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Corona in Bonn: 31 Geimpfte positiv getestet

Coronavirus in Bonn : 31 Geimpfte in Bonn positiv auf Corona getestet

Auch Durchgeimpfte können sich mit dem Coronavirus infizieren. In Bonn sind es aktuell 31, wovon die meisten keine oder kaum Symptome zeigen. Eine Person ist schwer erkrankt. Bonns Chefvirologe Hendrik Streeck sieht die Entwicklung in Übereinstimmung mit Studien.

In Bonn steigt die Sieben-Tages-Inzidenz pro 100 000 Einwohner weiter an. Am Donnerstag lag sie schon bei 54,6. Ab diesem Freitag tritt die Inzidenzstufe 2 in der Bundesstadt in Kraft mit wieder strengeren Regeln und Kontaktbeschränkungen – insbesondere für Ungeimpfte. Am Freitag stieg die Inzidenz auf 72,5.

Aber auch geimpfte Personen können sich durchaus mit Corona infizieren. In Bonn sind das laut Stadtsprecherin Barbara Löcherbach aktuell 31 Personen unter 242 bestätigten Infektionsfällen – das heißt 12,81 Prozent. 20 Fälle weisen Löcherbach zufolge die Delta-Variante auf (64,52 Prozent). Es stünden aber noch Sequenzierungen aus. Eine Person davon sei schwer erkrankt. In der vorigen Woche waren dem städtischen Gesundheitsamt 38 positiv getestete Bürger gemeldet worden, die allesamt durchgeimpft waren. Bis auf die schwer erkrankte Person, die in einer Klinik behandelt werden müsse, seien alle anderen entweder symptomfrei oder zeigten nur leichte Symptome. Informationen zu Alter, Geschlecht und möglichen Vorerkrankungen des trotz Impfung schwer an Covid-19 erkrankten Menschen waren von der Stadt nicht zu erhalten.

Streeck sieht klinische Studien bestätigt

Der Chef der Virologie am Universitätsklinikum Bonn, Hendrik Streeck, sieht die Entwicklung, dass auch zunehmend Geimpfte positiv auf Corona getestet werden, in Übereinstimmung mit den klinischen Studien. „Der Impfstoff schützt vor einem schweren Verlauf, aber nicht garantiert vor einer Infektion“, erklärte er auf GA-Nachfrage. So waren etwa bei den Studien mit dem mRNA-Impfstoffen zwischen 80 und 90 Prozent der Probanden vor einer symptomatischen Infektion geschützt. Zwischen zehn und 20 hätten später trotz Impfung Symptome einer Corona-Infektion gezeigt. „Was wir derzeit sagen können ist, dass nach einer Impfung schwere Verläufe sehr selten sind“, so Streeck. Selbst moderate Krankheitsverläufe seien eher selten.

Da immer mehr Menschen geimpft würden, steige parallel auch die Rate der Geimpften, die sich trotzdem ansteckten. Zudem geht Streeck von einer höheren Dunkelziffer unter den Geimpften aus, die sich zwar infizieren könnten, aber keinerlei Symptome zeigten und deswegen auch nicht getestet werden. Das bedeute, dass eine Impfung in erster Linie dem Eigenschutz diene, betonte der Virologe.

Kostenpflichtige Tests könnten Pandemie antreiben

„Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass wir eine Herdenimmunität in absehbarer Zeit erreichen werden.“ Deshalb müssten die Verantwortlichen deutlicher kommunizieren, dass eine Impfung sehr wichtig sei, um vor allem sich selbst zu schützen. Streeck sieht vor allem auf den kommenden Herbst und Winter nüchtern, da dann das Infektionsgeschehen wie im vorigen Jahr sicher wieder stark zunehmen werde. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen weltweit geimpft werden.“ Auch, um nicht von weiteren, noch ansteckenderen und gefährlicheren Varianten überrascht zu werden. Der Professor setzt dabei insbesondere auf Überzeugungsarbeit. Druck sei nur in Maßen produktiv, um die Skeptiker zu erreichen, ist er überzeugt. „Ich bedauere es sehr, dass die Bürgertests ab Herbst nicht mehr kostenfrei sind“, sagte er. Aus epidemiologischer Sicht sei das fragwürdig. „Es gibt dann sicherlich viele Menschen, die sich nicht mehr testen lassen und die Treffen wieder mehr ins Private verlagern.“ So könnten unter den Ungeimpften Hotspots entstehen, die man zu spät bemerke und die nicht beherrschbar seien.

Zudem entstehe ein gesellschaftliches Ungleichgewicht: Bürgertests würden dann zum Privileg für impfunwillige Besserverdienende, die sich den Test eher leisten könnten als Menschen, die mit wenig Geld auskommen müssten. Streecks Appell: „Wir müssen viel mehr unternehmen, Menschen zu erreichen, die vielleicht aus Angst und Sorge vor möglichen Nebenwirkungen sich nicht impfen lassen wollen.“ Da spiele das Argument Eigenschutz sicher eine bedeutende Rolle. Die Kampagne „Ärmel hoch“ hält Streeck für zu wenig. „Gute Information und Aufklärung sind viel besser.“ Sehr sinnvoll seien in dem Zusammenhang die mobilen Impfangebote, weil sie für viele Menschen ein niederschwelliges Angebot darstellten. „Das sollte unbedingt aufrechterhalten werden.“

Und was hält der Fachmann von einer Auffrischung der Impfung – Experten sprechen auch von einem „Boostereffekt“? „Ob sie wirklich notwendig ist, ist eine Frage der Wissenschaft.“ Sinnvoll sei sie aber sicherlich bei älteren Menschen und Personen mit Vorerkrankungen, die Ihre Immunität bereits verloren haben.

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