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Corona: Nur wenige Verstöße in Bonn und der Region an Pfingsten

Pfingstwochenende in Bonn und der Region : Hochbetrieb am Rotter See trotz Kontaktverbot

Nach den Lockerungen waren Treffen in kleinen Gruppen an Pfingsten wieder erlaubt. Gegen die neuen Regeln gab es in Bonn und der Region nur wenige Verstöße. Die neuen Regeln machen die Kontrollen für die Ordnungskräfte schwieriger.

Seit dem 30. Mai dürfen sich in Nordrhein-Westfalen Gruppen von höchstens zehn Personen in der Öffentlichkeit treffen. Bei Personen aus zwei verschiedenen Haushalten dürfen es sogar noch mehr sein. Zum langen Wochenende an Pfingsten gab es auch in der Region Begegnungen unter freiem Himmel. Verstöße gegen die aktuellen Regeln bemerkten die Behörden nur wenige. Dabei macht es die neue „Zehnerregel“ den Ordnungskräften auch nicht einfach, die Corona-Regeln zu kontrollieren.

Hochbetrieb am Rotter See

Regen Zulauf verzeichnete am Wochenende der Rotter See, der als beliebtes Ausflugsziel bei Badegästen gilt. „Wenn ich mir das am Rotter See so ansehe, kann ich nur sagen. Nacht zusammen. Wo ist die Behörde? Parken wie die Idioten. Laufen einfach über die Straße. Corona scheint vorbei zu sein“, schreibt Jo auf Facebook. Anwohner berichten von Zuständen wie an einem normalen Sommertag. Abstandsregeln würden überhaupt nicht beachtet, beschreibt eine Anwohnerin von ihrem Balkon aus. Kommentar: „Aber Hauptsache sie hatten schöne Pfingsten, so nach dem Motto: Was kümmern mich andere!“

Der stellvertretende Pressesprecher der Stadt Troisdorf, Peter Sonnet, sagt auf GA-Anfrage hingegen, es seien „keine besonderen Vorkommnisse festgestellt worden“. Am Pfingstmontag sei die Polizei vor Ort gewesen wegen einer Beschwerde über „mehrere zugeparkte Pkw“. Sonnet: „Der Bereich um den Rotter See steht in den Sommermonaten im Fokus der städtischen Überwachungskräfte und wird an den Wochenenden regelmäßig während der Dienstzeiten kontrolliert. Sofern es zu straßenverkehrsrechtlichen Verstößen kommt, werden diese entsprechend geahndet.“

Am Freitag und Samstag sei ein Team von drei Überwachungskräften des Ordnungsamtes im Einsatz gewesen – und am Samstagmittag ebenso zu Kontrollen am Rotter See sowie auf dem Erdbeerfeld Richtung Kriegsdorf, auf dem viel Betrieb gewesen war, weil Kunden selbst ernten durften.

Die Stadt Sankt Augustin appelliere an das Verständnis und die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger, sagte eine Sprecherin der Stadt. Nach wie vor kontrolliere das Ordnungsamt täglich in mehreren Schichten und „im Rahmen der personellen Möglichkeiten“, hieß es. Auch konkreten Hinweise gehe man nach, aber die Stadt beurteile die Situation „relativ entspannt“. „Der überwiegende Teil der Bevölkerung hält sich an die Abstandsregelungen“, so die Beobachtung der Ordnungskräfte. Da seit Samstag ja auch größere Gruppen erlaubt seien, sei das nicht immer zu erkennen, ob diese aus mehreren haushalten stammen. „Das macht auch für uns die Kontrollen nicht leichter.“

Am Freitag und Samstag sei ein Team von drei Überwachungskräften des Ordnungsamtes im Einsatz gewesen – und am Samstagmittag ebenso zu Kontrollen am Rotter See sowie auf dem Erdbeerfeld Richtung Kriegsdorf, auf dem viel Betrieb gewesen war, weil Kunden selbst ernten durften.

Besucheransturm auf dem Drachenfels

Das gute Ausflugswetter am Pfingstwochenende hat auch dem Drachenfels einen Besucheransturm beschert. An den drei Tagen wurden 16 500 Besucher auf dem Berg gezählt. Eine Einhaltung der Coronareglungen auf dem Plateau war unter diesen Umständen nahezu unmöglich. Besonders vor der Bergstation der Drachenfelsbahn, die kurzfristig doch fahren durfte, standen die Leute dicht an dicht. „Die Herausforderung ist durch die Bergbahn nicht geringer geworden“, sagte Gastronom Hermann Nolden. Die Entschleunigung der zurückliegenden Coronazeit sei am Pfingstwochenende auf dem Drachenfels endgültig vorbei gewesen. „Das Plateau war definitiv überlastet. Und bei den Abstandsregeln hatte man den Eindruck, dass alle Besucher zu einer Familie gehören.“

Zu den extremen Besucherzahlen trug auch die kurzfristige Betriebsgenehmigung für die Drachenfelsbahn bei. Am Freitag um 21.40 Uhr kam überraschend die Fahrerlaubnis von der Landesregierung. „Wir hatten uns mit der Bitte um erneute Prüfung direkt an den Ministerpräsidenten gewendet“, sagte Klaus Hacker, Vorstand der Bergbahnen im Siebengebirge GmbH. Die Staatskanzlei sei der Einschätzung seines Unternehmens gefolgt, dass die Bahn nicht – wie zunächst geschehen – als historische Bahn, sondern als Teil des Öffentlichen Personennahverkehrs einzuordnen sei. Mit der Konsequenz, dass pro Fahrzeug bis zu 50 Personen befördert werden dürfen. Sonst wären es nur neun und somit für die Drachenfelsbahn nicht wirtschaftlich gewesen.

