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Kulturszene in Bonn: Das Beethoven-Haus bekommt mehr Geld

Kulturszene in Bonn : Das Beethoven-Haus bekommt mehr Geld

Die Bonner Ratskoalition gibt dem Beethoven-Haus eine Zuschusserhöhung für die nächsten beiden Jahre. Die Stadtverwaltung will ihren Sparvorschlag beim Beethovenfest zurücknehmen.

Malte Boecker kann aufatmen. Der Direktor des Beethoven-Hauses darf damit rechnen, dass die Stadt ihren Zuschuss in den nächsten beiden Jahren um je 59.500 Euro auf 365.000 Euro und ab 2021 um weitere 25.000 Euro im Jahr erhöht. Das hat die Ratskoalition am Donnerstagabend in einem Änderungsantrag mit ihrer Mehrheit im Kulturausschuss durchgesetzt.

Mit dem Antrag korrigieren CDU, Grüne und FDP den Haushaltsentwurf von Kämmerin Margarete Heidler, der keine Erhöhung vorsah. Die aber ist Bedingung dafür, dass Bund und Land wie vereinbart ihre Zuschüsse für das Beethoven-Haus aufstocken. Boecker begründet den Mehrbedarf mit der Erweiterung des Museums.

Auch der große Aufreger in der Bonner Kulturszene, die geplante Zuschusskürzung beim Beethovenfest, ist so gut wie vom Tisch. Heidler hatte eine Reduzierung von 1,6 auf 1,2 Millionen Euro ab dem Jahr 2021 vorgesehen. Nachdem Oberbürgermeister Ashok Sridharan am Montag überraschend erklärt hatte, er lehne diese Kürzung ab, kündigte Kulturdezernent Martin Schumacher im Kulturausschuss auch einen formalen Kurswechsel der Stadtverwaltung an. Sie werde dem Finanzausschuss am 25. September eine Änderungsmeldung zum Haushaltsentwurf vorlegen. Es sei im Sinne der nachhaltigen Beethovenpflege wichtig, den Zuschuss nicht anzutasten, sagte Schumacher: „Das sieht der OB genauso.“

Die SPD hatte schon am Nachmittag in einer Erklärung betont, dass sie Kürzungen bei der Beethovenpflege ablehne. Sie warf der Stadtverwaltung vor, mit den Sparplänen einen „Imageschaden“ angerichtet zu haben. „Wir sind verwundert, mit wie vielen Stimmen sie hier spricht“, so der Kulturausschussvorsitzende Helmut Redeker. Das erschwere das Bemühen um Fördermittel. Auch Werner Hümmrich sparte nicht mit Kritik am Kürzungsvorschlag: „Ich habe mich über das Verhalten des Oberbürgermeisters gewundert“, sagte der FDP-Fraktionschef im Ausschuss. „Er hat den Haushaltsentwurf doch selbst mit unterzeichnet.“ Die Koalition will im Finanzausschuss über das Beethovenfest entscheiden.

Erleichtert dürfte die freie Kulturszene sein. Der Änderungsantrag der Koalition korrigiert auch hier den Haushaltsentwurf: Jamaika will das Förderbudget nicht reduzieren, sondern um rund 200.000 Euro erhöhen. Fast alle Kulturmacher, die wegen steigender Kosten Zuschusserhöhungen beantragt haben, können mit mehr Geld rechnen. So soll das Junge Theater knapp 70.000 Euro im Jahr zusätzlich erhalten, die Brotfabrik und das Jazzfest je 15.000 Euro, das Frauenmuseum 20 000 und das Contra Kreis Theater 30.000 Euro. Auch die Stadtgartenkonzerte am Alten Zoll sollen unverändert weiterlaufen.

Dem stehen jedoch auch Kürzungen gegenüber: Den Zuschuss für die Klassische Philharmonie will die Koalition bis 2020 von 40.000 auf 20.000 Euro halbieren. Für Rock und Pop soll es keinen eigenen Topf mit 30 000 Euro mehr geben; für solche Angebote gibt es dann nur noch eine Projektmittelförderung. Die Koalition will außerdem den Chören den Mietzuschuss streichen, wenn die Sänger für ihre Proben Schulräume nutzen.

Und sie hält auch daran fest, den Zuschuss für das Euro Theater Central ab 2019 komplett zu streichen. „Es ist eine bittere Entscheidung, eine solche Institution de facto zu schließen“, räumte Roswitha Sachsse-Schadt (Grüne) ein. „In Abwägung mit den anderen freien Trägern haben wir uns trotzdem dazu entschlossen.“