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Corona: Flüchtlinge ziehen in Jugendherberge in Bonn

Nach Corona-Infektionen in Bonn : Flüchtlinge ziehen in Jugendherberge auf dem Venusberg

Die Bezirksregierung Köln bringt ab diesem Mittwoch die ersten 70 Menschen in der Jugendherberge am Venusberg unter. Dort sollen vor allem Risikogruppen sowie Familien mit Kindern Platz finden.

Jedes Zimmer hat sein eigenes Badezimmer, der gemeinsame Speisesaal ist groß, der Garten bietet viel Platz: Die Voraussetzungen in der Jugendherberge auf dem Venusberg seien perfekt, sagt Jürgen Lubitz, Dezernent des Dezernats 20  der Bezirksregierung Köln. Das Dezernat 20 ist zuständig für die Unterbringung von Flüchtlingen.

Seit Mittwochnachmittag dient die Einrichtung als Flüchtlingsunterkunft für Geflüchtete, die bislang in Einrichtungen in Köln, Kerpen und in Euskirchen gelebt haben. In der Jugendherberge sollen vor allem Menschen untergebracht werden, die zur Corona-Risikogruppe gehören. Durch die neue Einrichtung in Bonn sollen die anderen Unterkünfte entlastet werden, damit den geltenden Abstands- und Hygienevorschriften noch besser nachgekommen werden kann. Dabei hat die neue Bonner Unterkunft einen entscheidenden Vorteil. „In den oberen Etagen des Hauses befinden sich kleine Appartments mit Balkon“, so Lubitz. Diese können im Falle einer notwendigen Isolierung eines Bewohners genutzt werden, damit dieser während der Quarantäne mehr Platz hat. Regulär genutzt werden sollen die Zimmer allerdings nicht.

Bis  Anfang November soll die Jugendherberge, die Platz für 269 Menschen hat, den Geflüchteten ein sicheres Dach über dem Kopf bieten – ein Mietvertrag für die Dauer von sechs Monaten wurde zwischen der Bezirksregierung Köln und dem Jugendherbergswerk Landesverband Rheinland geschlossen. Die ersten 20 Bewohnerinnen und Bewohner sollten noch am Mittwochnachmittag aus der Kölner Erstaufnahmeeinrichtung auf den Venusberg gebracht werden. In den kommenden Tagen werden dann weitere Flüchtlinge in die Jugendherberge gebracht. „Aktuell ist geplant, dass in dieser Woche bis zu 70 Bewohnerinnen und Bewohner in die Einrichtung kommen“, sagte Dirk Schneemann, stellvertretender Pressesprecher der Bezirksregierung Köln.

Da es in der Zentralen Unterbringungseinrichtung in Euskirchen besonders viele bestätigte Corona-Fälle gibt, erfolgen Verlegungen von dort in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt. „Die Menschen, die verlegt werden, sind bereits seit mehreren Wochen in anderen Einrichtungen, in denen sie auch medizinisch betreut werden. Soweit diese symptomfrei sind, ist eine prophylaktische Testung der Bewohnerinnen und Bewohner aus den Einrichtungen in Köln und Kerpen vor einem Transfer grundsätzlich nicht vorgesehen“, so Schneemann.

Betreut werden die Bewohner durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter es Deutschen Roten Kreuzes Nordrhein (DRK), das ebenfalls für die Erstaufnahmeeinrichtung in Bonn zuständig ist. Für diese gibt es in dem Gebäude separate Besprechungs- und Aufenthaltsräume. Der Mietvertrag enthält eine Klausel, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendherberge weiterhin dort beschäftigt werden. „Der Mietvertrag sieht vor, dass wir eine Vollverpflegung, Reinigung und weitere Serviceleistungen zur Verfügung stellen“, sagte Cathrin Arnemann, Leitung Marketing und Vertrieb vom Landesverband Rheinland des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH).

Am Mittwochvormittag waren die Mitarbeiter des DRK noch dabei, die Herberge herzurichten und verteilten dabei unter anderem auch Hygieneartikel wie zum Beispiel Desinfektionsmittel oder auch einfachen Mund-Nasenschutz. Auch die Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes hatten schon ihre Arbeit aufgenommen und regelten den Zutritt zu der Einrichtung. „Grundsätzlich mussten keine wesentlichen Veränderungen vorgenommen werden, da die Jugendherbergen bereits auf einen Beherbergungsbetrieb ausgerichtet sind, der die Voraussetzungen für den Betrieb einer Flüchtlingsunterkunft erfüllt“, sagte Schneemann dem GA.  Allerdings, so kündigte Jürgen Lubitz an, wird es auf der Gartenseite der Jugendherberge einen Zaun mit Sichtschutz geben. „Damit wollen wir verhindern, dass Bewohner oder auch Kinder in den nahen Wald laufen und sich dort verirren. Der Zaun erleichtert aber auch die Arbeit des Sicherheitsdienstes“, so Lubitz. Vor dem Gebäude der Jugendherberge sei kein Zaun geplant.

Einen Kontakt zum Jugendherbergswerk bestehe bereits seit der Flüchtlingswelle im Jahr 2015, der Kontakt sei „nie abgerissen“, erklärte die Pressestelle der Bezirksregierung Köln. „Da die Jugendherbergen in Deutschland aktuell ihren normalen Beherbergungsbetrieb ruhen lassen müssen, hatten wir hier die Möglichkeit, kurzfristig die leerstehenden Kapazitäten zu nutzen“, so Schneemann.

Gespräche über eine mögliche Verlängerung des Mietvertrages gibt es noch nicht. „Zunächst einmal sind wir sehr froh, dass in der Jugendherberge Bonn, nach der behördlichen Corona-Schließung wieder Gäste eintreffen“, so Cathrin Arnemann vom DJH Rheinland. Vielmehr sei sie froh, dass ihr Verband mit der Vermietung an die Bezirksregierung Köln nun dem „satzungsgemäßen Auftrag“ im Sinne einer Unterstützung und Förderung des Gemeinwohls gerecht werden kann.