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Coronavirus in Bonn: Sieben neue Verdachtsfälle auf Infizierung

Symptome werden abgewartet : Verdacht auf sieben neue Fälle von Coronavirus in Bonn

Trotz negativer Testergebnisse müssen Kinder und Pädagogen der Clemens-August-Schule in Quarantäne bleiben. Am Montag meldete die Stadt Bonn außerdem sieben neue Verdachtsfälle.

Alle Coronavirus-Tests an der Poppeldorfer Clemens-August-Schule sind negativ. Das teilte die Stadt Bonn am Montagabend mit. Insgesamt waren 219 Abstriche, die bei Schülern, Lehrern sowie OGS-Betreuern genommen worden. Allerdings gibt es inzwischen sieben weitere Verdachtsfälle in Bonn, die Erkältungssymptome haben und aus Risikogebieten kommen oder die Kontakte zu einem bestätigten Fall gehabt haben, so die Stadt. Diese Fälle würden derzeit überprüft.

 Im Zusammenhang mit der Poppelsdorfer Schule korrigierte die Stadt damit die Zahl der Betroffenen von 223 auf 219. Vier Personen hätten nicht getestet werden müssen, da sie an Aschermittwoch nicht in der Schule waren, als der mit dem Virus infizierte Student in der Hausaufgabenbetreuung arbeitete.

Von diesen insgesamt 219 Personen stehen Stadtsprecherin Monika Hörig zufolge 176 Kinder und Mitarbeiter der OGS allerdings 14 Tage unter Quarantäne, da sie direkte Kontaktpersonen des Studenten waren. „Sollte eine Person in dieser Zeit Symptome aufweisen, wird sie erneut getestet“, sagte Hörig.

Im Gegensatz zu Äußerungen seitens des Universitätsklinikums habe der Student mittlerweile gegenüber dem städtischen Gesundheitsamt versichert, er habe zu jedem Zeitpunkt und bei jedem Gespräch mit dem medizinischen Personal der Klinik auf seinen Aufenthalt in Heinsberg an Karneval hingewiesen, so Hörig. In Heinsberg waren an Karneval die positive Coronafälle aufgetreten, rund 1000 Kontaktpersonen hatten sich in Quarantäne begeben.

Wie berichtet, war der junge Mann dann am Donnerstag nach Aschermittwoch aufgrund von grippeähnlichen Beschwerden in die Uniklinik gefahren, um sich auf das Virus testen zu lassen. Dort habe man ihm den Test lediglich gegen Zahlung von 130 Euro angeboten. Der Student war unverrichteter Dinge wieder gegangen, freitags hatte er dann doch entschieden, sich testen zu lassen. Die Uniklinik hatte dagegen erklärt, laut Protokoll habe der Student am Donnerstag nicht erwähnt, dass er sich im Kreis Heinsberg aufgehalten habe.

Kontaktpersonen von Kölnerin in Quarantäne geschickt

Zum Fall einer positiv auf SARS- CoV-2 getesteten Kölnerin, die in Endenich in einem Büro arbeitet, hat die Stadt in Abstimmung mit dem Bonner Uniklinik-Virologen Hendrik Streeck entschieden, die bisher bekannten 16 Bonner Kontaktpersonen vorerst nur in häusliche Quarantäne zu schicken und sie erst zu testen, wenn Symptome auftauchen, so Hörig. „Wir sind bei der Schule auf Nummer sicher gegangen und haben umfänglich und über die Notwendigkeiten hinaus getestet. Jetzt wollen wir zum empfohlenen Verfahren zurückkehren, zumal inzwischen auch die Testkapazitäten knapp werden und wir sie sinnvoll einsetzen wollen“, sagte Wolfgang Fuchs, Leiter des städtischen Krisenstabs.

Damit sich das Virus nicht in den Bonner Krankenhäusern ausbreitet, rüsten die Mediziner auf. So werden im Johanniter- und Waldkrankenhaus inzwischen Patienten mit Atemwegserkrankungen bereits an der Pforte überprüft und gegebenenfalls in separate Wartebereiche geführt. Das diene einer ersten Risikobewertung, erklärte am Montag Intensivmedizinerin Anja Wallau.

Symposium der Pathologen in Bonn abgesagt

Auch die Mediziner selbst werden durch das neue Coronavirus beeinträchtigt. Die internationale Akademie für Pathologie, die ihren Sitz in Bonn hat, hat ihr Symposium am kommenden Wochenende abgesagt. „Dort kommen 600 bis 700 Pathologen in der Uni zusammen, was ungefähr ein Drittel der Pathologen ist, die in Deutschland aktiv am Mikroskop arbeiten“, sagt der designierte Präsident Erhard Bierhoff. Seit 1972 kommen die Fachärzte zu der Tagung in Bonn zusammen, nun fällt sie erstmals aus. Auch für andere Veranstaltungen in Bonn hat das Coronavirus Konsequenzen.

„Das Risiko, dass sich jemand mit SARS-CoV-2 ansteckt, ist einfach zu hoch. Die Konsequenzen könnten die Versorgung im ganzen Land stilllegen.“ Würde sich nachher herausstellen, dass es einen Corona-Fall auf dem Bonner Symposium gab, müssten alle Gäste in Quarantäne. „Es gibt nicht viele Pathologen, sie haben aber eine zentrale Funktion“, erklärt Bierhoff. Die Konferenz wird nun auf das nächste Jahr verschoben.

Bei der Bonner Feuerwehr geht man derzeit nicht davon aus, dass ein Corona-Fall einen Großteil der Belegschaft außer Gefecht setzen wird so wie zuletzt bei der Berufsfeuerwehr Köln. „Wir bereiten uns trotzdem auf solche Ereignisse vor“, sagt Feuerwehrsprecher Martin Haselbauer. Beispielsweise werde vermieden, dass man sich mit vielen Leuten in engen Räumen aufhält. „Zudem dokumentieren wir, wer mit wem auf welchem Fahrzeug im Einsatz war.“ Dadurch könne man schnell nachvollziehen, wer zum Kontaktkreis gehöre.

Selbst wenn viele Berufsfeuerwehrleute und Rettungssanitäter längere Zeit nicht einsatzfähig sind, gibt es noch eine weitere Reserve: Die Freiwilligen Feuerwehrleute können dann die Wachen besetzen, was zum Beispiel auch bei großen Einsatzlagen passiert.