1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Corona: Bonn ist Modellstadt bei Datenauswertung

Unterstützung von Forschungsinstitut und Uniklinik : Bonn ist Modellstadt bei Corona-Datenauswertung

Die Stadt Bonn arbeitet mit der Uniklinik und dem Bonner Forschungsinstitut infas 360 zusammen. So soll trotz Öffnungen die Inzidenz niedrig bleiben.

Die Stadt Bonn arbeitet mit einem interdisziplinären wissenschaftlichen Team zusammen, um Daten über Corona-Fälle zu analysieren und auszuwerten. Beteiligt ist neben dem Institut für Hygiene und Public Health des Bonner Universitätsklinikums auch das in Bonn ansässige Forschungsinstitut infas 360.

Das Ziel der Stadt ist es laut Pressemitteilung, trotz Öffnungen auf einer niedrigen Inzidenz zu verbleiben. Dazu sollen datenbasierte Analysen und die daraus gewonnenen, tiefgreifenden Erkenntnisse über die letzten Corona-Wellen gezielt genutzt werden, um präventiv mögliche Ausbreitungen bestehender oder neuer Corona-Varianten bestmöglich einzudämmen.

Stadt behält Datenhoheit

Infas 360 ergänzt zunächst die Daten, die das Institut noch von der Stadt erhalten wird, und prüft deren Qualität. „Die Daten werten wir mehrdimensional aus“, erklärt Geschäftsführer Michael Herter. „Das heißt, wir können Aussagen über Infektionen bezüglich sozio-demografische Faktoren wie des Gebäudetyps oder Haushaltsstrukturen treffen.“

Mit solchen mikrogeographischen Analysen sollen auch Zusammenhänge zwischen Wohnen und Arbeiten sowie den Wegen dorthin gefunden werden. „Wir suchen nach Clustern und versuchen, diese zu erklären“, sagt Herter. Man arbeite ergebnisoffen. Die Stadt behält die Daten- und Informationshoheit.

Etabliertes Verfahren, noch kaum genutzt

Bis Ende September 2021 erwartet die Stadt so erstmals evidenzbasierte Erkenntnisse über die inhaltliche sowie räumlich-zeitliche Clusterung von Infektionen und deren Zusammenhänge. Beispielsweise könnten sogenannte Superspreader leichter erkannt oder Beziehungen von Infektionsketten zwischen Wohnen und Arbeiten beziehungsweise innerhalb von Einrichtungen hergestellt werden. So sollen entscheidende Risikofaktoren identifiziert werden. „Diese Erkenntnisse sind insbesondere im Hinblick auf die sich derzeit stark ausbreitende Delta-Variante von Bedeutung“, schreibt die Stadt.

Obwohl es sich um ein etabliertes Verfahren handelt, das etwa schon der britische Arzt John Snow bei der Erforschung der Cholera 1854 nutzte, wird die Corona-Pandemie auf diese Weise bislang noch kaum in Deutschland untersucht. Bonn dient dahingehend als Modellstadt für andere Kommunen.