Künstliche Organe, Tierforscher oder Astronaut Das erwartet Besucher bei der Bonner Wissenschaftsnacht

Bonn · Bereits zum 14. Mal begeistert die Bonner Wissenschaftsnacht für Forschung und Wissenschaft. Unter dem Motto "Freigeist" zeigen die Aussteller noch bis Freitag, 23 Uhr, ihre neuesten Arbeiten. Der GA hat sich umgeschaut, was es zu bestaunen und entdecken gibt.

 Der DLR-Infostand lockt mit Raumfahrtmodellen und VR-Brille.

Der DLR-Infostand lockt mit Raumfahrtmodellen und VR-Brille.

Egal ob KI, Luftfahrt oder Medizin – die Wissenschaft ermöglicht es immer wieder, bahnbrechende Erkenntnisse und Techniken zu erlangen, die im alltäglichen Leben von Bedeutung sind. Um über ihre Arbeit zu informieren und Nachwuchs zu gewinnen, der auch in Zukunft Wissen schafft, präsentieren 22 Aussteller bei der 14. Bonner Wissenschaftsnacht ihre aktuellen Projekte. Da die diesjährige Veranstaltung anlässlich des 75. Jubiläums des Grundgesetzes unter dem Motto „Freigeist“ läuft, laden die teilnehmenden Hochschulen, Wissenschafts- und Forschungsinstitute die Besucher mit ganz speziellen Angeboten an ihren Ständen selbst zum Mitmachen, Ausprobieren und Staunen ein.

Wer zum Beispiel schon als Kind davon träumte, Astronaut zu sein, kann sich diesem Wunsch ganz bequem am Mülheimer Platz erfüllen. Denn am Stand des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) können Interessierte dank einer VR-Brille die Rolle eines Astronauten einnehmen und so „von ganz oben“ auf die Erde blicken. Dies sei sogar Teil eines realen Forschungsprojekts, was Astronauten bei einer Marsexpedition mental helfen soll, da die Erde nicht vom Mars aus erkennbar ist, so Johannes Weppler, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der deutschen Raumfahrtagentur im DLR.

Daneben locken ein Astronautenmodell für ein Foto sowie etliche Modelle von Satelliten, Raumschiffen und -stationen zum Bestaunen. Ziel ist es – gerade in Bonn als DLR-Standort – Nachwuchs-Wissenschaftler und -ingenieure zu gewinnen. Dafür brauche es neben Neugier auf Wissen auch Ausdauer, denn Raumfahrtforschung bestehe aus langfristigen Projekten, sagt Weppler. Dafür habe man auch einen faszinierenden Job: „Sowohl die Wissenschaft, als auch die Technik sind an den Grenzen des Machbaren. Überwindet man die, erhält man Ergebnisse, die auch für die Erde nutzbar sind.“

Auf Expedition mit dem Museum Koenig

Doch um Abenteuer zu erleben, muss man nicht zwangsläufig direkt ins All. Am Stand des Museum Koenig kann sich jeder im Auftrag des Artenschutzes auf Naturexpedition begeben. Dafür hat das Museum gleich zwei verschiedene Angebote: ein virtuelles und eins mitten in der heimischen Natur. Letzteres hört auf den Namen FörTax (kurz für Förderung von taxonomischem Wissen) und hat einen ernsten Hintergrund: das Artensterben und den Verlust von Biodiversität. „Uns gehen nicht nur immer mehr Arten verloren, sondern auch die Menschen, die Arten erkennen können“, sagt Friedrich-Wilhelm Miesen, Mitarbeiter der Abteilung Bildung und Vermittlung des Museums. Daher sollen in der Kooperation mit der Fachdidaktik Biologie der Uni Bonn bereits Kinder im Kindergartenalter darin geschult werden, Tierarten zu bestimmen. Laut Miesen brauche man dafür nämlich kein Studium, sondern lediglich Interesse und Beobachtungsgabe: „So kann man ganz einfach in seiner Freizeit etwas zum Artenschutz tun und tut sich nebenbei mit einem entspannenden Hobby in der Natur etwas Gutes.“

Seine Kollegin Anika Busch betreut dagegen ein neues digitales Format, was in die gleiche Richtung geht: Die Online-Plattform Neo (Natur Entdecken Online) geht am 22. Juni von der Homepage des Museums Koenig für alle ans Netz und kann hier vorab getestet werden: „Dabei können insbesondere Kinder auf Expedition zum Beispiel in die afrikanische Savanne gehen oder auch Fantasietiere kreieren.“ Das soll Verständnis für Biodiversität geben.

Mit Tieren beschäftigt sich auch die Initiative 3-R-Kompetenznetz NRW, ein seit 2022 bestehender Zusammenschluss aller medizinischen Fakultäten der NRW-Unis. Das Thema beschäftigt den Zeitgeist wie selten zuvor, denn bei 3R dreht sich alles rund um Tierversuche – oder eben nicht: „Wir setzen uns dafür ein, medizinischen Fortschritt in Einklang mit bestmöglichem Tierschutz zu bringen“, erklärt Michael To Vinh, Netzwerkmanager des Projekts. Ziel der Teilnahme an der Wissenschaftsnacht sei es, mit Vorurteilen aufzuräumen und das neue Projekt mit seinen Forschungsarbeiten bekannter zu machen.

Zwar seien Tierversuche immer noch nötig, aber sie sollten unbedingt auf ein Minimum reduziert werden. Daher setzt sich die Initiative nicht nur für bessere Haltungs- und Umgangsbedingungen von Labortieren ein, sondern treibt auch die Forschung von Alternativen an: Durch Organoide (organähnliche in vitro Zellkulturen) und computergesteuerte Stoffwechselberechnungen sei dies möglich. „Durch das System ‚organ on a chip‘ lassen sich sogar Organoide verbinden und sich so ein Blutkreislauf nachstellen“, erklärt er und ergänzt: „Die Leute sind erstaunt, was Wissenschaft heute alles schon leisten kann.“ Wer sich davon selbst überzeugen möchte, kann das auch noch am Freitag von 9 bis 23 Uhr tun.

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