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Catcalling in Bonn: Bonnerin wehrt sich gegen sexuelle Belästigung

Instagram-Account gegen Catcalling : Bonnerin wehrt sich gegen verbale sexuelle Belästigung

Catcalling bezeichnet die verbale sexuelle Belästigung auf der Straße. Franziska Peil aus Bonn hat genug davon und kreidet die Sprüche buchstäblich auf der Straße an: Die Bilder postet sie öffentlich auf dem Instagram-Account „catcallsof.bonn“.

Der Bonner Hauptbahnhof, auf dem Weg zum Zug: Plötzlich wird Franziska Peil von einem fremden Mann angesprochen. Er ruft: „Hallo, hallo, Entschuldigung. Sie müssen Ihre Bluse mal zumachen. Der oberste Knopf ist auf.“ Es sind Momente wie diese, die bei der 29-jährigen Bonnerin das Fass zum Überlaufen gebracht haben.

Deshalb hat sie vor gut zwei Wochen den Instagram-Account „catcallsof.bonn“ gegründet, der genau solche Geschichten sammelt. Catcalling werden diese auch genannt und bezeichnen die verbale sexuelle Belästigung auf der Straße. Und dort landen diese dann auch wieder: Denn die Studentin kreidet die Sprüche wortwörtlich auf dem Asphalt an, um auf Catcalling öffentlich aufmerksam zu machen: „Es muss sich jetzt endlich was ändern“, sagt sie im Gespräch. Das sei für sie klar.

„Ich würde persönlich niemals jemandem, den ich nicht kenne, hinterherpfeifen oder rufen: Hey du siehst geil aus!“. Für Peil fängt Catcalling aber auch schon eher an - zum Beispiel bei zu langen Blicken oder „wenn die betroffene Person sich unwohl fühlt.“ So habe sie etwa ihre Begegnung mit dem Fremden am Bonner Hauptbahnhof empfunden. „Ich hab so gezittert vor Wut“, erinnert sie sich.

Idee kommt ursprünglich aus New York

Inspiration für den Account sammelte Peil bei dem Pendant ihres Instagramprofils aus Mainz, wo sie Kunstgeschichte studiert hat. „Ich fand das richtig cool“, erzählt sie rückblickend. Die Idee, mit Kreidestiften das Catcalling auf den Asphalt zu bringen, ist an sich nicht neu: Sophie Sandberg aus New York City hatte bereits 2016 damit gestartet, so auf diese Form der sexuellen Belästigung aufmerksam zu machen.

Mittlerweile gibt es in fast jeder großen Stadt in Deutschland dieses Projekt - zum Beispiel eben auch in Mainz oder in Köln. Peil ist mit den anderen Catcall-Account-Betreibern in einer Whatsapp-Gruppe vernetzt. Dort tauschen sie sich regelmäßig aus, erzählt sie.

Instagram-Account hat bislang knapp 300 Follower

Betroffene können den Initiativen ihre Erfahrungen und den Tatort per Direktnachricht auf Instagram schicken. Ein Ausschnitt der Nachricht wird dann mit Kreide am jeweiligen Ort auf die Straße gemalt. In Bonn habe Franziska Peil vor allem Geschichten rund um den Hauptbahnhof bekommen - bisher nur von Frauen.

Aber: „Ich möchte überhaupt niemanden ausschließen“, betont sie. Auch Männer könnten ihr eine Nachricht schicken. Laut einer Ansicht auf Instagram erreiche ihr Profil aber bislang überwiegend Frauen zwischen 25 und 35 Jahren. Rund 300 Follower und elf Beiträge zählt ihr Account nach etwa zwei Wochen (Stand Mittwochnachmittag).

Und das Postfach wird immer voller: „Pro Tag bekomme ich zwei bis drei Nachrichten. Gerade fühlt es sich noch mega cool an, wenn die Leute sagen: Komm, ich erzähl dir das“, findet die Masterstudentin. Erschreckend seien immer wieder die Inhalte: „Das Problem ist, dass die allermeisten Leute übergriffig werden. Die allermeisten Nachrichten sind mit Anfassen“. Daher unterstützt sie auch eine aktuelle Petition, die sich dafür einsetzt, dass verbale sexuelle Belästigung in allen möglichen Formen strafbar wird.

Sprüche wie diese malt Franziska Peil mit Kreide auf den Asphalt und postet ein Foto davon auf Instagram. Foto: catcallsof.bonn/Franziska Peil

Knapp 20 Mitteilungen habe Peil schon in bunten Farben auf die Straße gebracht. Allein am Mittwoch stehen neun weitere Kreidewerke im Stadtgebiet an - darunter an der Diskothek Carpe Noctem, an der Oper oder in der Altstadt.

Meistens erledigt sie das zu Fuß oder mit dem Rad - aber nicht alleine. „Am Hauptbahnhof fühlt man sich doch etwas unwohl. Das ist wirklich so: Hallo, hier bin ich“. Deshalb kommt oft ihre Schwester oder eine Freundin mit. Was man tun kann, wenn man auf der Straße sexuell belästigt wird? „Das Wichtigste ist, dass man wirklich laut wird“, ist sich Peil sicher. Sie findet aber, dass es keine falsche Reaktion auf Catcalling gebe.