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Corona-Inzidenzwert in Bonn an kritischer Grenze

Sorge um steigende Infektionszahlen : Corona-Inzidenzwert in Bonn an kritischer Grenze

In Bonn und der Region steigt die Anzahl der Corona-Infektionen immer weiter an. Überschreiten sie den Inzidenzwert von 50, drohen in einigen Bundesländern Beherbergungsverbote.

Die Stadt Bonn steuert auf den kritischen Wert von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen zu. Am Dienstag, Stand später Nachmittag, lag die kritische Sieben-Tage-Inzidenz nach Angaben der Stadtverwaltung bei 47,27 – am Montag hatte sie noch 41,21 betragen. Ab einem Wert von 50 werden in Bonn – wie zuvor schon in Köln und zahlreichen andere Städten in Deutschland – deutliche Einschränkungen nötig. So gilt etwa in Köln ab diesem Mittwoch für die Gastronomie bis auf Weiteres eine Sperrstunde ab 1.00 Uhr. Für Bonn zeichnet sich nun unter anderem ab, dass das erste offizielle Spiel der Telekom Baskets am Samstagabend ohne Zuschauer stattfinden wird.

Wer sich am frühen Mittwochmorgen über die aktuellen Coronazahlen in Bonn informieren wollte, der stieß auf eine unklare Lage. Die Stadt Bonn vermeldete eine Inzidenz von 43,03. Das Landesamt Gesundheit zeigte derweil in ihrem Dashboard immer noch den Inzidenz-Wert von Dienstag an. Aufgrund eines technischen Fehlers könnten die aktualisierten Zahlen erst im Laufe des Vormittags vermeldet werden. Auch das Dashboard des Robert-Koch-Instituts (RKI) lieferte zunächst keine aktuellen Zahlen.

Im Rhein-Sieg-Kreis stieg die Sieben-Tage-Inzidenz am Dienstag auf 42,1 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Die Stadt Siegburg und Veranstalter sagten angesichts der aktuellen Corona-Situation den mittelalterlichen Weihnachtsmarkt für dieses Jahr ab. Der Kreis Neuwied erreichte am Dienstag die Warnstufe „rot“: Der Krisenstab meldete am Abend einen Sieben-Tage-Inzidenzwert von 52,9.

Wer aus einem Gebiet mit einer Inzidenzzahl von 50 und mehr kommt, der ist unter anderem von einem Beherbergungsverbot in mehreren Bundesländern betroffen. Um dort in einem Hotel oder einer Pension übernachten zu können, muss ein negativer Corona-Test vorgelegt werden, der nicht älter als 48 Stunden ist. Diese Regelung sorgt bei vielen Menschen aus Bonn und der Region für Unsicherheit, Hoteliers und Reisebüros haben bereits jetzt mit geringen Buchungszahlen und Stornierungen in den Herbstferien zu kämpfen. Sie fordern aus diesem Grund bundesweit einheitliche Regelungen.

Der Streit um die Beherbergungsverbote ist auch Thema des Treffens von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten an diesem Mittwoch in Berlin. Regierungschefs wie Manuela Schwesig (SPD) in Mecklenburg-Vorpommern und Markus Söder (CSU) in Bayern verteidigten diese Maßnahme mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen. Diese lagen am Dienstag wieder bundesweit über der Marke von 4000.

Andere Länderchefs zeigten sich kritisch. Unter anderem hatten NRW, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg die Regelung auf Eis gelegt, um die Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz abzuwarten. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte: „Wir brauchen den richtigen Schutz, daher müssen alle den Schwerpunkt auf wirklich wirksame Maßnahmen legen.“ Dazu gehörten klare und konsequente Regeln in den Hotspots, die für alle Bürger verbindlich und nachvollziehbar seien.

Labore am Rande der Überforderung

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) verteidigte die Zuständigkeit der Länder in der augenblicklichen Corona-Lage. „Der Föderalismus bewährt sich. Man kann das Infektionsgeschehen nicht generell über einen Kamm scheren, dafür ist etwa die Lage in einem Dorf im Schwarzwald und Berlin-Mitte zu unterschiedlich“, sagte Schäuble im Interview mit unserer Redaktion.

Unterdessen sehen sich die medizinischen Labore in Deutschland seit dem Beherbergungsverbot mehrerer Länder am Rand einer Überforderung durch Corona-Tests für Urlauber. „Seit dem Ministerpräsidentenbeschluss zum Beherbergungsverbot hat die Inanspruchnahme durch diese Tests in Berlin seit Freitag sprunghaft zugenommen“, sagte der Vorsitzende der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM), Michael Müller, unserer Redaktion. „Dadurch wird bei ohnehin stark ausgelasteten Laborkapazitäten das Testen von Infizierten, Kontaktpersonen und vulnerablen Gruppen noch deutlich erschwert, weil die Testressourcen für die ‚anlasslosen inländischen Urlaubsreisetests‘ verwendet werden“, kritisierte der Verband.