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Keltische Siedlung auf dem Campus Nußallee: Das Dorfleben vor 2500 Jahren

Keltische Siedlung auf dem Campus Nußallee : Das Dorfleben vor 2500 Jahren

Wolfgang Alt, emeritierter Professor für Mathematik und theoretische Biologie der Uni Bonn, ist es gewöhnt, vor großen Zuhörergruppen zu sprechen - meist allerdings in Hörsälen.

Am Samstag aber referierte er als Vorstandsmitglied des Fördervereins Poppelsdorfer Geschichte an einem sehr ungewöhnlichen Ort: auf einer Baustelle, zwischen fast fertigen Gebäuden, Gitterzäunen und blauen Plastikrohren. Denn der Campus Poppelsdorf an der Nußallee, der gerade in Höhe wächst und für das Kapital der Zukunft steht, birgt im Erdreich Schätze der Vergangenheit.

Nach einem Jahr historischer und geografischer Forschung über das Gelände, die Einbettung des Areals in seine nähere Umgebung und den Verlauf früher Straßen und Flüsschen ist der kundige Hobby-Historiker überzeugt: Genau dort, wo jetzt das Institut für Informatik und das neue Hörsaalzentrum entstehen, lag vor 2500 Jahren eine kleine, keltische Siedlung.

"Hier stehen wir im Oberdorf, wo zwei Kanäle zusammenliefen", erklärte Alt seinen staunenden Begleitern. "Dort vermute ich die Mühle und einen Schuppen. Eine große Grube mit vier seitlichen Einbuchtungen an der Seite deutet auf eine überdachte Stelle hin, an der Lehm gewonnen wurde."

"Bonnamagnus" (Breites Land) hat er die Ansiedlung in keltischen Worten genannt, um deutlich zu machen, dass sie bereits 500 vor Christus, also noch vor der römischen Besatzungszeit, entstanden sein muss. Dass die Römer auf dem heutigen Campus ihre Spuren hinterlassen haben, war 2012 bei einer Lehrgrabung von Archäologiestudenten ans Licht gekommen. Sie entdeckten die Überreste eines römischen Umgangstempels, der um etwa 100 nach Christus genutzt worden sein soll.

Doch weitere Funde aus der Eisenzeit und Erdverdickungen, die Rückschlüsse auf siedlungstypisch gesetzte Holzpfähle zulassen, belegen nach Ansicht des archäologisch versierten Emeritus ein noch länger zurückliegendes Dorfleben. "Ich war während der Ausgrabungen oft hier und habe zu den Archäologen gesagt: Findet mir doch bitte zum Beweis noch meine Straße", schilderte Alt seinen Zuhörern.

Monika Erker beispielsweise hatte in der Zeitung von der kostenlosen Veranstaltung des Fördervereins gelesen und war spontan gekommen. Auf der Baustelle blickte sie neugierig in alle Richtungen. "Ich fühle mich emotional betroffen. Denn ich komme aus Endenich und habe im Heimatkundeunterricht gelernt, dass die Gegend in der Ubierzeit besiedelt wurde. Und jetzt erfahre ich so viel Neues."

Von den Ausgrabungen ist auf dem Gelände nichts mehr zu erkennen. Nach der Kartographierung, der Entnahme von Fundstücken und umfassender Fotodokumentation wurden die Bauarbeiten fortgesetzt. Was bleibt, ist ein Ausgrabungsbericht, dessen Ergebnisse auch in Alts Theorie einflossen. "Da ist noch vieles zu erforschen", schloss er den Vortrag. "Wenn jemand auf Informationen oder Fundstücke stößt, reiche er sie bitte unbedingt weiter."