1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Süßes Handwerk: Das Bonner Café Kleimann wird 125 Jahre alt

Süßes Handwerk : Das Bonner Café Kleimann wird 125 Jahre alt

Die Konditoren Sabine und Rolf Jachmich haben sich dazu entschlossen, ihre Jubiläumsfeier zu verschieben. Für ihre Kunden haben sie sich eine Überraschung überlegt.

Auf eine lange Handwerkstradition blicken Rolf und Sabine Jachmich im Café Kleimann zurück. In der Rheingasse backen, formen und verzieren die Konditormeister in vierter Generation süßes Naschwerk. „Wir wollten in diesem April unser 125-jähriges Jubiläum feiern, aber wegen Corona müssen wir das verschieben“, sagte Rolf Jachmich. Das Bonner Paar lässt sich davon aber nicht entmutigen. Ihre Türen sind nach wie vor für den Verkauf offen. „Wir planen zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr noch eine Überraschung“, verriet Sabine Jachmich.

Hart getroffen hatte es die Familie, als Mitte März die Gastronomen den im 70er-Jahre-Stil gehaltenen Cafébereich schließen mussten. „Für uns war aber sofort klar, dass wir unsere Kunden weiterhin bedienen wollen“, sagte Rolf Jachmich. Die beiden hängten Plexiglasschutz zwischen Kuchentheke und Gastraum und baten die Besucher auf einem Schild vor der Tür, nur einzeln oder im Haushaltsverband einzutreten. Dass die Menschen trotz Corona gerne zu ihnen kommen, empfinden die beiden als Kompliment an das klassische Konditorenhandwerk, das sie seit ihrer Jugend betreiben.

Fast genau am heutigen Standort in der Rheingasse hatte Bäckermeister Heinrich Kleimann den Handwerksbetrieb im April 1895 gegründet, zwei Monate nach seiner Heirat mit Anna Winter. Drei Jahre später kaufte das junge Paar das Haus, in dem ihre Söhne Heinrich im Jahr der Eröffnung und Wilhelm 1899 geboren wurden. Weil der ältere Sohn im ersten Weltkrieg verletzt wurde, lernte auch der jüngere Wilhelm das Handwerk des Vaters und übernahm 1929 den elterlichen Betrieb mit seiner Frau Elisabeth. Sie stammte ebenfalls aus einer Koblenzer Konditorenfamilie. Die beiden hatten sich bei einem Bäckerball kennengelernt. „Das war damals so. Es gab Bälle für Bäcker, Metzger und so weiter, damit sich die jungen Leute aus den Handwerksfamilien kennenlernen konnten“, erzählte Sabine Jachmich. „Da wurden manche Ehen vorbereitet“, ergänzte Rolf Jachmich.

Sabine und Rolf Jachmich zeigen die Erwerbsurkunde ihrer Konditorei. Foto: Petra Reuter

Die Töchter Anneliese und Lieselotte Kleimann erblickten in der Rheingasse 1929 und 1930 das Licht der Welt. Vater Wilhelm wurde im zweiten Weltkrieg zwar eingezogen, erhielt nach wenigen Monaten jedoch den Rückkehrbefehl. „Es wurden Bäcker gebraucht, die das Volk mit Brot versorgten“, erinnerte sich Rolf Jachmich an die Berichte seines Vaters Helmut Jachmich, der als Konditormeister 1957 Lieselotte Kleimann geheiratet hatte. Zusammen mit seiner Frau baute der Vater des heutigen Inhabers Rolf Jachmich die beiden Häuser Nummer 16 und 18 auf den neu verteilten Grundstücken in der Rheingasse aus den meterhohen Schuttbergen wieder auf und erweiterte den ursprünglich 1956 in einem kleinen Raum eingerichteten Cafébereich.

„Bis in die 70er Jahre gab es in Bonn noch weit über 30 Cafés“, erinnerte sich Rolf Jachmich. Mit dem Siegeszug des Fernsehens und durch die Freizeitgewohnheiten, die sich in den folgenden Jahrzehnten  veränderten, verschwanden die alteingesessenen Namen nach und nach über den Ladentüren. „In der Innenstadt gibt es an traditionellen Cafés nur noch Müller-Langhardt und uns“, sagte Sabine Jachmich. Zusammen mit ihrem Mann möchte sie an dieser Tradition festhalten. „Wir produzieren mehr Pralinen und Confiserie als unsere Vorgänger“, sagte die in Bonn für ihre detailreichen Marzipan- und Nougatwerke bekannte Meisterin. Die Coronazeiten und das verhinderte Jubiläumsfest kommentierten die beiden Konditorenmeister bodenständig: „Es ist nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Es kommen auch wieder andere Zeiten. Dann holen wir das nach.“ Welche Überraschung die beiden im Jubiläumsjahr noch geplant haben, blieb erst mal ihr Geheimnis.