gut. Sie sei früher selbst mit dem Auto zur Uni gefahren. Auf vielen der kleinen Straßen sei es sehr eng, wenn Autos und Fahrräder dort unterwegs sind. „Ich finde, wo es möglich ist, sollte man dort dem Fahrrad den Vorzug geben“, sagt sie am Tag nach der BV am Telefon.

Novelle macht’s möglich

Eine Novelle der Straßenverkehrsordnung von 2020 ermöglicht auch Fahrradzonen. Was dort gilt, orientiert sich an den Regeln für Fahrradstraßen: die Höchstgeschwindigkeit für Autos liegt bei 30 Kilometern pro Stunde. Falls Pkw und Motorräder zulässig sind, dürfen sie den Radverkehr weder behindern noch gefährden. Es ist ausdrücklich erlaubt, dass Fahrradfahrer nebeneinander fahren.

 Rund um den Unicampus in Poppelsdorf soll die Fahrradzone entstehen.
Rund um den Unicampus in Poppelsdorf soll die Fahrradzone entstehen. Foto: GA-Grafik

Die erste Fahrradzone Deutschlands liegt in Bremen. Dort umfasst sie zwölf Straßen mit einer Länge von insgesamt 2,5 Kilometern. Von der Idee bis zur Umsetzung dauerte es vier Jahre. 3,5 Millionen Euro kostete das Projekt, das mit 2,4 Millionen vom Bund gefördert wurde. Mit dem Geld wurde unter anderem aus Kopfsteinpflaster eine glatte Fahrbahn gemacht, Fahrradständer aufgestellt und Ladestationen für E-Bikes eingerichtet.

Stadt will Ausbau prüfen

Die Fahrradzone in Bonn soll öffentliche und private Straßen umfassen. Nämlich die Wegeler Straße (öffentlich), die Wolfgang-Paul-Allee (privat), die Nußallee (privat), Katzenburgweg (öffentlich), Karlrobert-Kreiten-Straße (öffentlich) und Carl-Troll-Straße (öffentlich). Die Nußallee soll nur noch dem öffentlichen Verkehr, Anlieger- und Zulieferverkehr dienen. Im Antrag heißt es: „Die Sperrung insbesondere der Nußallee für den Durchgangsverkehr wäre eine enorme Entlastung für alle Studierenden und Mitarbeiter*innen der Uni Bonn, die täglich mit dem Rad durch die engen Straßen fahren.“

Die Verwaltung schreibt in ihrer Stellungnahme: „Das Einrichten einer Fahrradzone auf den im Antrag genannten Straßen (…) wäre grundsätzlich möglich und wird von der Verwaltung auch als sinnvoll erachtet.“ Sollte der Antrag angenommen werden, wolle man sich mit der Uni, der die privaten Straßen gehören, zusammensetzen und ein Konzept für das Pilotprojekt erarbeiten. Mit der Fahrradzone will die Verwaltung die durch die StVO-Novelle neu geschaffene Möglichkeit testen, um zu prüfen, ob sich ein solches Konzept auf weitere Bereiche in der Stadt ausweiten lässt.

Weitere Fahrradzonen fände auch Decker gut. Sie freut sich darüber, wie ihr Vorschlag angenommen wurde. Sie sagt: „Die positive Resonanz fand ich super. Das war cool.“