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Corona in Bonn: Inzidenz bei 95,9 - Urlaubsrückkehrer und Delta-Variante

Inzidenzwert steht bei 95,9 : Bonn gehört zu den Corona-Hotspots in NRW

Erneut hat die Sieben-Tages-Inzidenz in Bonn eine gewaltigen Sprung nach oben gemacht. Sie stieg von Freitag um 17 Punkte auf 95,9 am Sonntag. Die Stadt ver­mu­tet Ur­laubs­rück­keh­rer und die Del­ta-Va­ri­an­te als Grün­de.

Um gleich 17 Punkte auf nunmehr 95,9 ist am Sonntag die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner in Bonn gestiegen. Damit nahm Bonn am Wochenende in NRW bezüglich der Inzidenzwerte einen traurigen Spitzenplatz ein. Am Montag liegt die Inzidenz in der Bundesstadt ebenfalls bei 95,9. Einen höheren Wert hat landesweit nur Mönchengladbach (100), wie aus Zahlen des Robert Koch-Instituts hervorgeht.

Nachzulesen war der Inzidenzwert am Sonntag auf der Webseite des Landeszentrums für Gesundheit (LZG) NRW, nicht jedoch auf der städtischen Webseite. Dort steht bisher lediglich der Wert von Freitag, der bei 72,5 lag. Zu dem Zeitpunkt lagen 18 Personen aus Bonn und der Region mit einer Covid-19-Erkrankung in Bonner Krankenhäusern, davon befanden sich sechs auf einer Intensivstation, vier mussten beamtet werden.

Auf Nachfrage des General-Anzeigers beim städtischen Presseamt, ob die Stadt Bonn Gründe für den erneut sprunghaften Anstieg nennen könne, sagte Stadtsprecherin Barbara Löcherbach: „Der Anstieg der Inzidenz auf am Sonntag 95,9 ist exponentiell. Leider bestätigt sich das, was Wissenschaftler prognostiziert haben. Mit dem Ende der Schulferien und den Rückkehrenden aus den Urlaubs- und den Heimatländern breitet sich die Delta-Variante stark aus. Sie ist wesentlich ansteckender. Wir sind am Beginn der vierten Welle.“ 

Wie berichtet, hat die NRW Landesregierung am Freitag angekündigt, dass nun auch Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II an allgemeinbildenden Schulen sowie dort Beschäftigte ein spezielles Impfangebot erhalten sollen. Diese Impfangebote sollen in den 53 nordrhein-westfälischen Impfzentren durch die Kreise und kreisfreien Städte organisiert werden. Dabei könnten – analog zum Vorgehen bei den Berufskollegs, bei denen jetzt schon geimpft werden soll – in Abstimmung mit den jeweiligen Schulträgern und der Schulleitung auch sogenannte aufsuchende, also mobile Impfangebote an oder in den Schulen geschaffen werden.

Zur GA-Nachfrage,  inwieweit sich die Stadt Bonn auf dieses niederschwellige Impfangebot nun auch für die Schülerinnen und Schüler der Oberstufen vorbereitet hat, sagte Stadtsprecherin Löcherbach: „Bereits in der Vorbereitung sind Impfaktionen an oder in den Berufskollegs.“ Die Möglichkeit, dass es auch Impfaktionen für Schüler der Sekundarstufe II an den allgemeinbildenden Schulen geben könne, habe die Landesregierung erst kurzfristig mit einem Erlass am Freitag ermöglicht. 

Eike Schultz, Schulleiter des Tannenbusch-Gymnasiums, hatte bereits vorigen Donnerstag gegenüber dem General-Anzeiger den Vorschlag gemacht, mobile Impfteams auch an alle Schulen zu schicken. Er selbst wäre bereit, an seiner Schule dafür Räume und Unterrichtszeit bereitzustellen. „Ich begrüße es natürlich sehr, dass die Landesregierung das jetzt auch ermöglicht“, sagte Schultz dem GA am Sonntag. Besser noch wäre es aus seiner Sicht, die Altersspannbreite der Schülerschaft voll auszunutzen und allen ab zwölf Jahren, die wollten und deren Eltern einverstanden seien, ein Impfangebot zu machen.

Bei den Zwölf- bis 15-Jährigen verweist die NRW-Landesregierung nach wie vor unter anderem auf die Impfangebote für diese Altersgruppe in den Impfzentren der Städte und Gemeinden. Für die Zweitimpfung der Kinder sei übrigens keine Anwesenheit eines Kinder- und Jugendarztes mehr erforderlich. Es könne davon ausgegangen werden, dass die umfassende Aufklärung der Kinder beziehungsweise Jugendlichen sowie ihrer Eltern bei der Erstimpfung erfolgt sei, teilt das Land auf seiner Internetseite mit. 

In Berlin sorgt zurzeit ein Brief des Senats an alle Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren für Furore. Darin fordert Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (54, SPD) die Kinder und Jugendlichen quasi unverblümt auf, sich impfen zu lassen. Dieser Brief ist an die Kinder persönlich adressiert worden, wie eine Bonnerin, die jetzt an der Spree lebt und deren ältestes Kind zwölf Jahre alt ist, dem GA bestätigte. Medienberichten zufolge hat Kalayci dieses Schreiben an 180.000 junge Berliner zwischen zwölf und 17 Jahren an deren private Adressen verschickt. Auch deshalb ist sie ins Kreuzfeuer teils heftiger Kritik geraten. Nach Beschwerden von zahlreichen Eltern, zu denen auch die frühere Bonnerin zählt, hat sich den Berliner Medien zufolge Berlins Datenschutzbeauftragter eingeschaltet.

In dem Schreiben werde ihr Sohn regelrecht bedrängt, sich impfen zu lassen, sagt die Mutter, die selbst gegen Corona geimpft ist und wegen der bisher fehlenden Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) ihr Kind noch nicht impfen lassen wolle. So heißt es unter anderem in dem Schreiben, das dem GA vorliegt: „In Deutschland sind die Impfstoffe von Biontech und Moderna auch für Eure Altersgruppe zugelassen.“ Die Mutter bezeichnet das Schreiben der Senatorin als „übergriffig“ und als eine unverhältnismäßige Einmischung in das Elternrecht.