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Zur Nachahmung empfohlen: Dankeschön an Bonner Bauarbeiter

Zur Nachahmung empfohlen : Dankeschön an Bonner Bauarbeiter

Anwohner der Lessing- und Schumannstraße danken Kanalarbeitern für ihren Einsatz. Eine besondere Geste.

„Man soll nicht immer alles als selbstverständlich erachten“, mahnte Wolfgang Hages. Der Bewohner der Lessingstraße meinte damit das Verhalten der Arbeiter, die seit August für Kanalarbeiten seine Straße aufgerissen und wieder zusammengeflickt haben. Weil sie sich dabei als sehr freundlich und gesprächsbereit zeigten, kamen die Anwohner auf die Idee, ein wenig Geld für sie zu sammeln. Stolze 400 Euro kamen letztlich durch die anonymen Spenden zusammen, die Hages am Donnerstag überreichte.

Eine sehr ungewöhnliche Geste. „Rummeckern haben wir schon oft erlebt“, sagte Polier Marcel Papatrifon von der Mehlemer Firma Wekan Kanalbau. „Das Schlimmste sind immer die Parkplätze.“ Aber ein solches Dankeschön war für ihn und seine Kollegen Gürkan Cam und Alexander Zadow neu. Im Gegenteil: Hatten Mitarbeiter von Wekan 2016 den Unmut der Anwohner der Plittersdorfer Turmstraße zu spüren bekommen (der GA berichtete): Lärm, Verzögerungen, blockierte Parkflächen. Zu Verzögerungen kam es in der Lessingstraße nicht, und was die anderen Dinge anbelangte, erlebten die Anwohner die Arbeiter als sehr kooperativ.

Zum Beispiel funktionierten die Absprachen in Sachen Parkraum so gut, dass den Anwohnern zufolge ein „totaler Parkstopp“ verhindert werden konnte. „Und sie haben die Baustelle immer sauber hinterlassen“, meinte Otto Burchardi, der die Idee zu der Dankeschön-Aktion hatte. Hinzu kam, dass auch dank günstiger Witterung die Arbeiten zügig erledigt werden konnten.

Nach der ersten Phase zwischen Bonner Talweg und Schumannstraße wird jetzt der Kanal bis zur Bahnschranke erneuert. Die Pflastersteine, die dafür entfernt werden müssen, kommen anschließend wieder auf die Straße. Bis Weihnachten werde man damit fertig sein, sagte Papatrifon.

Einschränkungen bleiben bei solchen Maßnahmen in engen Wohngebieten eben nicht aus. „Die Parkmöglichkeiten sind hier generell schlimm“, sagte Zadow. Er habe neulich auch mal ein Knöllchen bekommen. Für ihn ist es keine Frage, dass man freundlich bleibt. Ein Geben und Nehmen: Wenn er eine Baustelle zu Hause vor der Tür habe, würde er sich auch wünschen, dass die Arbeiter mit sich reden lassen.

Das ist ja nicht immer so, dass beide Seiten einander mit Respekt behandeln: Unfreundliche Bauarbeiter findet man genauso wie unzufriedene Anwohner. Und wenn Maßnahmen sich über Jahre hinziehen, wie es beim Umbau der Römerstraße der Fall war oder auch bei den Arbeiten in der Endenicher Allee, die aller Voraussicht nach am Wochenende abgeschlossen sind, dann ist der Unmut wohl verständlich. Umso wichtiger war es den Bewohnern der Lessingstraße, ihr Lob nicht nur mit Worten auszurücken. Hages und Burchardi hatten Flyer in den Häusern verteilt und viel Resonanz erfahren. Er wolle diese Geste als Anregung für andere verstanden wissen. „Das ist zur Nachahmung geeignet und empfohlen.“

Gelegenheit gibt es dafür genug: Laut Stadt werden jährlich rund 2000 Baustellen in Bonn eröffnet. Und aktuell findet man auf der Homepage der Stadt Bonn 52 aktive oder in den nächsten 30 Tagen geplante Bauarbeiten.