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Coronavirus in Bonn: Wie ein Schüler die Quarantäne erlebt hat

Zwei Wochen zu Hause : Wie ein Bonner Schüler die Quarantäne erlebt hat

Für den neunjährigen Leo von der Clemens-August-Schule sind zwei Wochen zu Hause vorbei. Er stand wegen Corona unter Quarantäne. Jetzt darf er wieder raus und Fußballspielen.

Für den neunjährigen Leonard Stahl waren es zwei harte Wochen. „Es war langweilig“, sagt er. Er geht in die vierte Klasse der Clemens-August-Schule, die wegen eines am Coronavirus erkrankten 22-jährigen Betreuers zwei Wochen lang geschlossen war. Alle Lehrer und Kinder, damit auch Leo, kamen in Quarantäne. Sie wurden in den ersten Tagen auf das Virus getestet und durften das Haus nicht verlassen. Diese Zeit war am Donnerstag nun vorbei: Endlich darf der Junge wieder draußen Fußballspielen. Schon am Nachmittag ging es wieder zum Vereinstraining in Friesdorf.

Die Familie stand die ganze Zeit über in Kontakt mit dem Gesundheitsamt der Stadt. „Jeden Tag wirst du angerufen und musst Fieber messen“, sagt Mutter Christina. Denn auch wenn der Test am ersten Tag der Quarantäne negativ war, hätte das Fieber bei Leo noch ausbrechen können. Tat es aber nicht. „Uns geht es richtig super. Wir können behaupten, wir haben kein Corona“, meint Stahl. Und das gelte auch für die anderen Kinder in der Klasse, wie sie aus ihrem Umfeld weiß.

In den ganzen Tagen musste sie ihren Sohn irgendwie bei Laune halten. „Ich habe Fußball im Keller gespielt, mit den Hunden, ´Mensch ärgere dich nicht´, gelesen und gelernt“, sagt Leo. Zum Glück hatte er sein Telefon, um wenigstens so Kontakt zu seinen Freunden zu haben. Videochat hin oder her: Das sei nicht so wirklich ein Ersatz zum Verabreden gewesen. „Ich wäre lieber in die Schule gegangen“, sagt Leo.

Eine der Regeln für die Quarantäne sei nicht einzuhalten gewesen: „Wir sollten zwei Meter auf Distanz gehen“, sagt Stahl. „Das funktioniert aber nicht.“ Tücken des Alltags waren da etwa das Haarewaschen, das gemeinsame Lesen üben und Essen. Leo hatte in einer Nacht auch mal einen Alptraum „und stand dann im Schlafzimmer“, wollte getröstet werden. Wie andere Kinder in seinem Alter schmust er gern, „braucht viel körperliche Wärme und Nähe“, sagt Stahl. Das wollte sie ihm nicht verwehren – Corona hin oder her. „Irgendwann fällt Dir nichts mehr ein“, sagt seine Mutter zum Beschäftigungsprogramm. Sir durfte in den zwei Wochen übrigens vor die Tür und ging auch zur Arbeit. Ihr Mann, die Schwägerin und Oma haben sich abgewechselt, damit Leo nicht zu oft alleine zu Hause blieb – obwohl der es auch genoss, wenn mal keiner da war. Stahl meint, dass sie es im Vergleich zu einer alleinerziehenden Mutter noch leicht gehabt habe. Auch in Familien, wo beide Elternteile arbeiten, sei es sicherlich schwer, wenn die Kinder nicht raus dürfen. So freut sich Stahl darauf, Leo nicht mehr ständig um sich herum und wieder mehr Zeit für sich selbst zu haben. Was das Virus angeht, bleibt sie vorsichtig: Einen Geburtstag bei Freunden hat die Familie vorsichtshalber abgesagt.

Vor zwei Wochen: Leo Stahl, Schüler der Bonner Clemens-August-Schule, lässt sich auf das Coronavirus testen. Foto: privat

Das Presseamt der Stadt bestätigte am Donnerstag, dass die Clemens-August-Schule am Montag wieder öffnen wird. 229 Abstriche von Schülern, Lehrern und Betreuern seien negativ ausgefallen. „Das gesamte Gebäude hat ein staatlich geprüfter Desinfektor gereinigt“, so die Verwaltung.

Sollte an einer Bonner Schule wieder ein Coronafall auftreten, lasse sich nicht pauschal sagen, ob wieder eine zweiwöchige Quarantäne angeordnet wird“, so Vizestadtsprecher Marc Hoffmann. Es werde dann im Einzelfall entschieden.