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Coronavirus: Bonn stockt im Impfzentrum auf und öffnet Geschäfte

Lockerung der Corona-Regeln : Bonn stockt im Impfzentrum auf und öffnet Geschäfte

Die Stadt Bonn stockt im Impfzentrum auf und immunisiert ab Montag ihr Schul- und Kitapersonal. Der Einzelhandel bereitet sich auf Click-and-meet vor. Bei Lockerungen will OB Dörner keinen kommunalen Alleingang.

Welche Corona-Regeln gelten, damit haben nicht nur die Bürger Probleme. Auch Bonns Oberbürgermeisterin Katja Dörner kann die Verwirrung verstehen. „Es ist nicht unmittelbar so einfach zu durchschauen, was nun wann bei welchem Inzidenzwert gelockert werden darf“, sagte sie am Donnerstag bei einer Pressekonferenz.

Bislang warte der städtische Krisenstab noch auf Anweisungen seitens des Landes für einige wichtige Punkte – auf viele Fragen könne man noch keine Antworten geben. Beim Thema Impfen gibt es in der Bundesstadt jedoch Fortschritte, das Impfzentrum wird stetig aufgestockt. Ab nächster Woche beginnt die Immunisierung von Erziehern und Lehrern. Alle Pflegeeinrichtungen schließen diese Woche die Zweitimpfungen ab. Der Einzelhandel rüstet sich mit einer Online-Terminvereinbarung dafür, ab nächster Woche wieder Kunden in die Geschäfte zu lassen.

„Wir sind froh, dass erste Lockerungen bevorstehen. Aber es gibt für mich keinerlei Anlass zur Euphorie“, so Dörner. Die Zahl der Verstorbenen sei aus ihrer Sicht zu hoch, um von einer Entspannung zu sprechen. Auch die Mutationen bereiten ihr Sorgen: In Bonn gibt es derzeit 201 Fälle mit der britischen Variante, zwei mit der brasilianischen. Seit dem ersten Auftauchen nehmen sie kontinuierlich zu, mittlerweile liegt ihr Anteil bei knapp 27 Prozent.

Bei Schwellenwerten ist der Trend entscheidend

Wichtigstes Merkmal für Lockerungen ist die Sieben-Tage-Inzidenz. Weil es meist drei unterschiedliche Werte gibt – von Stadt, Robert Koch-Institut und dem Landeszentrum für Gesundheit – hat das Land vorgegeben, sich an Letzterem zu orientieren. Wozu es aber noch keine Aussage gibt, ist, welcher geografische Wert zählt: der landesweite oder der der Kommunen. Welchen Unterschied das ausmachen kann, zeigt sich schon jetzt in Bonn.

Dort liegt die Inzidenz bei 46,7 und damit unter dem wichtigen Schwellenwert von 50, NRW-weit mit 62,8 deutlich darüber. „Wir haben noch keine genaueren Informationen des Landes dazu“, sagte Dörner. Sie will jedoch keinen kommunalen Alleingang. „Wenn wir als Stadt unter 50 liegen, der Rhein-Sieg-Kreis aber über 50, dann kann es nicht unser Interesse sein, Einzelregeln zu haben.“

Wie Gesundheitsamts-Chefin Susanne Engels erläuterte, sei bei Schwellenwerten der Trend entscheidend. „Wir achten darauf, von wo wir kommen und wohin wir uns bewegen“, erklärte sie. Derzeit bewege sich Bonn Richtung 45, wodurch weitere Lockerungen denkbar wären. „Diese Situation kann sich bei einem Ausbruch aber ganz schnell wieder ändern.“

Krisenstabsleiter Wolfgang Fuchs gab zu Bedenken, dass die Inzidenz in den kommenden Wochen steigen könnte, weil deutlich mehr getestet werde. „Die Wahrscheinlichkeit, mehr Infektionen zu entdecken, ist dadurch ziemlich hoch.“ Das Ändern der Grenzwerte sei für ihn ein Anzeichen dafür, dass man sich von der Inzidenz als alleinigen Parameter für Corona-Regeln wegbewege.

