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Corona und Müll: Haushalte in Bonn und der Region produzieren mehr Plastikmüll und Altpapier

Homeoffice und Onlinehandel : Mehr Plastikmüll und Altpapier in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis

Speisen und Getränke aus der Gastronomie gibt es aktuell nur „to go“, oft im Pappbecher oder in der Plastikschale. Zudem boomt der Onlinehandel und viele Menschen arbeiten zuhause. In den Haushalten in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis entsteht deshalb mehr Müll als sonst.

In den Haushalten im Rhein-Sieg-Kreis fällt mehr Müll an, seit die strengeren Corona-Regeln Anfang November in Kraft getreten sind. „Wir haben die Erfahrung ja schon im ersten Lockdown gemacht“, sagt Joachim Schölzel, Pressesprecher der Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft (RSAG). Auch jetzt sei die Menge des Mülls in den Papier- und den Wertstoff-Tonnen erneut gestiegen, sagt Schölzel. Konkrete Zahlen lagen Ende November zwar noch nicht vor, Schölzel schätzt aber einen Anstieg um etwa vier bis fünf Prozent. Anders sieht es beim Restmüll und beim Biomüll aus: Die Menge blieb in etwa unverändert. Auch beim Aufkommen des Sperrmülls habe es im November keinen Anstieg gegeben.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich in Bonn ab. Da Bonnorange bei der Menge des Restmülls nicht zwischen gewerblichen Abfällen, etwa aus der Gastronomie, und Abfällen aus den privaten Haushalten unterscheidet, sei die Menge unter dem Strich auch hier gleich geblieben, berichtet Jérôme Lefèvre, Pressesprecher des Unternehmens. Voller als üblich seien hingegen die öffentlichen Altpapiercontainer, die im Bonner Stadtgebiet zu finden sind. Die Tendenz lasse sich schon seit dem Frühjahr beobachten, sagt Lefèvre. Ein zunehmendes Problem sind zudem überfüllte Papierkörbe in der Bonner Innenstadt. Seit Mitte November werden die rund 100 Papierkörbe daher nicht mehr viermal, sondern sogar fünfmal am Tag geleert. Besonders viel Sperrmüll sei im November in Bonn laut Bonnorange zwar nicht angefallen, dafür habe es aber einige deutliche Spitzen im Frühjahr gegeben. Auf das ganze Jahr gerechnet könnte sich die Menge wieder ausgleichen, schätzt Lefèvre.

Remondis verzeichnet deutlich mehr Altglas

Bei der gelben Tonne zeichnet sich für Bonn und den rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis eine klare Tendenz ab: Während im gewerblichen Bereich weniger Verpackungsmüll anfalle, habe die Menge weggeworfener Verpackungen in den privaten Haushalten zugenommen, heißt es von Remondis. Für die Monate Januar bis Oktober zog das Unternehmen bereits einen Jahresvergleich: Demnach ist die Menge an Verpackungsmüll in der gelben Tonne und dem gelben Sack von 2019 auf 2020 um 2,5 Prozent gestiegen. Beim Altglas verzeichnet das Unternehmen sogar eine Steigerung von 8,7 Prozent. Nicolas Müller, Geschäftsführer von Remondis in Bonn, sieht eine Ursache darin, dass viele Menschen nicht in den Urlaub gefahren sind und viel Zeit zu Hause verbracht haben.

Ein Grund für die steigende Menge an Altpapier dürfte aber auch der Onlinehandel sein. Schon fünf Wochen vor Jahresende hat die Deutsche Post DHL mehr Pakete innerhalb eines Jahres zugestellt als je zuvor. In Deutschland wurden 2020 bislang 1,6 Milliarden Pakete transportiert. Aber auch die geschlossenen Restaurants und Kantinen und die Arbeit im Homeoffice dürften dazu beitragen, dass in den Haushalten mehr Verpackungsmüll durch verpackte Lebensmittel anfällt.

2018 erreichte die Müll-Menge in Deutschland erneut ein Rekordhoch: 18,9 Millionen Tonnen fielen an, rechnerisch 227,5 Kilogramm pro Kopf. Etwa die Hälfte davon geht auf das Konto der Verbraucher. Als einen Grund nennt das Umweltbundesamt den Trend, Essen und Getränke unterwegs zu konsumieren. Die Bundesregierung will der Menge an Plastikmüll entgegenwirken. Wer Speisen und Getränke „to go“ in Einwegverpackungen aus Plastik anbietet, für den soll es ab 2022 Pflicht werden, ohne Aufpreis eine Mehrweg-Verpackung anzubieten.