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Coronavirus in Bonn: Schulen schließen - Pläne für Kitas - Inzidenzwert steigt

Stadt verschärft Corona-Maßnahmen : Land lehnt Antrag zur Notbetreuung in Bonner Kitas ab

Zur Bekämpfung der Corona-Pandemie müssen Geschäfte in Bonn wieder schließen. Auch der Betrieb in Schulen und Kitas soll deutlich eingeschränkt werden. Das Land NRW lehnt eine Notbetreuung jedoch ab.

Der städtische Krisenstab hat am Freitag mit Blick auf die hohe Inzidenz in der Bundesstadt schärfere Corona-Maßnahmen angekündigt. So sollen alle Schulen und Kitas wieder schließen und es nur noch Notbetreuung geben. Auch Einkaufen mit Negativ-Test soll wieder wegfallen. Eine Ausgangssperre ist dagegen derzeit nicht geplant. Sie bringe zu wenig, ist der Krisenstab überzeugt.

„Wir werden beim Land beantragen, die Schulen und Kitas zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu schließen“, teilte Oberbürgermeisterin Katja Dörner (Grüne) mit. Nur, wenn beide Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiteten, soll das Kind in die Notbetreuung gehen dürfen. Das aber wird die Landesregierung nicht genehmigen. Familienminister Joachim Stamp (FDP) erklärte am Freitag auf Nachfrage, dass sein Ministerium Alleingänge der Kommunen ablehne und solchen Anträgen nicht stattgeben werde. Er wolle nach wie vor am eingeschränkten Regelbetrieb in den Kitas festhalten, da die Notbetreuung, wie sie im Frühjahr 2020 galt, zu Neiddiskussionen unter den Eltern führe.

Beim eingeschränkten Regelbetrieb werden die Kinder zehn Stunden weniger als mit den Eltern vertraglich vereinbart und nur in festen Gruppen betreut. „Wenn Kommunen im Rahmen der Allgemeinverfügung aber an die Eltern appellieren wollen, die Kinder zu Hause zu lassen, werden wir den Städten mit erhöhten Infektionsgeschehen wie derzeit in Bonn dies auch ermöglichen“, sagte Stamp.

In einer offiziellen Pressemitteilung des NRW-Familienministeriums von Freitag heißt es dazu außerdem: Die Landesregierung werde keine Unruhe in die aktuelle Diskussion um weitere Schutzmaßnahmen bringen. „Wir warten auf die Verabschiedung des Bundesinfektionsschutzgesetzes in der kommenden Woche. Einer vorherigen Schließung von Kitas bei einer Inzidenz über 200 stimmen wir daher nicht zu.“ Einer sogenannten Pandemieregelung, die wie bis Februar den dringenden  Appell an die Eltern beinhaltet, bei Möglichkeit die Kinder zu Hause zu betreuen, stehe dagegen nichts im Wege.

Große Herausforderung für die Kitaleitungen

Melanie Rübmann-Rebo von der Evangelischen Gesellschaft für Kind, Jugend und Familie (KJF), die 27 Kitas und sechs Tagespflegestellen betreibt, spricht von einer großen Herausforderung der Kitaleitungen, wenn wieder Notbetreuung angesagt sei. „Wir haben beim letzten Mal in den Kitas jeweils eine Kraft abgestellt, die sich täglich mit den Anträgen der Eltern auseinandersetzen musste.“ Auch sieht sie die Notbetreuung für die Kinder als problematisch an, da sie wieder aus ihrem Kita-Alltag herausgerissen würden.

Auch an den Schulen stellt man sich bereits auf weitere Einschränkungen ein. Rolf Haßelkus, Lehrer an der Realschule Hardtberg und Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Bonn, sagte: „Ich kann über das ganze Hin und Her nur den Kopf schütteln“, sagte er. Die GEW plädiere nach wie vor für eine feste Regelung: So solle bei einer Inzidenz bis 50 Präsenzunterricht, bei 50 bis 100 Wechselunterricht und bei über 100 das Distanzlernen angeboten werden. Dass nun als Vorschlag auf dem Tisch liege, erst ab einer Inzidenz von 200 zum Homeschooling zurückzukehren, sei unverhältnismäßig im Vergleich zur geplanten Ausgangssperre, die bereits ab einem Wert von 100 verhängt werden solle. „Da vermisse ich jede Logik“, sagt Haßelkus.

 Eike Schultz und sein Kollegium haben sich innerlich bereits darauf eingestellt, dass nächste Woche wohl wieder Distanzlernen auf dem Stundenplan steht. „Da muss man sich nur die Inzidenzwerte anschauen.“ Wichtig ist dem Direktor des Tannenbusch-Gymnasiums und Sprecher der Gymnasialleitungen in Bonn, dass die Abschlussklassen weiter in Präsenz unterrichtet werden und ihre Abschlussprüfungen in den kommenden Tagen absolvieren können.

 Neuinfizierte und Sieben-Tages-Inzidenz in Bonn.
Neuinfizierte und Sieben-Tages-Inzidenz in Bonn. Foto: ga

Im Einzelhandel sollen ab Montag wieder alle Geschäfte geschlossen bleiben, die über den täglichen Bedarf hinausgehen. Abholung bestellter Ware im Rahmen von Click&Collect soll aber weiter möglich sein. Die Stadt spricht weiterhin von einem „diffusen Infektionsgeschehen“. Worauf der erneut starke Anstieg am Freitag zurückzuführen ist, konnte Stadtsprecherin Monika Hörig auf Anfrage nicht sagen. Gesundheitsamtsleiterin Susanne Engels erklärte: „Wir haben kleinere Ausbrüche, aber noch nicht einmal im zweistelligen Bereich.“

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