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Interview zu Südüberbauung und Maximilian-Center: „Das teuerste Stückchen Bonn“

Interview zu Südüberbauung und Maximilian-Center : „Das teuerste Stückchen Bonn“

Investor Albert Ten Brinke spricht über schwierige Verhandlungen mit Alteigentümern und Kritiker mit unrealistischen Vorstellungen. Der Kauf der Südüberbauung war teurer als geplant.

Ihr Unternehmen investiert rund eine Viertelmilliarde Euro. Was macht Bonn für Sie so attraktiv?

Albert Ten Brinke: Bonn ist attraktiv, weil auch viele Investoren und Mieter Bonn attraktiv finden. Das ist für uns ein Leitfaden, wo wir unser Geld investieren. Und Bonn hat bei nationalen und internationalen Investoren einen sehr sehr guten Ruf.

Den Mäanderbau der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) am Trajekt haben Sie schon umgesetzt. Vor einem guten Jahr sind die GIZ-Mitarbeiter dort eingezogen. Dann im vergangenen Dezember die Nachricht, dass Sie bis Ende 2019 direkt daneben an der Friedrich-Ebert-Allee einen sechsgeschossigen Komplex mit bis zu 850 Büroarbeitsplätzen errichten. 158 Millionen Euro soll das kosten. Wie laufen die Vorbereitungen dort?

Ten Brinke: Der Bauantrag ist eingereicht. Wir erwarten, Ende August/September wenigstens eine Teilbaugenehmigung zu bekommen und mit den Erdarbeiten beginnen zu können.

Wieder ein halbes Jahr später der nächste Paukenschlag: Sie haben tatsächlich alle 38 Eigentümer der Südüberbauung überzeugen können, an Sie zu verkaufen. Wie haben Sie das geschafft? Im Rat haben Sie gesagt: „Mit holländischer Gelassenheit.“ Dennoch eine Erklärung bitte.

Ten Brinke: Man darf sich nicht groß aufregen und muss ein Problem nach dem anderen lösen. Wir haben die Verträge so abgeschlossen, dass wir aus den ersten hätten wieder aussteigen können, wenn wir nicht alle unter einen Hut hätten bringen können. In der Tat: Es war nicht ganz einfach, denn jeder kocht sein eigenes Süppchen. Naja, und die Zeit hat ja auch für uns gespielt.

Das sehen Sie als Vorteil?

Ten Brinke: Natürlich. Es haben sich ja viele vor uns um das Projekt bemüht. Da waren einige unter den Eigentümern, die endlich verkaufen wollten, andere hatten die Immobilie nicht so lange und wollten spekulieren.

Sie hatten aber auch eine eindeutige Frist gesetzt, wann Sie aussteigen wollten.

Ten Brinke: Da ging es zum Beispiel um die Mietverträge, die wir fristgerecht kündigen mussten, um im Zeitplan zu bleiben. Andererseits gab es auch Eigentümer, die ebenfalls Fristen gesetzt hatten. Vor allem die Selbstnutzer wollten ja auch endlich Klarheit, weil sie in das Gebäude investieren wollten, wenn es keine Lösung gegeben hätte. Es war eine ziemliche Sisyphusarbeit.

Es hieß immer, Sie hätten sich eine Obergrenze gesteckt, was Sie für die Immobilien zahlen wollten. Ist es dabei geblieben?

Ten Brinke: Mhm. Ich muss fairerweise sagen, dass die Verkaufsfaktoren für diese Art von Projekten gestiegen sind.

Was heißt das?

Ten Brinke: Das heißt, dass wir eine super Zeit haben, wo alle Welt in Immobilienfonds investiert. Börse oder Staatsanleihen taugen nicht, um zu investieren. Man kann zurzeit nur in Immobilien gehen. Dazu der niedrige Zinssatz. Das alles hat dazu geführt, dass die Verkaufspreise ziemlich gestiegen sind. Dadurch ist unser Investitionsvolumen etwas höher ausgefallen, als wir anfangs gedacht haben. Und das ist von den Eigentümern voll ausgeschöpft worden. Die leben ja auch nicht auf dem Mond.

Wieviel haben Sie am Ende bezahlt?

Ten Brinke: (lacht) Das ist jetzt das teuerste Stückchen Bonn.

Einiges bekommen Sie von der Stadt, weil Sie ihr Flächen überlassen werden. Rund fünf Millionen Euro zahlt Ihnen die Stadt dafür.