„Wir haben an den drei Pfingsttagen 4000 Personen auf den Drachenfels befördert“, sagte Hacker. Die Fahrzeuge seien nur bis zu 60 Prozent beladen worden. Die Fahrgäste müssen dabei, wie beim ÖPNV üblich, Mund- und Nasenschutz tragen, den sie notfalls auch noch in der Talstation erwerben können. Die Abstandsregeln würden allerdings nur in der Talstation, nicht aber an der Mittel- und Bergstation gelten. „Was hinter unserem Ausgang auf dem Plateau passiert, fällt nicht mehr in unsere Zuständigkeit. Das können wir nicht auch noch leisten. Hier sehe ich die Stadt in der Pflicht. Das Ordnungsamt müsste ein Auge darauf haben“, so Hacker.

Das aber übersteigt laut dem Königswinterer Bürgermeister Peter Wirtz die personellen Kapazitäten der Stadt. Er erkennt auch das Problem des fehlenden Abstandsgebot vor der Bergstation. Das Ordnungsamt kontrolliere zurzeit an den Wochenenden zwei- bis dreimal täglich auf dem Drachenfels, könne aber nicht den ganzen Tag vor Ort sein. Am Pfingstwochenende seien keine Verstöße festgestellt worden. Das führt er aber auch auf die veränderten Coronaregelungen zurück.

„Wie will man das am Drachenfels, am Rheinufer oder in der Bonner Fußgängerzone kontrollieren. Das kann keine Verwaltung der Welt leisten“, sagt er. Mit den negativen Konsequenzen aus den Lockerungen müsse die Gesellschaft wohl in Zukunft leben. Er merke auch, dass sich viele Menschen nicht mehr so dezidiert an die Regelungen halten würden. „Ich appelliere da an die Eigenverantwortung der Leute.“

Verstöße auf drei Demonstrationen in Siegburg

Allerdings machte die neue „Zehnerregel“ es den Ordnungskräften nicht einfach, die Coronaregeln zu kontrollieren, heißt es aus den Rathäusern der Region. Wer durch die Innenstädte, am Rhein oder der Sieg entlangläuft, bekommt schnell den Eindruck, dass die Abstände kaum noch eingehalten werden. Kontrollieren die Ordnungsämter noch? „Natürlich kontrolliert das Ordnungsamt weiter, ist in der Innenstadt immer präsent und fährt an die Sieg und an die Talsperre“, sagt Jan Gerull, Pressesprecher der Stadt Siegburg. „Es kontrolliert etwa Abstandsregeln, Abstände der Tische in den Gastronomiebetrieben, dortige Listen zur Kontaktverfolgung. Auf den drei Demonstrationen am Sonntag wurden beispielsweise zwei Verwarnungen wegen Verstößen gegen die Schutzverordnung festgestellt und im Anschluss Anzeigen eingeleitet.“ Er gibt zu, dass die neuen Regeln beim Zusammentreffen von Menschen es seinen Kollegen nicht leichter mache. „Das erklärt wahrscheinlich auch, warum in den Augen vieler die Stadt so voll wie zuvor aussieht.“

21 mal musste die Polizei in Bonn aktiv werden

In Bonn ist die Polizei 21 mal eingeschritten, allerdings mussten die Beamten dabei nicht ein einziges Mal den Block für eine Strafanzeige zücken: „Es gab 21 Maßnahmen, aber keine einzige Strafanzeige wegen Verstoß gegen die Corona-Schutzverordnung“, sagte Polizeipressesprecher Michael Beyer auf GA-Anfrage. Seine Kollegen hätten die Bürger in den Fällen angesprochen und die hätten ihr Fehlverhalten dann auch sofort gestoppt.

In Königswinter haben Mitarbeiter des Ordnungsamtes zwar kontrolliert, aber auch nur einen Verstoß geahndet - eine Gruppe hatte unerlaubt in einem Park gegrillt. Dezernentin Heike Jüngling sagt: „Es war sehr viel los im Siebengebirge und einige Punkte waren auch sehr belebt, aber es gab nur diesen einen Verstoß.“

Unfälle in der Eifel

Die Polizei Adenau hatte es am Pfingstwochenende mit einer ganzen Reihe von Verstößen zu tun - allerdings ging es dabei weniger um die Corona-Schutzregeln, als um den Straßenverkehr. Bei schönem Wetter und Temperaturen um 25 Grad herrschte rund um den Nürburgring erhöhtes Verkehrsaufkommen, heißt es in einer Mitteilung. In der Nordschleife der Rennstrecke verlor ein Brite die Kontrolle über seinen BMW und wurde quer über die Rennstrecke geschleudert. Der 26 Jahre alte Fahrer konnte das Fahrzeug schwer verletzt verlassen.

Seine Beifahrerin wurde von der Feuerwehr befreit und musste mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen werden. Inzwischen ist sie laut der Polizei außer Lebensgefahr. Mehrere Motorräder wurden kontrolliert. 18 Biker durften nicht mehr auf ihrer Maschine heim fahren. Die Polizei stellte fest, dass sie die Fahrzeuge so verändert hatten, dass die Betriebserlaubnis erloschen war. Ein 19-jähriger Kradfahrer wurde in Herscheid leicht verletzt. In Adenau trug ein Radfahrer nach einem Zusammenstoß mit einem Auto nur leichte Verletzungen am Knie davon.