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Corona-Impfung für Kinder: Nachfrage in Bonn steigt - Empfehlung der Stiko

Umfrage unter Kinderärzten : Nachfrage nach Corona-Impfung für Kinder steigt in Bonn wieder

Die Nachfrage nach Corona-Impfungen für Kinder ist in Bonn nach der neuen Empfehlung der Stiko wieder gestiegen. Der Kinder- und Jugendarzt Axel Gerschlauer blickt derweil mit großer Sorge auf den Herbst.

In der Praxis von Kinder- und Jugendarzt Axel Gerschlauer in Bonn klingelte das Telefon, kaum war die neue Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) in den Nachrichten. Eltern wollen ihre Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren für eine Impfung gegen das Coronavirus anmelden, nachdem die Experten am Dienstag eine generelle Impfempfehlung für diese Altersgruppe ausgesprochen haben.

„Wir werden jetzt wieder samstags Impfangebote machen müssen“, kündigte Gerschlauer an, der mangels Nachfragen das Impfen zwischenzeitlich beendet hatte. Als Sprecher des Bundesverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) Nordrhein findet er es „super, dass wir uns so gut auf die Stiko verlassen können“. Auch das Vertrauen der Eltern sei groß, denn „die Stiko entscheidet aus medizinischer Sicht und nicht aus politischem Kalkül“.

Die Stiko hatte abzuwägen zwischen der geringen Krankheitslast durch Covid-19 bei Kindern, der Belastung durch die pandemiebedingten Restriktionen, der Impfeffektivität und der möglichen Komplikationen einer Impfung bei Kindern. Die neue Empfehlung gilt nun auch für Kinder mit intaktem Immunsystem und zunächst für die einmalige Impfung. Für Kinder mit Vorerkrankungen gilt wie bisher eine Grundimmunisierung mit zwei Impfstoffdosen sowie eine Auffrischungsimpfung.

Die Stadt Bonn hat bisher insgesamt 8359 Kinderimpfungen gezählt, in der Stadt wohnen rund 22.000 Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren. „Wir können keine Impfquote für Bonn nennen, da sich auch viele Menschen aus der Region in Bonn haben impfen lassen, die zum Beispiel in Bonn arbeiten“, erklärte Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann. Nach dem ersten Kinderimpftag am 17. Dezember 2021 hatte das Gesundheitsamt die Impfkapazitäten zunächst erweitert. In der Stadthalle Bad Godesberg war der Andrang zeitweise so groß, dass alle vier Impfstraßen für Kinderimpfungen genutzt wurden. Seit dem 4. April werden Kinderimpfungen nur noch in niedergelassenen Kinderarztpraxen durchgeführt.

„Zur Zeit besteht bei uns so gut wie keine Nachfrage nach Covid-Impfungen. Die Stiko-Empfehlung halte ich für sinnvoll als Entscheidungsgrundlage der Eltern“, sagte Barbara Isabell Bettzüge-Pfaff, Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin in Röttgen, dem GA. Hinzu komme die persönliche Einstellung und Empfehlung des behandelnden Kinderarztes.

Befürchtungen für den Herbst

Die wissenschaftlichen Fachgesellschaften der Kinder- und Jugendmedizin und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte begrüßen und unterstützen diese Impfempfehlung in einer gemeinsamen Pressemitteilung ausdrücklich, „da sie vorausschauend – über die gegenwärtige Situation hinaus – die weitere Entwicklung der Pandemie berücksichtigt“. Studien hätten gezeigt, dass sich der Immunschutz verbessere, wenn nach einer Omikron-Infektion eine mRNA-Impfstoffdosis verabreicht wird. Die Kinder- und Jugendärzte halten den Aufbau einer Sars-CoV-2-Basisimmunität auch bei Kindern im Grundschulalter für sinnvoll, auch um indirekte Folgen einer Infektion wie Isolation und Quarantäne zu verhindern.

„Ich habe Sorge vor erneutem politischen Versagen im Herbst. Wir erwarten nur das Schlimmste“, so die persönliche Einschätzung von Gerschlauer. Es sei ein Armutszeugnis, wie wenig die Politik getan habe, um Kinder und Jugendlichen den durchgehenden Besuch von Kitas und Schulen zu ermöglichen, zum Beispiel durch den flächendeckenden Einsatz von Luftfiltern und die konsequente Umsetzung vorhandener Leitlinien. „Das einzig Gute ist: Covid-19 ist bislang ungefährlich für die allermeisten Kinder“, so der Arzt.