Ten Brinke: Über Beträge rede ich nicht. Aber ja: Das war ein Nebengeschäft, weil die Stadt Bonn ja ihre öffentlichen Flächen im Eigentum haben wollte und ihre eigenen städteplanerischen Ziele verfolgt, einen Missstand an dieser Stelle zu bereinigen. Aber die Stadt hat weit weniger bezahlt, als wir dafür ausgegeben haben. Dennoch war das eine sehr willkommene Unterstützung vonseiten der Stadt Bonn.

Was reizt einen niederländischen Unternehmer, der Bürokomplexe in Berlin und Nürnberg baut, Shoppingcenter, Einkaufsmärkte und Seniorenresidenzen etwa in Eitorf errichtet, an einem solch komplizierten Projekt wie der Südüberbauung?

Ten Brinke: Das habe ich mich manchmal auch gefragt. (lacht) Wir waren tatsächlich ein paar Mal an dem Punkt angelangt, alles hinzuschmeißen. Aber irgendwann steigert man sich auch in so ein Projekt hinein und nimmt die Herausforderung an. Das Wort „Aufgeben“ gibt es in unserem Wörterbuch nicht.

Man kann sein Geld sicher einfacher verdienen.

Ten Brinke: Zum Glück ja! Aber wir wurden immer wieder motiviert. Auch von der Stadt. Und wir haben von unserem guten Namen profitiert. Die Leute haben schnell gemerkt, dass wir kein Windfähnchen waren. Wir haben keine Luftschlösser gebaut.

Was macht eigentlich Roger Sevenheck, der jahrelang an dem Projekt dran war?

Ten Brinke: Das kann ich nicht sagen. Der hatte uns das Projekt zur Kooperation angeboten, aber diese Gruppe…

… die German Development Group (GDG)…

Ten Brinke: … war in sich so uneinig, dass das nicht funktioniert hat. Wir haben dann die Einheiten der GDG übernommen, und das war's dann.

Was sagen Sie zur nach wie vor anhaltenden Kritik am Maximilian-Center?

Ten Brinke: Gegenfrage: Gibt es ein Projekt, zu dem es keine Kritik gibt? Mal im Ernst: Wünsche darf man ja haben. Ich habe noch nie ein Projekt erlebt, wo alle Leute sofort begeistert waren. Und hier: Wer sich die einzelnen Punkte mal genau anschaut, wird sehen, dass es keine andere Lösung als unser Maximilian-Center geben kann. In einer perfekten Welt kann man vielleicht vieles anders machen, aber nicht in der Realität. Wenn das ein öffentliches Projekt der Stadt Bonn wäre, dann könnte auch jeder Bürger seine Vorstellungen einbringen. Wir müssen aber auch wirtschaftlich denken. Die Stadt gibt keinen Euro dazu.

…bis auf die Flächen, die sie kauft.

Ten Brinke: … die sie längst hätte kaufen müssen. Nochmal: Das, was an dieser Stelle passiert, wird alles mit privatem Geld umgesetzt. Und das Ergebnis kann sich mehr als zeigen lassen. Ich meine: Wir haben 38 Eigentümer unter einen Hut gebracht, die alle andere Vorstellungen hatten. Und den meisten war es im Übrigen völlig egal, was an dieser Stelle passiert. Die haben in erster Linie erst mal an ihre eigene Tasche gedacht.

Haben Sie schon andere Nutzungen vorgesehen? Was kommt außer Primark?

Ten Brinke: Ja, unten haben wir ja noch 2300 Quadratmeter vermietbare Fläche. Da kommt Gastronomie und Nahversorgung rein.

Wird das Objekt im Eigentum der Ten Brinke Group bleiben?

Ten Brinke: Auf Dauer nicht. Wir behalten nie Projekte. Wir verkaufen generell alle Projekte, die wir umsetzen. Weil wir das Geld für die nächsten Pläne brauchen. Sie können sich vorstellen, dass wir bei solchen Projekten achtstellige Beträge beim Notar hinterlegen müssen. Sonst wären viele von den Eigentümern gar nicht erst zum Unterschreiben gekommen. Das kann ich nur machen, wenn ich ein anderes Projekt wieder frei habe.

Steht schon fest, an wen das Maximilian-Center geht?

Gibt es noch andere Projekte, die Sie im Bonn reizen?

Ten Brinke: Da gibt es noch einige Projekte, aber noch nichts Spruchreifes.