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Schluss nach 15 Jahren: Darum schließt die Bahnhofsmission in Bonn

Schluss nach 15 Jahren : Darum schließt die Bahnhofsmission in Bonn

Immer weniger Menschen suchen Hilfe an Gleis 1. Auch die Dauerbaustelle am Hauptbahnhof ist ein Problem. Das Engagement der Ehrenamtlichen wollen die Träger weiter fördern.

Die Bahnhofsmission an Gleis 1 des Bonner Hauptbahnhofs schließt zum Jahreswechsel. Warum, haben Caritas und Diakonie als Träger der Einrichtung am Dienstag erläutert. „Das ist eine Konsequenz, die dem aktuellen Bedarf entspricht und auch unseren Räumen geschuldet ist“, sagte Jean-Pierre Schneider von der Caritas. Die Zahl der Menschen, die die Ehrenamtlichen ansprechen, habe sich in den vergangenen fünf Jahren halbiert.

1899 wurde die Bahnhofsmission in Bonn gegründet. Seit 15 Jahren gibt es sie in ihrer derzeitigen Form am Bonner Hauptbahnhof – mit nur einer Unterbrechung, die damals heilsam war. Als Diakonie und Caritas merkten, dass das Angebot nicht gut angenommen wird, schlossen sie die Räume 2007. Um dann wenige Monate später mit einem neuen Konzept und einem hauptamtlichen Leiter wieder zu starten. „Das funktionierte gut“, sagte Ulrich Hamacher von der Diakonie. 2014 zählte man mehr als 6700 Kontakte – vier Jahre später waren es nur noch knapp 3000.

Warum das so ist, wissen die Verantwortlichen selbst nicht so genau. „Es sind wahrscheinlich viele Faktoren“, sagte Hamacher. Dazu zähle in erster Linie das gescheiterte „Haus der Sicherheit“, in das Stadt und Bundespolizei am Bahnhof einziehen wollten. Für die Bahnhofsmission hätte es dann neue, besser ausgestattete und prominentere Räume gegeben. „Stattdessen warten wir schon neun Jahre auf andere Räumlichkeiten“, berichtete Missionsleiter Gregor Bünnagel. Verschärft werde die Situation durch die Dauerbaustelle an Gleis – wer die Bahnhofsmission nicht kennt, muss sie erst einmal suchen, weil Bauzäune und Gerüste den Blick versperren.

Auch der Verkehr hat sich nach Ansicht von Caritas und Diakonie verändert. „Bonn wird mehr und mehr zu einem Regional- und Pendlerbahnhof“, sagte Schneider. Dementsprechend würden weniger Fernreisende um Hilfe oder einen Kaffee bitten. Für sie sei die „Marke Bahnhofsmission“, die es bundesweit gibt, oft die erste Anlaufstelle gewesen. Zudem habe sich das Bahnhofsumfeld verändert und biete viele niederschwellige Hilfen wie in der City-Station oder dem Verein für Gefährdetenhilfe (VfG) – dorthin kämen immer mehr Menschen. „In anderen Bahnhofsmission gibt es so etwas unter einem Dach“, erklärt Schneider.

Die Deutsche Bahn hat die Räume stets kostenlos zur Verfügung gestellt, die Kosten von etwa 40.000 Euro pro Jahre teilten sich die Träger. Etwa 35 Ehrenamtliche besetzen die Schichten zwischen 11 und 17 Uhr, manchmal auch früher oder später. „Sie wollen sich auch weiterhin engagieren, diese Kraft wollen wir nicht stoppen“, sagte Schneider. Die Hoffnung, dass es in irgendeiner Form mit der Bahnhofsmission weitergehen könnte, habe man noch nicht verloren.

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