Erzieher und Lehrer werden ab Montag geimpft

Beim Impfen wartet der Krisenstab auf einen neuen Erlass des Landes, der das Impfangebot in Hausarztpraxen regeln soll. Derzeit baut die Stadt ihre Kapazitäten im WCCB kontinuierlich aus. Zu den derzeit sechs Impfstraßen kommen zwei, die in Reserve sind. Zwei weitere sollen bald folgen, sodass rund 1000 Menschen pro Tag immunisiert werden können. „Falls noch mehr Bedarf besteht, haben wir Pläne für 14 Impfstraßen ausgearbeitet“, erklärte Feuerwehrsprecher Frank Frenser.

Bisher hätten seitens der Stadt alle Termine abgearbeitet werden können, die Bürger würden sie zuverlässig wahrnehmen – auch beim Vakzin von AstraZeneca, was in anderen Städten für Absagen gesorgt hatte. In Bonn soll es diesen Monat 5000 Impfungen mit Präparaten von AstraZeneca und 2000 von Biontech/Pfizer geben, die nächste Zuweisung wird in der nächsten Woche erwartet. Damit gehen ab Montag auch die ersten großflächigen Impfungen von 7000 Erziehern und Lehrern einher. „Wir erstellen gerade eine Informationen, die wir bis morgen früh an die Beschäftigten verschicken“, sagte Frenser. Demnach werde die Stadt ein Buchungsportal schalten. „Am besten ist es, wenn Termine so früh wie möglich gebucht werden. Das macht es für uns einfacher, zu planen.“

Auf Online-Termine setzt auch der Bonner Einzelhandel. „Wir wollen bis zum Wochenende ein Portal freischalten, über das Kunden Termine für Click-and-meet vereinbaren können“, sagt Jannis Vassiliou, Chef des Einzelhandelsverbandes Bonn/Rhein-Sieg/Euskirchen.

Geschäftsleute müssten dann einen QR-Code in das Schaufenster hängen, den Kunden mit dem Handy scannen können. „Das werden wir nicht nur unseren Mitgliedern, sondern allen Unternehmern anbieten, weil wir helfen wollen. Der Handel liegt nach dieser langen Zeit am Boden.“ Vassiliou rät zudem, auch Terminvereinbarungen klassisch per Telefon, E-Mail oder Messenger anzubieten. Er geht trotz der niedrigen Inzidenz nicht davon aus, dass die Geschäfte ab Montag regulär öffnen dürfen.

Stadtordnungsdienst schreibt 4380 Anzeigen

Die Einhaltung der Corona-Schutzverordnung wird der Stadtordnungsdienst überprüfen. „Gegebenenfalls wird der Stadtordnungsdienst – in Abstimmung mit den Fachämtern – auch Schwerpunktkontrollen im Bereich des Einzelhandels durchführen“, so Stadtstprecherin Monika Hörig. Bislang hätte man nur vereinzelt einschreiten müssen, beispielsweise wegen fehlender Markierungen, Desinfektionsmöglichkeiten oder der Überschreitung der zulässigen Personenzahl. Auf den Bonner Sportanlagen hingegen habe man in den vergangenen Tagen vermehrt Meldungen über Verstöße erhalten.

„Aufgrund der Vielzahl an Meldungen und der großen Anzahl an Sportanlagen reagieren wir in solchen Fällen situativ. Zumeist flüchten die gemeldeten Personen bei Eintreffen der Einsatzkräfte, sodass es wegen der Weitläufigkeit und Zugänglichkeit der Anlagen schwierig wird, Personalien festzustellen“, so Hörig. Präventive Maßnahmen seien kaum möglich. Insgesamt schrieb der Ordnungsdienst in der vergangenen Woche 136 Anzeigen. Die Bußgeldstelle hat inzwischen 4380 Anzeigen vorliegen und 2880 Bußgeldbescheide erlassen.