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Corona in Bonn: Stadt plant Impfungen in sozialen Brennpunkten

Veröffentlichung von Inzidenzen für Bezirke : Stadt Bonn plant Impfungen in Brennpunkten

Die Verwaltung kündigt für besonders stark von Infektionen betroffene Stadtteile gezielte Impfaktivitäten an. Auch detaillierte Daten für die einzelnen Viertel wird sie demnächst regelmäßig veröffentlichen.

Überlegungen gab es auch im Stadthaus schon länger, doch zu Wochenbeginn hatte sich die Verwaltung mit Blick auf gezielte Impfkampagnen in sozialen Brennpunkten noch betont zurückhaltend geäußert. Es werde vorerst keine Impfaktionen geben, teilte ein Sprecher am Dienstag mit, Details seien aber „im Laufe des Monats“ zu erwarten. Für manchen überraschend legte sich der Bonner Corona-Krisenstab keine 24 Stunden später fest: auf ein klares Ja zu konzentrierten Impfaktionen in besonders stark betroffenen Vierteln. Auch bei der Datendarstellung will die Stadt detaillierter und transparenter werden. Wann die Pläne in die Tat umgesetzt werden, steht noch nicht fest.

Zum Thema Impfen heißt es in der Stellungnahme der Verwaltung für den am Donnerstag tagenden Hauptausschuss, sie bereite ein „niedrigschwelliges Impfangebot in Gebieten mit überdurchschnittlichen Inzidenzwerten oder aufgrund der räumlichen Situation stark gefährdeten Gebieten“ vor, um dieses „bei Bedarf schnellstmöglich“ umsetzen zu können. Wann der Krisenstab diesen Bedarf als gegeben ansieht, lässt die Verwaltung offen.

Sie verweist indes darauf, dass eine gezielte Impfaktion unabhängig von der noch geltenden Priorisierung einerseits zusätzlichen Impfstoff, andererseits eine Genehmigung zur Umgehung der Impfreihenfolge erfordert. Hierzu, so die Verwaltung, erhoffe sie sich noch landesweite Regelungen. Wie berichtet, hatte die Stadt Köln zu Beginn dieser Woche ein Pilotprojekt gestartet und dafür von der nordrhein-westfälischen Landesregierung nicht nur einen entsprechenden Erlass, sondern auch 1000 zusätzliche Impfdosen erhalten. Mit ihnen werden seit Montag Bewohner sozial schwacher Stadtteile wie Meschenich oder Chorweiler geimpft.

Stadt will Inzidenzen der Bezirke veröffentlichen

Dass die Infektionsraten bei hoher Arbeitslosigkeit, großer Einwohnerdichte und starkem Migrantenanteil besonders hoch sind, hatte sich auch in Bonn gezeigt, als die Stadt auf Nachfrage des General-Anzeigers die Zahlen für die 17 Postleitzahlenbezirke veröffentlicht hatte. Hierbei traten in Gebieten mit großen Wohnblöcken wie Tannenbusch, Buschdorf oder Auerberg doppelt so hohe Infektionsquoten zutage wie etwa in den Vierteln südlich und westlich der Innenstadt.

Nachdem es Kritik am groben Raster der städtischen Datenanalyse gegeben hatte, will die Stadt auch hier nachsteuern: Man arbeite „mit Hochdruck“ daran, Daten kleinräumig zu analysieren. Zeitnah und sukzessive sollen auf der Internetseite der Stadt die Inzidenzzahlen auf der Ebene der 62 statistischen Bezirke Bonns veröffentlicht und regelmäßig aktualisiert werden, heißt es in der Stellungnahme.

Die Seite befinde sich derzeit im Aufbau und werde bereitgestellt, sobald die Datenanalyse abgeschlossen ist. Intensivieren will die Stadt zudem die mehrsprachigen Informationskampagnen zur Erhöhung der Impfbereitschaft. Und: In Gebieten mit hohen Inzidenzwerten sollen Anbietern von Testzentren gezielt Standorte angeboten werden, um gerade dort „regelmäßiges Testen zu etablieren“.

Dörner will bei niedriger Inzidenz Öffnungsschritte möglich machen

Das Ziel ihrer Entscheidungen hat die Verwaltung klar definiert: „Wir erhoffen uns kurzfristig die Eindämmung des Infektionsgeschehens, mittel- und langfristig den Verbleib auf einer niedrigen Inzidenz, um damit Öffnungsschritte möglich zu machen“, sagt Oberbürgermeisterin Katja Dörner (Grüne).

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