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RHEINLANDSTUDIE: Das Gehirn besser verstehen

RHEINLANDSTUDIE : Das Gehirn besser verstehen

Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen will 30 000 Probanden über einen Zeitraum von 30 Jahren untersuchen. Sich verändernde Hirnstrukturen und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit stehen im Fokus der Erhebung.

Gut 300 Beueler Bürger hat das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) angeschrieben und zu einem ersten Informationstreffen für die große Rheinlandstudie eingeladen. Was hält gesund? Was macht krank? Was bedingt Alterskrankheiten wie Demenz? Auf diese Fragen erhoffen sich die Bonner Forscher Antworten. Über einen Zeitraum von 30 Jahren wollen sie 30 000 Probanden im Drei- bis Vierjahresrhythmus untersuchen und befragen.

Die ersten Neugierigen haben sich nun nach dem genauen Ablauf erkundigt. Ein Ehepaar, das nicht mit Namen in der Zeitung stehen möchte, hat die Post der Rheinlandstudie mit großem Interesse gelesen. „Wir überlegen teilzunehmen, weil wir glauben, dass wir der Gesellschaft auch etwas zurückgeben müssen“, sagt der 52-Jährige. Ihm und seiner 48-jährigen Frau gehe es vor allem darum, die Menschen und Mitarbeiter, die hinter der Studie stehen, zunächst kennenzulernen und den genauen Ablauf zu erfahren.

Das Interesse beim ersten Treffen ist zaghaft, aber in gewisser Weise ist das eingeplant. „Da es auch um Vertrauen geht, wollen wir, dass die Menschen zunächst im kleinen Kreis über die Studie reden“, erklärt Nüket Cebi, Pressesprecherin für die Studie. Beim Treffen wollten die potenziellen Teilnehmer von den Mitarbeitern vor allem wissen, wie die Untersuchungen ablaufen. Immerhin nimmt ein Untersuchungstag rund sieben Stunden Zeit in Anspruch. Er ist in halbstündige Untersuchungsblöcke unterteilt, findet allerdings nur alle drei bis vier Jahre statt. Es stand ebenso die Frage im Raum, ob Krankheiten ein Ausschlusskriterium für die Teilnahme sind. Das ist grundsätzlich nicht der Fall. „Wir wollen gerade einen repräsentativen Querschnitt abbilden“, sagt Cebi. Grundvoraussetzung ist allerdings ein Alter über 30 Jahre.

In ihrem Umfang ist die Studie außergewöhnlich. Die Hirnstruktur wird bei den Untersuchungen von Magnet-Resonanz-Tomographen (MRT) erfasst, Blut und Urin entnommen, die Funktionen von Augen, Ohren und Geruchssinn überprüft, um nur einige Beispiele zu nennen. „Unser Forschungsansatz ist breit gefasst. Die Rheinlandstudie wird sich daher nicht nur auf Risiken für eine Demenz oder andere Erkrankungen des Nervensystems konzentrieren. Wir möchten grundsätzlich verstehen, wie sich das Gehirn im Laufe des Lebens verändert und wie diese Veränderung unsere Gesundheit beeinflusst“, so die niederländische Professorin Monique Breteler, die das Forschungsprojekt leitet.

Die medizinische Vorgeschichte spielt ebenso eine Rolle wie die Ernährung und die psychische Gesundheit. An drei Standorten plant das DZNE die Durchführung. Fest stehen Beuel in einer Liegenschaft am Landgrabenweg und Hardtberg in einem Haus an der Heilsbachstraße; die Entscheidung über den dritten Standort ist noch nicht gefallen. Dass ausgerechnet die hiesige Region ausgewählt wurde, liegt an der Durchmischung der Bevölkerung. Für die Teilnahme kann man sich übrigens nicht selbst melden.

Das DZNE schreibt sukzessive einen Kreis von Bürgern um ihre Standorte herum an und fasst den Kreis immer weiter, bis die notwendige Zahl Freiwilliger gefunden ist. Cebi weist auch daraufhin, dass die Rheinlandstudie nicht ein Ersatz für eine Gesundheitsvorsorge ist. „Das Interesse am Gemeinwohl wird eher Motivation sein mitzumachen.“ Auf die Untersuchungsergebnisse folgt keine Diagnose.

Eine Ethikkommission hat allerdings Richtlinien erarbeitet, nach denen bei auffallenden Befunden dennoch der Proband informiert werden kann. Cebi: „Wir wissen außerdem aus anderen Studien, dass manche Teilnehmer ihre Ernährung gesünder gestalten.“