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Cityring Bonn: Verkehrschaos nach Wiederöffnung bleibt aus

Cityring in Bonn wieder geöffnet : Rad- und Autofahrer kommen sich in die Quere

Der Cityring in Bonn ist nach hitzigen Debatten wieder geöffnet. An manchen Stellen kommen sich Rad- und Autofahrer nun in die Quere. Was sagen die Verkehrsteilnehmer nach dem ersten Tag? Eine Bilanz.

Der Cityring hat Marcel Hannan in den vergangenen Monaten viele Nerven gekostet. „Aber vor allem Zeit“, sagt der Bonner Taxifahrer. Durch die Änderungen in der Verkehrsführung, die es immer wieder gab, konnte er seine Fahrgäste nicht mehr auf dem kürzesten Weg durch die Stadt fahren. „Das sorgte natürlich für viele Beschwerden“, erzählt er. Seit Mittwoch ist das vorbei: Der Cityring ist nach einem neuerlichen Ratsbeschluss für Autos wieder durchgehend befahrbar. So wie vor den Änderungen.

Nun könnte man meinen, dass nach allem Hin und Her völliges Chaos auf dem Areal zwischen Rathausgasse und Maximilianstraße herrschte. Am Donnerstag nahmen die Autofahrer die Situation aber gelassen – was sollten sie auch anderes machen. „Ob das alles gut oder schlecht ist, darüber habe ich mir gar keine Gedanken gemacht. Ich fahre so, wie es die Schilder erlauben“, sagte ein Mann mit gewisser Resignation, der in Höhe des Bonner Münsters vor der Ampel wartete. Wie viele andere war er aber froh, die Strecke bis zum Hauptbahnhof und auch die Maximilianstraße entlang des Busbahnhofs wie früher nutzen zu können. „Die ganzen Umwege, die man durch die Sperrung hatte, waren idiotisch“, sagte ein anderer Autofahrer.

Aber nicht alles ist zurückgedreht. So haben Fahrradfahrer weiterhin einen eigenen Schutzstreifen, der vom Bonner Bahnhof in Richtung Rhein führt. „Das ist gut, dass das so bleibt“, sagte Luis Gaiser. Der 21-jährige Student ist viel mit dem Rad unterwegs und mit der Bonner Verkehrspolitik unzufrieden. „Busse, Lkw und Autos kommen den Fahrrädern an vielen Stellen gefährlich nah und in die Quere.“

Das passiert nun zum Beispiel auf der Maximilianstraße, wo den Fahrrädern auf der schmalen Straße Autos entgegenkommen. Besonders heikel ist es aber an der Ecke Rathausgasse und Stockenstraße: Dort sind so viele Markierungen auf dem Boden, dass man kaum einen Überblick hat, wer wo entlangfahren soll. Aus der Stockenstraße heraus kommen Radfahrer, die sowohl Richtung Rhein in die Rathausgasse als auch Richtung Bahnhof in die Straße Am Hof abbiegen dürfen. Autofahrer dürfen wieder von der Rathausgasse in die Stockenstraße fahren.

Verkehrsführung ist noch nicht komplett fertig

Am Kaiserplatz, von wo die Autos die Maximilianstraße nehmen können, ist wieder alles beim Alten. „Es ist wirklich kurios, dass sich die Leute wieder genauso verfahren wie vor Monaten“, meinte Paulu Lopes, der in einer Eisdiele an der Ecke arbeitet. Dabei hat er die Weggabelung, die auf der einen Seite nur für den Linienverkehr des Busbahnhofs und auf der anderen Seite für alle anderen gedacht ist, genau im Blick. Alle paar Minuten gibt es jemanden, der kurz anhält, überlegt, wo er langfahren darf, und dann die richtige Abzweigung nimmt. „Es gibt aber auch genug, die auf den Busbahnhof fahren und dann wenden“, sagte Lopes. Trotzdem findet er gut, dass der Cityring wieder offen ist. „Ich musste sonst immer lange Umwege fahren und stand oft vor geschlossenen Bahnschranken.“

Ganz fertig ist die neue alte Verkehrsführung noch nicht, wie Andrea Schulte vom städtischen Presseamt erklärt. An manchen Stellen fehlen noch Markierungen, am deutlichsten ist das an der Ampel vor dem Uni-Haupteingang gegenüber der Fürstenstraße zu sehen. „Hier muss noch ein wenig an der Markierung geändert werden. Das geschieht am Freitag im Laufe des Tages, sodass – ebenfalls am Freitag – das Tiefbauamt die Verkleidung herunternehmen wird“, erklärt sie. Die Ampel war verhüllt worden, da sie aus Sicht der Verkehrsplaner nicht mehr notwendig war. Durch die Kappung des Cityrings sollte der Verkehr vor der Uni reduziert werden.

In der Praxis funktionierte der Gedanke aber nur bedingt: Nach wie vor bogen viele Autofahrer in die Rathausgasse ab, obwohl sie es nicht durften. Unter anderem deshalb, weil die Navigationsgeräte sie falsch lotsten. „Da fuhr dann auch mal jemand über den Uni-Vorhof, da dort, wo er eigentlich lang wollte, die Durchfahrt verboten war“, sagte Frank Vallender, der in der Innenstadt häufig zu Fuß unterwegs ist. Ob die jetzige Lösung die beste ist, weiß er nicht. Auch Taxifahrer Hannan ist noch unentschlossen: „Momentan geht es noch, aber wenn die Leute wieder von der Öffnung wissen, gibt es sicherlich Staus.“ Denn auf der Maximilianstraße ist nur eine Fahrspur für Autos frei, und nicht wie früher zwei.