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Gastronomie in Bonn: Casa Antónia in der Altstadt muss schließen

Gastronomie in Bonn : Casa Antónia in der Altstadt muss schließen

16 Jahre lang hat José Caladeira das Restaurant Casa Antónia an der Heerstraße 67 betrieben. Jetzt ist Schluss: Am kommenden Freitag öffnen Caladeira und seine Frau María Antónia, die für die Küche verantwortlich ist, zum letzten Mal. Zeit für einen Abschiedsartikel zu einem Lokal, das in der Bonner Altstadt Generationen verband.

Es gibt Orte, die wie Anker sind. Nicht die großen Anker, von denen man vielleicht nur einen hat, den man immer wieder auswirft, der einen hält. Eher kleine Anker, Ab-und-zu-Anker sozusagen. Das kann auch eine Kneipe sein. Noch besser, weil der Magen etwas davon hat: ein Restaurant.

"Wenn ich rausgehen und nicht steril irgendwo in einer Ecke sitzen wollte, dann bin ich dorthin gegangen", sagt Sigi Haurand-Brendel. Dort, in der Casa Antónia, ist keine Ecke steril. Da rückte der Gesamtschullehrer - er arbeitet in Köln und lebt in der Bonner Altstadt - an einem der wenigen Tische zu denen, die dort schon saßen, eben dazu. Ganz früher saß man dann schon mal Knie an Knie mit dem Bonner OB, der damals Daniels hieß. Oder mit Hans-Ulrich Klose, Mitte der Neunziger SPD-Fraktionsvorsitzender. Oder mit Mitgliedern der Grünen: "Die haben sich so lange über die Froschschenkel auf der Speisekarte beschwert und sie immer wieder durchgestrichen, bis José sie aus der Karte herausgenommen hat", erinnert sich Sigi.

Der Bacalhau, der Stockfisch, blieb auf der Karte. Bacalhau, das ist portugiesisch - kann aber auch als spanisch durchgehen. José und María stammen aus Portugal. Aber wie Portugal schmeckt, das wissen nicht viele. Wie Spanien schmeckt, schon. So kam es, dass Josés Bruder, der als erstes ebendort im Altstadt-Haus Speisen anbot, zum Spanier wurde, und José dann auch. Geändert wurde beim Wechsel unter Geschwistern nicht viel mehr als ein Buchstabe: Aus der Casa António (der Bruder) wurde die Casa Antónia - Zweitname von María.

"Spontan kommunikativ" sei es immer schon dort gewesen, sagt Sigi, der Lehrer. Mag sein, dass deshalb ein spontanes Kommunikations-Genie wie der Comedian Helge Schneider dort immer ist und isst, wenn er Zeit hat in Bonn.

Spontan kommunikativ ist der Wirt eher nicht. Jedenfalls nicht gleich. "José macht oft ein mürrisches Gesicht", sagt Paco Giménez, ein anderer Altstädter, echter Spanier und Antónia-Stammgast. "Aber irgendwann am Abend taut er immer auf."

Die Casa Antónia ist - war - nicht schön. Die Fenster noch typische Brauerei-Fenster, "Schwabenbräu" steht auf einem, noch aus der Vor-Josés-Bruder-Zeit, als dort eine klassische Bierschänke war. Drinnen an der Decke ein Fischernetz, mit der Zeit und Generationen von bis vor zwei Jahren kräftig rauchenden Gästen braun geworden. Aber wer hier hinkam, fand illustre Gesellschaft aus allen Bereichen des Lebens. Und er fand eine Mahlzeit, auch noch um Mitternacht, weil María ein Herz für hungrige Nachtschwärmer hat.

Jetzt ist Schluss, und alle Stammgäste sind traurig. José auch. Aber für ihn endet mit 66 Jahren auch ein Berufsleben, das für deutsche Verhältnisse unfassbare 59 Jahre lang war: "Ich arbeite, seit ich sieben Jahre alt war", sagt er. "Erst Kühe hüten, dann Lämmer. Dann habe ich in Lissabon als Drucker gearbeitet, dann hier, erst in einer Beueler Fabrik, die Schmirgelpapier herstellte, dann in einer für Dachpappe." Dann 16 Jahre Casa. Man kann sagen: Es reicht.

In Deutschland, Bonn wird er bleiben - und wie immer auch in Portugal, bislang einmal im Jahr, jetzt öfter.Was für ihn typisch Altstadt ist? "Alles mischt sich. Das ist gut." Und typisch deutsch? Er überlegt. "Wenn ich hier grille, dann habe ich immer Angst vor meinem Nachbarn", sagt er dann. "In Portugal kommt der Nachbar vorbei und grillt mit."